Hilfsmittel für das Beckenbodentraining - sinnvoll, oder sinnlos? - Mammacita

Hilfsmittel für das Beckenbodentraining – sinnvoll, oder sinnlos?

Von Julia Ronnenberg | Beckenboden

Hast Du vor kurzem ein kleines Leben zur Welt gebracht, ist Deine Beckenbodenmuskulatur erstmal deutlich geschwächt. Nach der Schonphase im Wochenbett und der vollständigen Abheilung der Wunden kannst Du mit dem Rückbildungstraining beginnen.

Neben dem Aufbau der Bauchmuskulatur, steht beim Rückbildungstraining ganz besonders der Beckenboden im Fokus. Das Training ist durchaus sinnvoll, da es bei einem schwachen Beckenboden zu Inkontinenz oder sogar zu Organsenkungen von Gebärmutter und Blase kommen kann. Ein regelmäßiges Training ist außerdem gut für die Körperhaltung und unterstützt das sexuelle Empfinden.

Du kannst mit konservativen Übungen Deinen Beckenboden wieder fit machen, aber zur Ergänzung gibt es mittlerweile auch gut durchdachte Training-Tools. Diese Hilfsmittel werden von verschiedenen Firmen entwickelt und sind in vielen Formen, Farben und Größen erhältlich.

Hier stelle ich Dir  eine Auswahl unterschiedlicher Geräte vor und wie ich über die Anwendung denke.

Ein Ballkissen  – ein wackeliger Untergrund

Ein Ballkissen ist als Begleit-Tool geeignet und ist gut für Situationen, in denen Du lieber auf vibrierende oder anderweitig reizauslösende Tools verzichten willst. Du kannst es zuhause benutzen oder auch mit zur Arbeit nehmen.  Das Kissen ist luftgefüllt, dadurch ist es instabil, weshalb Du beim Sitzen das Gleichgewicht halten musst. Dadurch spannst Du ganz automatisch deine Beckenmuskeln an und verbesserst nebenbei auch noch Deine Körperhaltung. Die genoppte Oberfläche sorgt für eine Massage und damit für eine bessere Durchblutung des Gewebes. Super geeignet für Beckenbodentraining ganz nebenbei!

Kann ich wämstens ohne Einschränkung empfehlen. Neben dem Sitzen kannst Du das Kissen auch zweckentfremden, um Deine Körperbalance zu trainieren.

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Liebeskugeln – nicht bloß Erotik-Toys

Diese Trainingstools sind wahrscheinlich die bekanntesten: Liebeskugeln, einzeln oder auch in Sets vorhanden. Diese sind mit einem Rückholbändchen versehen und können, je nach Set, mit ihren unterschiedlichen Gewichten kombiniert werden. Innerhalb der äußeren Hülle ist eine schwere, bewegliche Kugel aus Metall integriert. Die Kugeln führst Du in die Scheide ein, woraufhin Deine Beckenbodenmuskulatur jedes Mal, wenn sich das Gewicht in diesen Kugeln bewegt, reagiert. Bei zwei Kugeln wird dieser Effekt noch verstärkt: Stößt die eine Kugel bei Bewegungen auf die andere, verstärken sich die Schwingungen. Das Besondere an Liebeskugeln: Obwohl das Prinzip eigentlich schlicht ist, werden mit dieser Methode sämtliche Beckenbodenmuskeln trainiert. Empfohlen wird, täglich für etwa 15 bis 60 Minuten zu trainieren, je nach persönlichem Anspruch und Trainingserfolg.

Anfangs (nach einer Geburt) würde ich auf ein geringes Gewicht achten (bis 35 Gramm) Viele Hersteller bieten auch Single Balls an, die dementsprechend leichter sind. Wenn Du noch ein Druckgefühl im Beckenboden spürst, würde ich den Einsatz derKugeln (noch) nicht empfehlen, um den Beckenboden nicht zusätzlich zu belasten.

Eine ähnliche Variante sind kegelförmige Trainingshilfen, „Vaginalkonen“, zum Einführen. Diese neigen dazu, nach einer Weile wieder herauszugleiten, sodass Du Deinen Beckenboden quasi kontinuierlich anspannen musst. Allerdings werden hier vorwiegend die äußeren Muskeln eingesetzt, ein Training mit Kegeln ist also weniger ganzheitlich als es mit den Kugeln der Fall ist. Daher würde ich den Einsatz nur eingeschränkt empfehlen.

