Der Körper nach Schwangerschaft und Geburt - Mammacita

Der Körper nach Schwangerschaft und Geburt

Von Julia Ronnenberg | Rückbildung

nach der Geburt sollte eine Frau ihren Körper schonen, damit der Körper im Wochenbett heilen und sich erholen kann.

Unter dem Begriff Wochenbett versteht man die Zeit unmittelbar nach einer Geburt. Sie ist in den meisten Kulturen auf 42 Tage definiert. Dieser Zeit solle vor allem eine Zeit der Schonung sein, in der dein Körper sich in Ruhe erholen darf und wichtige Rückbildungs- und Wundheilungsprozesse stattfinden. Auch der Stillbeginn und das gegenseitige Kennenlernen stehen in dieser Zeit im Vordergrund. In den ersten 6 bis 8 Wochen nach der Geburt brauchst Du viel Schlaf. Doch genau diese Zeit ist auch von einem sehr unregelmäßigem Tages- und Nachtzyklus gekennzeichnet, denn Dein Kind wird Dich mit Sicherheit oft munter halten. Doch worauf solltest Du in dieser Zeit besonders achten und wie sieht es mit der Rückbildung aus?

körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft erfordert Höchstleistung von deinem Körper. Neben den hormonellen Veränderungen wurden deine Körpergewebe aufgelockert, um deinem wachsenen Kind und den inneren Organen genug Platz zu machen. Deine Bauchdecke und auch der Beckenboden wurden durch die Schwangerschaft und dann durch die Geburt enorm überdehnt und der Beckenboden auch in vielen Fällen verletzt. In nur 9 Monaten hat dein Körper eine solche Veränderung durchgemacht. Kein Wunder, dass er nach der Geburt erst einmal erschöpft ist und eine Weile braucht um sich zu erholen und zur alten Form zurückzukehren.

Wir Hebamme holen gerne unsere alte Hebammenregel raus um den Frauen von vornherein ein wenig Druck zu nehmen. „Eine Schwangerschaft braucht 9 Monate und geht 9 Monate!“, so die Regel. Es gibt natürlich immer Frauen, die eine sehr schnelle Rückbildung haben und denen man es schon nach kurzer Zeit nicht mehr ansieht, dass sie schwanger waren. das ist allerdings der kleinste Teil. Diese Regel bezieht sich übrigens nicht nur auf den Bauch und den Beckenboden, sondern auf alle Veränderungen, die durch Schwangerschaft und Geburt stattgefunden haben.

Was ist das Wochenbett?

Das Wochenbett klingt auf den ersten Blick sehr altmodisch. Entstanden ist dieser Begriff übrigens in einer Zeit, in der die Mutter und das Kind mindestens eine Woche nach der Geburt noch gemeinsam im Bett lagen. Heute wird dies von den wenigsten Müttern noch so vollzogen. Bis die Mutter und das Kind wieder in den Alltag zurückfanden, dauerte es früher lange. Heute sieht das meist komplett anders aus. Das Wochenbett als eine unantastbare Zeit der Regeneration ist uns in Deutschland kulturell abhanden gekommen. Nach 3 Tagen Krankenhaus gönnen sich viele Mütter nicht mehr viel Ruhe nach der Geburt. Meist geht es relativ schnell wieder zurück in den gewohnten Alltag, wenn auch mit Veränderungen…

Das Wochenbett ist jedoch generell durch 5 Vorgänge gekennzeichnet:

  • gegenseitiges Kennenlernen, Mutter-Kind-Bindung
  • Stillen und Milchproduktion
  • Wundheilung
  • hormonelle Umstellung
  • Rückbildung

Rückbildung im Wochenbett


Dein Körper musste 9 Monate lang durch eine Schwangerschaft gehen und hat ein Kind geboren. Neben der Pubertät dürfte dies die größte körperliche Veränderung im Leben einer Frau sein. Der weibliche Körper ist zu einigem Fähig und hat eine große Regenerationsfähigkeit. In den ersten Wochen nach der Geburt erledigt der Körper viele Wundheilungs- und Rückbildungsprozesse.

