Deine Scheide nach der Geburt: Alles über die Veränderungen und Heilung

Deine Scheide nach der Geburt: Alles über die Veränderungen und Heilung

Die Geburt eines Kindes ist ein wunderbares Ereignis, bringt aber auch eine Zeit intensiver körperlicher Veränderungen mit sich. Dein Körper, insbesondere der Intimbereich, hat sich während der Schwangerschaft und Geburt enorm verändert. In diesem Artikel bekommst du Informationen und Pflegetipps zur Scheide nach der Geburt. Wie sie sich bereits in der Schwangerschaft verändert und welche besondere Pflege der gesamte Intimbereich im Wochenbett und darüber hinaus braucht, um die Heilung zu unterstützen.

Soviel schon einmal vorweg: die Veränderungen, die Du aktuell evtl. wahrnimmst, sind ganz normal und die Scheide ist sehr regenerativ. Also kein Grund sich Sorgen zu machen.

10 Fakten zu Deiner Scheide nach der Geburt

  1. Nach der Geburt kann der Intimbereich geschwollen sein, der Scheideneingang und die Schamlippen erscheinen evtl. sogar etwas geöffnet.
  2. Die Scheide besteht besteht aus Muskeln, Bindegewebe und Schleimhaut. Sie ist dehnfähig und sehr regenerativ.
  3. Pflege und Hygiene sind wichtig, einschließlich regelmäßiger Reinigung und Binden wechsel.
  4. Sitzbäder (Calendula, Eichenrinde, Kamille) werden als angenehm empfunden, sollten aber erst einige Tage nach der Geburt durchgeführt werden.
  5. In den ersten Tagen nach Geburt kann es beim Pinkeln angenehm sein lauwarmes Wasser über die Vulva laufen zu lassen.
  6. Viel Liegen hilft dem Intimbereich und dem Beckenboden bei der Regeneration.
  7. Postnatale Untersuchungen der Geburtsverletzungen können von der Hebamme durchgeführt werden, um die Heilung von Geburtsverletzungen zu kontrollieren.
  8. Der erste Sex nach der Geburt sollte erst nach dem Abklingen des Wochenflusses und abgeschlossener Wundheilung.
  9. Wochenbettübungen und später Übungen für den Beckenboden helfen bei der Rückbildung und Stärkung des Beckenbodens.
  10. Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit verhindert Verstopfungen und reduziert so den Druck auf den Beckenboden.
Deine Scheide nach der Geburt: Alles über die Veränderungen und Heilung

Wie verändern sich Vulva und Vagina während der Schwangerschaft?

Während Deiner Schwangerschaft erlebt Dein Körper eine wundervolle und zugleich komplexe Verwandlung, die auch Deine Vulva und Vagina einschließt. Diese natürlichen Veränderungen sind ein Zeichen dafür, wie erstaunlich Dein Körper sich auf die Geburt vorbereitet.

  • Farbliche Veränderungen: Eines der ersten Anzeichen, das Du vielleicht bemerkst, ist eine erhöhte Durchblutung im Intimbereich. Dadurch kann sich die Farbe dieser Bereiche leicht verdunkeln – ein ganz normales Phänomen. Die verstärkte Durchblutung macht das Gewebe weicher und elastischer, was ein entscheidender Vorteil für die bevorstehende Geburt ist. Es kann sich auch etwas wärmer anfühlen als sonst.
  • Geschwollener Intimbereich: Viele Frauen haben das Gefühl, dass die Schamlippen und die Scheide in der Schwangerschaft geschwollen sind. Sie wird durch die zusätzliche Flüssigkeit in Deinem Körper verursacht, die sich während der Schwangerschaft ansammelt und die stärkere Durchblutung. Diese Schwellung ist harmlos und klingt nach der Entbindung ab.
  • Krampfadern: Manche Frauen bemerken auch das Auftreten von Varizen, also Krampfadern im Intimbereich. Diese sind eine direkte Folge der gesteigerten Blutzirkulation und des Drucks, den Dein heranwachsendes Baby auf die Gefäße im Beckenbereich ausübt. Obwohl sie vielleicht etwas unangenehm sind, verschwinden sie in der Regel nach der Geburt wieder. Meist stellen Krampfadern kein großes Problem dar. Linderung bekommst Du durch Kompressionsstrümpfe und kühle Kompressen.