Auch bei Vaginalkonen gibt es Sets mit verschiedenen hohen Gewichten. (z.B Elanee)

Biofeedback mit EPI-NO Delphine Plus

EPI-NO-Geräte wurden sowohl zur Geburtsvorbereitung, als auch für das Rückbildungstraining entwickelt. Für den letzteren Fall gibt es das spezielle Delphine Plus-Gerät, mit dem Du nach der Geburt wieder ein Gespür für Deinen Beckenboden bekommst. Dabei führst Du einen aufblasbaren Ballon in Deine Scheide ein. Der Druck, den Du bei Anspannung Deiner Beckenbodenmuskulatur auf den Ballon ausübst, wird mittels einer Druckanzeige gemessen. Mit diesem Gerät können Fortschritte direkt sichtbar gemacht werden. Dadurch, dass der kleine Ballon aufblasbar ist, kannst Du mit dem Gerät auch vor der Geburt Dehn- und Entspannungsübungen vornehmen und bekommst ein Gefühl für den Durchtritt des Babyköpfchens.

Ich finde die Idee sehr gut und einfach. Für Frauen geeignet, die nicht wissen, ob sie den Beckenboden anspannen, oder andere Muskeln. Meine Erfahrung ist allerdings, dass es den meisten Frauen sehr viel Überwindung kostet, dieses Gerät anzuwenden.

Spielerisch fit werden mit App

Bist Du gut für technische Tricksereien zu begeistern, wird Dir vielleicht der Elvie Beckenbodentrainer zusagen, welcher ebenso auf dem Biofeedback basiert. Das ovale Gerät wird über Bluetooth über eine App gesteuert und gibt dieser wiederum Rückmeldung. Das Training funktioniert wie bei einem einfachen PC-Spiel. Auf dem Bildschirm Deines Smartphones bewegt sich ein Diamant, mit dem Du per Muskelkontraktionen verschiedene Aufgaben durchlaufen musst. Die App verfolgt außerdem Deinen Lernerfolg und gibt Dich für das jeweils nächste Level frei. Mit diesem Gerät werden sämtliche Beckenbodenmuskeln auf unterschiedliche Weise trainiert. Sie werden gekräftigt und lernen, schnell auf Reize zu reagieren.

Im Zeitalter der Apps, das wahrscheinlich zeitmäßigste Tool. Damit bekommt Beckenbodentraining eine ganz neue, spielerische Dimension. Allerdings für 186 Euro auch nicht ganz günstig. Bei entsprechender Indikation, gibt es das                                                               Gerät auch auf Rezept.

Reizstrom „für Faule“

Klingt etwas radikal, ist jedoch erprobt und wird von einigen Frauen als Trainingsmittel bevorzugt: Geräte mit leichtem Reizstrom, unter „TENS“ zu finden (transkutane elektrische Nervenstimulation). Beim Promed IT 6 zum Beispiel klebst Du Dir kleine Elektroden auf Oberschenkel oder Unterleib, die bei Aktivierung des Gerätes winzige Stromimpulse aussenden. In diesem Gerät mit inbegriffen ist außerdem eine Sonde, die du dir in die Scheide einführst. Durch die Stromimpulse werden Deine Muskeln gereizt und spannen sich reflexartig an. Der Einsatz solcher Hilfsmittel kostet sicher etwas Überwindung. Allerdings ist die Stärke der ausgesandten Stromimpulse sehr gering: Sie machen sich lediglich durch ein leichtes Kribbeln bemerkbar.

Biofeedback Geräte können auch verschrieben werden. Einige Beckenbodentherapeuten wenden außerdem diese recht erfolgreiche Methode an. Das einzige Problem, was ich mit der Methode habe, ist, dass sie passiv und nicht aktiv ist. Die Beckenbodenmuskulatur baut sich auf, allerdings lernen die Frauen nicht ein Gespür für die einzelnen Muskeln zu bekommen.

Fazit:

Dein persönlicher Geschmack entscheidet, welches Hilfsmittel am besten für Dich geeignet ist. Falsch machen kannst Du nichts, sofern Deine Hebamme oder Dein Gynäkologe ihr Okay geben. Zu früh verwenden solltest Du innerlich anzubringende Geräte jedoch nicht, da die Wunden zunächst eine Weile brauchen, um zu heilen.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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Hebamme Julia Ronnenberg

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