Wochenfluss und Gebärmutter

Der Körper einer jeden Frau ist nach der Geburt verletzt. Bei der einen mehr, bei der anderen weniger, abhängig davon, ob es eine Verletzung im Dammbereich gab, oder ob das Baby vaginal, oder per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist. Was alle Frauen gemeinsam haben ist die Wunde in der Gebärmutter, dort wo der Mutterkuchen (Plazenta) saß. Diese Wunde ist so groß wie die Plazenta groß war und beginnt sich Stück für Stück zu verschließen, bis sie nach 4-6 Wochen dann komplett abgeheilt ist. Dafür sind Nachwehen unersetzlich, die die Rückbildung der Gebärmutter in ihre Ursprungsgröße unterstützen, wodurch sich die Plazentawunde verkleinert und der Blutfluss vermindert wird. Pro Wochenbetttag senkt sich die Gebärmutter um rund einen Querfinger und sollte am 12. Tag nicht mehr tastbar ist. Die Rückbildung der Gebärmutter kannst Du durch regelmäßige Bauchlagen unterstützen.

Ein Indikator für die Wundheilung ist der sogenannte Wochenfluss. Anfangs besteht der Wochenfluss überwiegend aus Blut und Schleimhautresten und Wundflüssigkeit und ist rot, dann verändert er seine Farbe in braun, dann gelb und später in weiß. Dann ist die Wundheilung abgeschlossen.

Bauchmuskulatur

Nimmt die Gebärmutter wieder ihre Ursprungsgröße an, wird auch der Bauch insgesamt wieder kleiner werden. Bis dieser jedoch wieder ganz flach ist, wird es wahrscheinlich Monate dauern. Denn durch das Wachstum der Gebärmutter wurde die Haut, aber auch die Bauchmuskulatur überdehnt. Bis die Bauchmuskeln wieder an Spannung gewonnen haben, dauert es gute zwei Monate. Bei vielen Frauen hat sich in der Schwangerschaft eine sogenannte Rektusdiastase gebildet, bei der es zu einem Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur kommt. Damit sich dieser Bauchspalt wieder verschließen kann, sollte man in den ersten Wochen immer über die Seite aufstehen und sich hinlegen und auf gar keinen Fall Bauchmuskelübungen machen. Andernfalls, kann man den Verschluss der Rektusdiastase verhindern, oder den Spalt sogar vergrößern.

Gewichtsabnahme

Die meisten Frauen verfolgen ihre Gewichtszunahme in der Schwangerschaft mit kritischen Augen. Meist ist dies überflüssig, denn die allermeisten Frauen werden die zugenommenen Kilos von ganz alleine wieder loswerden. Alleine durch die Geburt wirst Du rund 6 Kilogramm an Gewicht verlieren. Und dann folgen noch weitere 3-5 Kilo in den ersten Tagen nach der Geburt, so dass Du wahrscheinlich bereits nach einer Woche 10 Kilo von den Schwangerschaftspfunden losgeworden bist. Vielleicht gehörst Du auch zu den Frauen, die in der Schwangerschaft mit angeschwollen Fingern und Füßen zu tun gehabt haben. Diese Wassereinlagerungen machen einen großen Teil der Gewichtszunahme in der Schwangerschaft aus und werden bereits zwei Wochen nach der Geburt ausgeschwemmt sein.

Die meisten Frauen wollen schnell ihr altes Gewicht wieder erlangen, doch auf Hektik solltest Du dabei verzichten. Nach einer Geburt ist die Gewichtsabnahme ein natürlicher Vorgang. Das Stillen und das Tragen von Deinem Kind benötigt Kraft. Und besonders die erste Zeit wird dich besonders fordern. Auf Diäten und Sport solltest Du im Wochenbett in jedem Fall verzichten, denn diese haben negative Auswirkungen auf Dich und Dein Kind. Der Köper muss erst einmal heilen, bevor Du mit Sport beginnst.

der Darm

Deine inneren Organe werden in der Schwangerschaft zu allen Seiten verdrängt und kehren im Wochenbett wieder zu ihrem Ursprungsort zurück. Der Darm macht dabei machmal Probleme. Manche Frauen leiden in den ersten Tagen nach der Geburt unter Verstopfung. Darum solltest Du viel trinken und auf eine ballaststoffreiche Kost setzen. Eine Wochenbettbauchmassage ist nicht nur sehr angenehm, sondern bringt auch den Darm wieder in Schwung.