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    Die Scheide bei der Geburt

    In der letzten Phase der Geburt tritt das Baby tiefer. In dieser Phase sind die Wehen besonders kräftig und lang, um das Kind nach unten zu schieben. Zusätzlich hat die Gebärende den Drang mitschieben (pressen) zu müssen. Das Baby windet sich durch das Becken, bis es beginnt die Scheide und danach den Beckenboden zu dehnen und es schließlich geboren werden kann. Bei 80% der Frauen kann es meist zu kleineren Geburtsverletzungen am Intimbereich kommen, z.B. in Form eines Scheiden- oder Dammrisses.

    Wichtig: Das “Pressen” sollte sehr behutsam erfolgen, um dem Gewebe Zeit zum Dehnen zu geben und das Risiko für Geburtsverletzungen zu reduzieren. “Powerpressen” sollte wenn möglich vermieden, stattdessen das Kind nach Gefühl nach unten geschoben werden.

    Scheide bei der Geburt

    Wie kann ich meine Scheide auf die Geburt vorbereiten?

    Vorweg möchte ich schon mal sagen, dass es keine Methode gibt, die zu 100% Verletzungen am Intimbereich während der Geburt verhindern kann. Jedoch kannst Du den Beckenboden und deine Vagina mit verschiedene Methoden auf die enorme Dehnung bei der Geburt vorbereiten und sie dadurch elastischer und dehnfähiger machen.

    • Dammmassage: Eine beliebte Methode ist die Dammmassage. Diese sanfte Massage des Gewebes zwischen Scheide und Anus kann die Elastizität erhöhen und dich mit dem Gefühl des Dehnens während der Geburt vertraut machen. Stell Deine Fuß auf einen Stuhl, führ den Daumen in die Scheide ein und massiere Deinen Damm u-förmig mit ein bisschen Druck. Hilfreich kann ein spezielles Dammmassageöl sein.
    • Heublumendampfbad: Ein Heublumendampfbad ist eine weitere Option, die durch die Wärme und die verschiedenen Heublumen die Durchblutung fördern und das Gewebe geschmeidiger machen kann. Dabei setzt Du einen Sud mit speziellen Heublumen auf, stellst den Topf in die Toilette (wichtig ist das Wasser etwas abkühlen zu lassen) und bedampfst Deinen Intimbereich.
    • Epi-No Geburtstrainer: Dieses spezielle Gerät, zielt darauf ab, die Scheide und den Beckenboden langsam immer weiter zu dehnen. Dabei führst Du Dir einen kleinen Ballon in die Scheide ein und pumpst diesen über einige Wochen hinweg auf, jedes Mal ein bisschen mehr. Am Ende schiebst Du den Ballon aus deiner Scheide raus, so wie du es auch bei der Geburt machen würdest. Das ist ebensfalls ein gutes Training, um das “Mitschieben” zu üben.

    Auch, wenn keine dieser Möglichkeiten ganz sicher Verletzungen am Genital vermeiden kann, hilft diese Vorbereitung, deinen Körper besser kennenzulernen und ein Gefühl für den Beckenboden zu entwickeln. Diese Erfahrung kann Dir nicht nur während der Geburt helfen, sondern auch die Regeneration nach der Geburt fördern.

    Heublumendampfbad

    Vagina und Vulva nach Geburt

    Im Wochenbett wirst Du als frisch gebackene Mutter jede Menge körperlicher Veränderungen merken. Der gesamte Intimbereich fühlt sich erst einmal anders an. Das ist ganz normal. Üblich sind Schwellungen, Empfindlichkeit, Hämatome und ein Druckgefühl in der Scheide. Oft wird auch beschrieben, dass sich die Scheide nach der Geburt offen anfühlt. Das kommt durch die massive Dehnung von Beckenboden und Scheide und äußert sich darin, dass Scheideneingang und Schamlippen tatsächlich etwas geöffnet sind. Unser Körper ist schlau und verfügt über eine wahnsinnige Regenerationsfähigkeit. Trotzdem kannst Du ihn mit ein paar einfachen Dingen bei der Heilung unterstützen.

