Stillen mit Flach-, Schlupf-, oder Hohlwarzen - Mammacita

Stillen mit Flach-, Schlupf-, oder Hohlwarzen

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

Wir sind alle sehr verschieden. Einige sind groß, andere klein, die einen dick, die anderen dünn. So wir wir alle einzigartig sind, sind es auch unsere Brüste. Es gibt verschiedene Formen von Brüsten, aber auch unterschiedliche Brustwarzenformen. Die ideale Brustwarze richtet sich ein wenig auf, wenn sie sich verhärtet, sie steht ein wenig vom Warzenvorhof ab. Für das Stillen ist diese Form die ideale Voraussetzung, denn sie kann vom Baby leicht gefunden und angesaugt werden.

Die Form der Brustwarze bietet nicht immer die beste Voraussetzung zum Stillen. Unmöglich ist das Stillen jedoch nur in den seltensten Fällen. Normalerweise ist die weibliche Brust und die Brustwarze so konzipiert, dass sie mit ein wenig Geduld Mutter und Kind problemlos das Stillen ermöglicht. Schlussendlich muss der Nachwuchs optimal versorgt werden.

Verschiedene Brustwarzenformen

Milchpumpe
Mit der Milchpumpe kannst Du vor dem Stillen deine Brustwarze formen

Manchmal ist die Form der Brustwarze nicht so optimal, wie sie sein sollte, damit ein Baby die Brustwarze von Anfang an problemlos ansaugen kann.

Bei einer Flachwarze bleibt die Brustwarze bei Stimulation im Wesentlichen unverändert, die Spitze bleibt flach und stellt sich nicht auf. Dadurch, dass sie flach ist, ist sie für das Baby schwieriger zu finden als bei der idealen Form.

Auch Schlupfwarzen können eine Herausforderung darstellen. Diese zieht sich bei Stimulation sogar ein wenig nach innen. Es entsteht der Eindruck, dass dabei eine Vertiefung entsteht. Frauen, die eine Schlupfwarze haben, benötigen meist Hilfsmittel, um ihr Kind ausreichend stillen zu können.

Es gibt auch noch eine andere Form, die sehr gerne mit der Schlupfwarze verwechselt wird: die Hohlwarze. Sie kommt jedoch nur bei etwa 1 Prozent der Frauen vor und ist somit sehr selten. Im Grunde fehlt bei dieser Variante die Brustwarzenspitze und es gibt im Warzenvorhof nur eine umrandete Vertiefung. Die Hohlwarze ist meistens gar nicht für das Stillen geeignet, denn sie ist in der Regel mit extrem wenigen Milchgängen verbunden. Manchmal ist es Frauen mit dieser Form medizinisch gesehen gar nicht möglich zu stillen.

Vorbereitung auf das Stillen

Viele Frauen fragen sich, ob es Sinn macht, sich die Brustwarzen bereits während der Schwangerschaft genauer anzusehen? Ich finde, dass es durchaus Sinn macht sich mit der Anatomie seiner Brustwarzen bereits in der Schwangerschaft auseinandersetzen. Somit kannst Du schon zuvor herausfinden, ob es bei Stillen eventuell Komplikationen geben könnte.

Selbsttest

Dazu machst Du einfach den Selbsttest und drückst die Brustwarze rund 2,5 Zentimeter hinter dem Warzenansatz zusammen. Verwende dafür Deinen Daumen und den Zeigefinger. Du wirst dadurch recht schnell erkennen können, ob Deine Brustwarzen für das Stillen geeignet sind oder eher nicht. Du kannst aber auch Deine Hebamme fragen, ob sie mit Dir ein stillvorbereitendes Gespräch macht und sich bei dieser Gelegenheit Deine Brust ansehen kann.

Wenn Du eine Flach-, Schlupf-, oder Hohlwarze haben solltest, gibt es heute einige Möglichkeiten, die Deine Brustwarzen auf das Stillen vorbereiten können.

Selbstmassage

Du kannst beispielsweise Deine Brustwarze selber massieren, am besten mehrmals täglich um das Bindegewebe elastischer und weicher machen, sodass die Brustwarze leichter hervortritt. Dabei kannst Du sie etwas drehen und ziehen, um sie aufzurichten. Wenn Du magst kannst Du auch ein wenig Öl (z.B. Weizenkeimöl, Olivenöl) dazu nehmen.

Niplette

Die sogenannte Niplette (Avent) ist ein Hilfsmittel, eine Art Brustwarzenaufsatz, welches eine sanfte Sogwirkung auf Deine Brustwarze ausübt.

