Beckenbodentrainer für einen knackigen Beckenboden - sinnvoll, oder sinnlos? - Mammacita

Beckenbodentrainer für einen knackigen Beckenboden – sinnvoll, oder sinnlos?

Von Julia Ronnenberg | Beckenboden

Hast Du vor kurzem ein Baby zur Welt gebracht, ist dir vielleicht das erste Mal im Leben dein Beckenboden bewusst geworden. Denn dieser wird in der Schwangerschaft und während der Geburt ordentlich in Mitleidenschaft gezogen und kann seine Funktionen nur noch eingeschränkt erfüllen. Im Wochenbett, den ersten Wochen nach der Geburt solltest Du deinen Beckenboden auf jeden Fall schonen, damit Geburtsverletzungen vollständig abheilen können und der Beckenboden allmählich wieder an Spannung gewinnt. Danach sollte er durch gezielte Rückbildungsgymnastik wieder aufgebaut werden, um seine vielseitigen Aufgaben ausführen zu können.

Rückbildungsgymnastik ist absolut sinnvoll und jeder Frau zu empfehlen, auch wenn sie aktuell keine Probleme, wie Druckgefühl, oder Blasenschwäche hat, da typische Beckenbodenprobleme häufig erst später im Leben auftreten. Rückbildungsgymnastik bezieht außerdem die Bauch- und Rückenmuskulatur mit ein, was eine gute Körperhaltung unterstützt und Rückenschmerzen vorbeugt.

Mit Rückbildungsgymnastik beginnen

Zuallererst solltest Du mit einfachen gymnastischen Übungen beginnen deinen Beckenboden wieder auf Vordermann zu bringen, die sich allmählich in der Intensität steigern.

Später kannst Du zur Ergänzung zusätzliche Hilfsmittel verwenden. Mittlerweile gibt es eine ganze Menge gut durchdachte Beckenbodentrainer, die das Training anspruchsvoller und ansprechender machen.

Ich stelle dir hier eine Auswahl unterschiedlicher Trainings-Tools vor und ziehe ein Fazit.

Ein Ballkissen  – ein wackeliger Untergrund

Ein Ballkissen ist als Begleit-Tool geeignet und ist gut für Situationen, in denen Du lieber auf vibrierende oder anderweitig reizauslösende Tools verzichten willst. Du kannst es zuhause benutzen oder auch mit zur Arbeit nehmen.  Das Kissen ist luftgefüllt, dadurch ist es instabil, weshalb Du beim Sitzen das Gleichgewicht halten musst. Dadurch spannst Du ganz automatisch deine Beckenmuskeln an und verbesserst nebenbei auch noch Deine Körperhaltung. Die genoppte Oberfläche sorgt für eine Massage und damit für eine bessere Durchblutung des Gewebes. Super geeignet für Beckenbodentraining ganz nebenbei!

Kann ich wärmstens ohne Einschränkung empfehlen. Neben dem Sitzen kannst Du das Kissen auch zweckentfremden, um Deine Körperbalance und deine Tiefenmuskulatur zu trainieren.

Liebeskugeln – nicht bloß Erotik-Toys

Diese Trainingstools sind wahrscheinlich die bekanntesten: Liebeskugeln, einzeln oder auch im Set erhältlich. Die Liebeskugeln, oder auch Beckenbodentrainingskugeln sind mit einem Rückholbändchen versehen und und gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen. Aus Metall, aus Silikon, als Single, oder Double erhältlich. Allen gemeinsam ist eine bewegliche Kugel aus Metall, die sich beim Tragen bewegt und so den Beckenboden stimuliert. Die Kugeln werden in die Scheide eingeführt, wobei die Beckenbodenmuskulatur reagiert, wenn sich das Gewicht in den Kugeln bewegt. Bei zwei Kugeln wird dieser Effekt noch verstärkt: Stößt die eine Kugel bei Bewegungen auf die andere, verstärken sich die Schwingungen. Das Besondere an Liebeskugeln: Obwohl das Prinzip eigentlich schlicht ist, werden mit dieser Methode sämtliche Beckenbodenmuskeln trainiert. Empfohlen wird, täglich für etwa 15 bis 60 Minuten zu trainieren, je nach persönlichem Anspruch und Trainingserfolg.

Anfangs (nach einer Geburt) würde ich auf ein geringes Gewicht achten (bis maximal 35 Gramm) Viele Hersteller bieten auch Single Balls an, die dementsprechend leichter sind, oder Sets mit verschiedenen Gewichten. Wenn Du noch ein Druckgefühl im Beckenboden spürst, würde ich den Einsatz derKugeln (noch) nicht empfehlen, um den Beckenboden nicht zusätzlich zu belasten. Ich würde außerdem Kugeln aus Silikon gegenüber Kugeln aus Metall vorziehen, da diese besser in der Scheide verweilen und nicht so schnell rausrutschen.