Beckenboden

Dein Beckenboden musste in der Schwangerschaft einiges tragen. Und sofern Du dein Baby vaginal geboren hast, musste er sich auch maximal dehnen. Daher hängt die Beckenbodenmuskulatur nach einer Geburt erst einmal durch und kann seine Aufgaben wie die Sicherung der Ausscheidung und die Lagesicherung von Blase und Gebärmutter nicht zuverlässig erfüllen. Das kann zu einem unangenehmen Druckgefühl im Bereich der Scheide, aber auch zu ungewolltem Urinverlust, oder auch Darmgasen und Stuhl führen. Damit der Beckenboden sich erholen kann, ist es wichtig viel zu liegen, den nur in der liegenden Position ist er entlastet.

Dammverletzungen

Viele Frauen haben durch die Geburt eine Verletzung an ihren Genitalien erlitten. Das kann die Schamlippen, die Klitoris, die Scheide selber, oder den Bereich zwischen Scheide und Anus betreffen. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt sind solche Verletzungen sehr schmerzhaft und können brennen. Für die Wundheilung ist es daher sehr wichtig die Wunden zu entlasten und viel zu liegen. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt kann es sinnvoll sein beim Pinkeln lauwarmes Wasser über die Vulva laufen zu lassen, um den Urin zu verdünnen. Später können Sitzbäder mit Kamille, Calendula, oder Eichenrinde sehr angenehm sein. Gibt es eine starke Schwellung empfinden viele Frauen kühlende Quarkkompressen als lindernd. Dafür nimmt man ein Stück Küchenrolle, in die Mitte einen Klecks Speisequark und faltet das ganze so zusammen, dass der Quark in der Kompresse bleibt.

Warum solltest Du Dich schonen?

Der Körper gewöhnt sich allmählich wieder an das „Nicht-schwanger-sein“. Körperliche Anstrengungen solltest Du in der ersten Zeit vermeiden, um deinen Körper nicht zu überfordern. Belastest Du dich zu früh mit Heben, oder Sport, kannst Du sogar deiner Bauchmuskulatur und deinem Beckenboden nachhaltig schaden und auch die Wundheilung behindern. Dieser ist, genau wie deine Bauchdecke, überdehnt und weich und muss erst einmal wieder eine gute Grundspannung bekommen, bevor er belastet wird.

Neben der körperlichen Rückbildung bietet das Wochenbett die Möglichkeit in deine neue Rolle als Mama hineinzuwachsen. Daher sollte die erste Zeit nach der Geburt nur Dir, deinem Kind und deinem Partner gehören. In der ihr euch als Familie finden, euch gegenseitig kennenlernen und an die neue Situation gewöhnen könnt. Nicht nur für euch ist das Eltern sein eine große Umstellung. Auch für das Baby ist alles aufregend und neu. Euer Baby wird es euch danken, wenn ihr daher ruhig angehen lasst und es nicht mit zu vielen neuen Eindrücken überfordert.

Toll ist, wenn ihr von Freunden, oder Verwandten in der ersten Zeit ein wenig Unterstützung bekommen könnt. Das kann das Putzen der Wohnung, das Einkaufen, oder Kochen sein.

Wann mit der Rückbildungsgymnastik beginnen?


Wenn Du dich körperlich wohl fühlst, kannst Du bereits im Wochenbett mit sanfter Wochenbettgymnastik beginnen. Dabei geht es noch nicht darum deinen Körper zu kräftigen, sondern die natürlichen Rückbildungsprozesse zu unterstützen.

Mit „richtiger“ Rückbildungsgymnastik solltest Du 6-8 Wochen warten, bzw. nach einem Kaiserschnitt 8-10 Wochen. Wichtig ist, dass Du auch auf Deinen Körper hörst und nur Übungen durchführst mit denen Du dich wohl fühlst. Zur Sicherheit kannst Du vorher Deinen Gynäkologen, oder deine Hebamme fragen.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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