    Diese Heilungstipps möchte ich Dir an die Hand geben:

    • Kühle Kompressen: Diese können direkt nach der Geburt angewendet werden, um Schwellungen in der Vulva zu lindern und für sofortige Erleichterung zu sorgen. Ich nehme gerne Quark.
    • Sanfte Reinigung: Halte den Intimbereich sauber mit lauwarmem Wasser. Vermeide Seifen, da diese die empfindliche Haut reizen können.
    • Sitzbäder mit warmem Wasser: Diese unterstützen die Heilung und bieten eine beruhigende Linderung von Unbehagen und Schmerzen. Ich empfehle gerne Tannolact Sitzbad mit Eichenrinde.
    • Binden ohne Plastik: Anstelle von Tampons solltest Du plastikfreie, parfumfreie Binden verwenden.
    • Ausreichend Ruhe: Dein Körper braucht Zeit, um zu heilen. Versuche, Dich so oft wie möglich hinzulegen und zu entspannen.
    • Vorsichtige Bewegung: Kurze Spaziergänge können die Zirkulation fördern und zur Heilung beitragen, aber vermeide intensive körperliche Aktivität.
    • Wochenbett Übungen: Beginne mit leichten Übungen, um die Rückbildung zu unterstützen und den Beckenboden sanft anzusprechen.
    • Eiweißreiche Ernährung: Dein Körper braucht für die Heilungsprozesse im Wochenbett ausreichend Eiweiße. Achte daherauf eine proteinreiche Ernährung.

    Wichtig: Fäden im Intimbereich sind in der Regel selbstauflösend. Empfindest Du sie jedoch als störend kann Deine Hebamme nach frühestens 5 Tagen die Fäden ziehen.

    Bleibt meine Scheide nach der Geburt dauerhaft verändert?

    Viele frisch gebackene Mütter fragen sich, ob ihre Scheide nach der Geburt dauerhaft verändert bleibt. Dein Körper, insbesondere Deine Scheide, hat eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Regeneration. Sie ist dafür gemacht, sich während der Geburt auszudehnen, um Deinem Baby den Weg zu bereiten, und zieht sich danach in den meisten Fällen wieder auf ihre ursprüngliche Größe und Festigkeit zurück. Nach ca 2 Wochen sollten Schwellungen und Geburtsverletzungen im Intimbereich soweit abgeklungen und verheilt sein, dass sie keine großen Probleme mehr verursachen.

    Ees ist allerdings normal, dass Du längere Zeit eine Veränderung in der Festigkeit und Elastizität der Scheide wahrnimmst. Hormonelle Veränderungen, besonders während des Stillens, können eine Auswirkung auf die Beschaffenheit der Scheide und des Beckenbodens haben.

    Während Du bereits im Wochenbett mit leichten Übungen beginnen kannst, solltest Du mit gezielter Rückbildungsgymnastik zur Stärkung des Beckenbodens warten. Die meisten Frauen sind nach 5-6 Wochen körperlich soweit mit Übungen zur Rückbildung zu beginnen. In einem speziellen Rückbildungskurs (z.B. meinem Online Rückbildungskurs) lernst Du deine verschiedenen Beckenbodenschichten bewusst anzuspannen. Besonders die äußere Beckenbodenschicht hat Einfluss auf den Scheideneingang, da sie diesen umgibt. Ist Dein Scheideneingang nach der Geburt anders, vielleicht noch geweitet, kannst Du mit “Kegel-Übungen” bei denen Du bewusst den vorderen Beckenboden aktivierst (Scheide verschließen), evtl. eine positive Veränderung bewirken.

    Vielleicht hast Du Sorge Dir Deinen Intimbereich nach der Geburt anzusehen. Meine Erfahrung zeigt, dass die meisten Frauen eine sehr viel schlimmere Vorstellung haben und erleichtert sich, wenn Sie sich “da unten” angesehen haben. Du kannst auch Deine Hebamme fragen, ob sie Dich dabei begleitet.

    Deine Scheide nach der Geburt: Alles über die Veränderungen und Heilung

    Wiederentdeckung der Intimität: Das Liebesleben nach der Geburt

    Die Wiederaufnahme der sexuellen Aktivität nach der Geburt ist ein Thema, das viele Frauen bewegt.

    • Wird es weh tun?
    • Wird es für ihn so sein wie vorher?
    • Ist meine Scheide weiter als vorher?
    • Bin ich noch attraktiv?