Vaginalkonen

Eine ähnliche Variante sind kegelförmige , „Vaginalkonen“, zum Einführen in die Scheide. Diese neigen allerdings dazu,  wieder herauszurutschen, sodass Du Deinen Beckenboden quasi kontinuierlich anspannen musst. Allerdings werden hier vorwiegend die äußeren Muskeln eingesetzt, da der Beckenboden nicht wie bei den Liebeskugel durch die Vibration der Innenkugel angesprochen wird. Ein Training mit den Vaginalkonen ist also weniger ganzheitlich als es mit den Kugeln der Fall ist. Daher würde ich den Einsatz nur eingeschränkt empfehlen.

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Auch bei Vaginalkonen gibt es Sets mit verschiedenen hohen Gewichten. (z.B. Elanee). Meiner Meinung nach muss Beckenbodentraining gut in den Alltag zu integrieren sein, ansonsten beginnt man gar nicht erst damit, oder vergisst es leicht. Eine einfache Möglichkeit ist, die Konen, oder Kugeln bereits am Morgen unter der Dusche einzuführen, bis zum Ende der Körperpflege zu tragen und sie dann für den nächsten Morgen griffbereit in die Dusche zu hängen.

Biofeedback mit EPI-NO Delphine Plus

EPI-NO-Geräte wurden sowohl zur Geburtsvorbereitung, als auch für das Rückbildungstraining entwickelt. Für den letzteren Fall gibt es das spezielle Delphine Plus-Gerät, mit dem Du nach der Geburt wieder ein Gespür für Deinen Beckenboden bekommst. Dabei führst Du einen aufblasbaren Ballon in Deine Scheide ein. Der Druck, den Du bei Anspannung mit Deiner Beckenbodenmuskulatur auf den Ballon ausübst, wird mittels einer Druckanzeige gemessen. Mit diesem Gerät können Fortschritte direkt sichtbar gemacht werden. Dadurch, dass der kleine Ballon aufblasbar ist, kannst Du mit dem Gerät auch vor der Geburt Dehn- und Entspannungsübungen vornehmen und bekommst ein Gefühl für den Durchtritt des Babyköpfchens.

Ich finde die Idee sehr gut und einfach umzusetzen. Das Epi-No ist für Frauen geeignet, die nicht fühlen, ob sie den Beckenboden richtig anspannen. Meine Erfahrung ist allerdings, dass es den meisten Frauen zu technisch ist und die Anwendung viel Überwindung kostet,

Spielerisch fit werden mit Beckenboden-Apps

Bist Du gut für technische Tricksereien zu begeistern, wird Dir vielleicht der Elvie Beckenbodentrainer zusagen, welcher ebenso auf dem Biofeedback basiert. Das ovale Gerät wird über Bluetooth über eine App gesteuert und gibt dieser wiederum Rückmeldung. Das Training funktioniert wie bei einem einfachen PC-Spiel. Auf dem Bildschirm Deines Smartphones bewegt sich ein Diamant, mit dem Du per Muskelkontraktionen verschiedene Aufgaben durchlaufen musst. Die App verfolgt außerdem Deinen Lernerfolg und gibt Dich für das jeweils nächste Level frei. Mit diesem Gerät werden sämtliche Beckenbodenmuskeln auf unterschiedliche Weise trainiert. Sie werden gekräftigt und lernen, schnell auf Reize zu reagieren.

Im Zeitalter der Apps, das wahrscheinlich zeitmäßigste Tool. Damit bekommt Beckenbodentraining eine ganz neue, spielerische Dimension. Allerdings für 186 Euro auch nicht ganz günstig. Bei entsprechender Indikation, gibt es das Gerät auch auf Rezept.

Reizstrom „für Faule“

Klingt etwas radikal, ist jedoch erprobt und wird von einigen Frauen als Trainingsmittel bevorzugt: Geräte mit leichtem Reizstrom, unter „TENS“ zu finden (transkutane elektrische Nervenstimulation). Beim Promed IT 6 zum Beispiel klebst Du Dir kleine Elektroden auf Oberschenkel oder Unterleib, die bei Aktivierung des Gerätes winzige Stromimpulse aussenden. In diesem Gerät mit inbegriffen ist außerdem eine Sonde, die du dir in die Scheide einführst. Durch die Stromimpulse werden Deine Muskeln gereizt und spannen sich reflexartig an. Der Einsatz solcher Hilfsmittel kostet sicher etwas Überwindung. Allerdings ist die Stärke der ausgesandten Stromimpulse sehr gering: Sie machen sich lediglich durch ein leichtes Kribbeln bemerkbar.

Biofeedback Geräte können auch verschrieben werden. Einige Beckenbodentherapeuten wenden außerdem diese recht erfolgreiche Methode an. Das einzige Problem, was ich mit der Methode habe, ist, dass sie passiv und nicht aktiv ist. Die Beckenbodenmuskulatur baut sich auf, allerdings lernen die Frauen nicht ein Gespür für die einzelnen Muskeln zu bekommen.

Fazit:

Dein persönlicher Geschmack entscheidet, welches Hilfsmittel am besten für Dich geeignet ist. Falsch machen kannst Du nichts, sofern Deine Hebamme oder Dein Gynäkologe ihr Okay geben. Zu früh verwenden solltest Du innerlich anzubringende Geräte jedoch nicht, da die Wunden zunächst eine Weile brauchen, um zu heilen.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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