Durch den Sog können sich die verkürzten Milchgänge langsam und vorsichtig dehnen. Dies kann eine Korrektur von flachen Warzen bewirken. Dabei besteht die Niplette aus einem Formteil für die Brustwarze und einem Schlauch. Der Formteil wird auf die Brustwarze gesetzt, während mit der Saugpumpe die Luft aus der Form gesaugt wird. Die Warze soll somit in die passende Form gebracht werden. Die Niplette solltest Du etwa 2 bis 3 Wochen in Deinem BH für rund 8 Stunden täglich tragen. Danach verwende sie nur noch ab und zu!

Frau mit Schlupfwarze benutzt Stillhütchen zum leichteren Stillen
Stillhütchen aus Silikon stellen eine einfache Möglichkeit dar sein Baby trotz „schwieriger“ Brustwarzen erfolgreich zu stillen

Brustwarzenformer

Auch die sogenannten Brustwarzenformer (z.b. von Medela) sind ein Hilfsmittel bei denen die Brustwarzen bereits in der Schwangerschaft gedehnt und verlängert werden sollen. Diese Plastikschilder, bestehen aus einer flachen Scheibe mit einem Loch in der Mitte für die Brustwarze und einem gewölbten Schild und werden in den BH gelegt. Bei den Brustwarzenformern entsteht Druck auf den Brustwarzenhof wobei als Folge die Brustwarzenspitze in das gewölbte Schild gedrückt wird. Wichtig ist, dass der BH ein wenig Druck auf den Brustwarzenformer ausübt. Er darf deshalb nicht zu locker sitzen.

Man sollte wissen, dass all diese Möglichkeiten allerdings meist nicht zu einer bleibenden Veränderung der Brustwarzenform führen. Wissenschaftlichen Studien konnten meist nur einen geringen positiven Effekt nachweisen können.

Chirurgischer Eingriff

Das ist anders bei einem chirurgischen Eingriff, der allerdings eine drastische Möglichkeit darstellt eine Fehlstellung der Brustwarze zu beheben. Jedoch gibt es das Risiko, dass Milchkanäle und Nerven bei der Operation verletzt werden können. Und obwohl dieser Eingriff meist ambulant durchgeführt und eher eine kleine Sache ist, sollte diese Maßnahme trotzdem gut überlegt werden.

Hilfsmittel während des Stillens

In jedem Fall sollte man erst einmal versuchen sein Baby ohne Hilfsmittel anzulegen. Denn ob es mit dem Stillen klappt, hängt nicht nur von der Form der mütterlichen Brustwarze ab, sondern auf von der Beschaffenheit des kindlichen Mundes und vom Wesen des Babies selber. Gerade in den ersten Tagen solltest Du dir ruhig von Deiner Hebamme etwas helfen lassen. Sie kennt sicher einige Tipps und Tricks, die dir helfen können.

Stillhütchen

Wenn es dann trotzdem nicht klappen sollte und dein Baby die Brustwarze nicht richtig greifen kann um ein Vakuum aufzubauen, sind Stillhütchen eine einfache und tolle Möglichkeit trotz Schlupf-, oder Hohlwarzen sein Baby zu stillen. Diese „Hütchen , meist aus Silikon) legst Du auf deine Brustwarze. Sie bilden dann einen Adapter zwischen der Mundhöhle des Kindes und der Brustwarze. Dem Baby fällt es dann einfacher die Brustwarze anzusaugen. Es saugt Deine Brustwarze in das Stillhütchen hinein.

Baby trinkt mit Stillhütchen
ein Stillhütchen erleichtert es dem Baby die Brustwarze anzusaugen

Stillhütchen haben auch einige Nachteile, wie z.B., dass die Milchmenge mit der Zeit zurückgehen kann, da die Stimulation an der Brustwarze eine andere ist als wenn Du ohne Stillhütchen stillen würdest, oder dass das Kind sich schlecht von dem Hütchen entwöhnen lässt, da es von Anfang an das Silikon im Mund kennengelernt hat. Ich haben allerdings in vielen Fällen beobachtet, dass Frauen, die sonst abgestillt hätten, ihr Baby mit einem Stillhütchen prima stillen konnten.

Milchpumpe

Eine Milchpumpe (egal ob manuell, oder elektrisch), die Du einige Minuten vor dem Stillen des Babies benutzt, bewirkt, dass sich Deine Brustwarze aufrichtet. Neben dem Aufrichten der Brustwarze, wird dabei auch der Milchspendereflex ausgelöst, was dazu führt, dass dein Baby sofort lostrinken kann.

Du siehst heute gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten und Hilfsmittel, die dir helfen können, dass Du Dein Kind dennoch so stillen kannst, wie Du es gerne würdest! Gute Informationen rund ums Stillen und auch Stillberaterinnen in deiner Nähe findest Du hier:

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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