    Das sind einige Fragen, die sich Frauen nach der Schwangerschaft stellen. Der Körper ist verändert, die Erinnerung an die Geburt vielleicht noch sehr präsent, so dass viele Frauen Angst vor Intimität mit dem Partner haben. Auch Müdigkeit und hormonelle Veränderungen können sich auf Deine Libido und Empfinden auswirken, sowie emotionale Faktoren wie die Anpassung an die Mutterrolle und Veränderungen in der Beziehung. Von daher, lass Dir ausreichend Zeit, bis Du wirklich bereit bist, wieder mit deinem Partner zu schlafen.

    Mit dem ersten Sex nach der Geburt solltet ihr mindestens bis zum Abklingen der Wochenbett-Blutungen warten. Nach ca. 6 Wochen ist Sex in den meisten Fällen funktional wieder möglich. Jedoch können emotionale und körperliche Veränderungen zu einem Verlust der Libido führen.

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    Welche Rolle spielt der Beckenboden (als sogenannter Liebesmuskel)?

    Der Beckenboden, liebevoll auch als „Liebesmuskel“ bekannt, spielt eine zentrale Rolle in Deinem sexuellen Wohlbefinden und Empfinden. Der Beckenboden schwillt bei Erregung an, was die Durchblutung erhöht, zudem können Frauen ihre Scheide bewusst “enger machen”, um die Reibung zu erhöhen und das sexuelle Emfinden für sich und ihren Partner zuerhöhen. Ist er zu fest, was bei einem “Vaginismus” der Fall ist, kann Intimität schwierig sein, ist er zu schwach, genau so. Nach einer Geburt kann es passieren, dass durch die Dehnung der Beckenbodenmuskulatur und der Scheide eine vaginale Laxheit entsteht. Das bedeutet, dass die Festigkeit und Elastizität der vaginalen Wände verringert ist. Ist die Scheide geweitet, kann es zu weniger Reibung beim Geschlechtsverkehr kommen, was sich auf Dein sexuelles Erleben und das Deines Partners auswirken kann. Der Penis wirkt dann ein wenig wie verloren, weshalb man auch umgangssprachlich vom “Lost-Penis-Syndrom” spricht.

    Um Dein sexuelles Erleben wieder zu intensivieren, kann eine starke Beckenbodenmuskulatur einen wesentlichen Unterschied machen. Falls Du also nach der Geburt das Gefühl hast, dass Dein Beckenboden etwas schlaffer ist, gibt es Wege, um ihn wieder zu stärken:

    • Beckenbodentraining, ganzheitlich, aber auch isoliert, auch bekannt als Kegel-Übungen, sind wunderbar dafür geeignet, den Beckenboden zu kräftigen und in Form zu bringen. Diese Übungen sind einfach und können bequem in Deinen Alltag integriert werden.
    • Physiotherapie und Rückbildungsgymnastik kann Dir helfen, gezielt an Deinem Beckenboden zu arbeiten, mit Übungen, die genau auf Deine Bedürfnisse zugeschnitten sind.
    • Yoga und Pilates bieten sanfte, aber effektive Möglichkeiten, Deinen Beckenboden zu stärken und Deine gesamte Körperwahrnehmung zu verbessern.

    Ein starker Beckenboden ist nicht nur orgasmusfähiger und bietet Vorteile für Dein sexuelles Empfinden, sondern verhindert Inkontinenz, Organsenkungen der Beckenorgane und Fehlhaltungen. Falls Du nach der Geburt eines dieser Probleme auftaucht, hol Dir Unterstützung durch eine Beckenbodenphysiotherapeutin.

    Was ist, wenn meine Scheide weit bleibt?

    Es gibt Frauen, die beklagen, dass sich die Erscheinung ihrer Vulva (besonders die Schamlippen) durch die Geburt verändert hat und die Scheide dauerhaft weiter geblieben ist. Abhängig vom Leidensdruck sollte man in so einem Fall einen Termin bei einem plastischen Chirurgen in Erwägung ziehen, der auf Operationen im Genitalbereich wie Vaginalstraffung oder Vaginalverjüngung spezialisiert ist. Es muss jedoch nicht immer eine Operation sein. Die Behandlung der vaginalen Laxheit (Lockerheit) lässt sich auch nicht-chirurgisch mit einem Laser durchführen, um die Festigkeit und Elastizität des vaginalen Gewebes wieder zu verbessern. Also, wenn Du nachhaltig unter den Veränderungen an deinem Genital leiden solltest, gibt es Möglichkeiten Dir zu helfen.

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