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Schwangerschaftsstreifen – kann ich etwas tun?

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

“Ich habe gecremt und gecremt und am Ende hat es doch nichts genützt. Mein Bauch ist überall gerissen.”

Diesen Satz sagte einmal Christina eine frisch gebackene Mama während eines Wochenbettbesuchs zu mir. Sie war überglücklich und natürlich stolz ihren kleinen Schatz zur Welt gebracht zu haben, aber sie wollte auch ihren Körper wiederhaben. So wie er einmal vor der Schwangerschaft war.

Wie Christina geht es vielen Frauen nach der Schwangerschaft. Schätzungsweise 3/4 alle Frauen bekommen im Laufe der Schwangerschaft Dehnungsstreifen an Bauch, Brust, oder Oberschenkeln.

Was sind das für unliebsame Streifen, die sich bei vielen Frauen in den letzten Wochen der Schwangerschaft bemerkbar machen und wie lassen sie sich verhindern? Lassen sie sich überhaupt verhindern und wenn sie erstmal da sind, wie bekommt man sie wieder weg? Diesen Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen.

Was sind Schwangerschaftsstreifen (Striae)?

Schwangerschaftsstreifen sind irreparable Bindegewebsrisse in der Lederhaut (Unterhaut), die überwiegend aus Bindegewebe und subkutanem Fettgewebe besteht. Kommt es zu Überdehnung der Haut können schmerzlose Risse im Bindegewebe entstehen. In der Schwangerschaft wird unser Bindegewebe hormonell aufgelockert, um das Wachstum von Bauch und Brust, sowie die Geburt zu ermöglichen. Diese Auflockerung ist also sehr sinnvoll, die Dehnungsstreifen häufig der Preis dafür.

Das typisches Erscheinungsbild der Schwangerschaftsstreifen ist anfangs rot oder rosa, manchmal auch bläulich-violett, die Oberfläche ist leicht vertieft. In der Schwangerschaft treten sie meist am Bauch, unterhalb des Bauchnabels auf, können aber auch die Brust und die Oberschenkel betreffen.

Wer ist besonders betroffen?

Ich habe in meiner Praxis häufig beobachtet, dass überwiegend sehr junge Frauen (unter 25) sehr starke Ausprägungen von Dehnungsstreifen hatten. Meine Beobachtung wurde in einer Studie mit 800 Frauen bestätigt. Auch dort waren es überwiegend junge Frauen, die betroffen waren.

Weiter sind besonders häufig Frauen von Schwangerschaftsstreifen betroffen:

  • die blond und hellhäutig sind
  • die schon vor der Schwangerschaft einen erhöhten BMI hatten
  • die ein Baby mit einem höheren Geburtsgewicht zur Welt gebracht hatten
  • deren Mutter und Großmutter auch Schwangerschaftsstreifen hatten

Kann ich mit Cremes, oder Ölen den Streifen vorbeugen?

Gerne würde ich Frauen wie Christina eine befriedigende Antwort auf diese Frage geben. Leider ist die Studienlage sehr dünn.

Folgende Maßnahmen werden von Hebammen oft empfohlen, die Wirkung ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt.

  • sanfte Ölmassage der Haut während der gesamten Schwangerschaft
  • Wechselduschen
  • Bürstenmassagen z.B mit einem Massagehandschuh
  • Zupfmassagen, mit Daumen und Zeigefinger die Haut zupfen
  • Bewegung/Sport

Eine sanfte Massage fördert die Durchblutung der Haut. Verschiedene natürliche Körperöle können ebenfalls gut helfen, die Elastizität zu erhalten. Diese enthalten Nährstoffe wie Vitamin E und A, welche wichtig für Struktur und Aufbau unserer Haut sind. Zusammen mit den enthaltenen Fettsäuren wird Deine Haut geschmeidig gehalten, auch kann so die Feuchtigkeit speichern. Spezielle Schwangerschaftsöle sind genau auf die Bedürfnisse werdender Mütter abgestimmt.

Bei wechselwarmen Duschen wird durch den raschen Wechsel von heißer und kalter Temperatur die Durchblutung und der Stoffwechsel angeregt. Auch wunderbar zur Vorbeugung von Krampfadern.

Nicht zuletzt ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr wichtig, um die Haut zu entlasten und die Bildung von Dehnungsstreifen abzumildern.

Verschwinden die Streifen nach der Schwangerschaft wieder?

Betrachten Frauen ihren Bauch kurze Zeit nach der Geburt, sind viele erschreckt. “Ich sehe ja noch aus wie im 5. Monat, mein Bauch ist runzelig und weich wie Pudding”, beklagen sich viele Frauen.

Ist der Bauch noch recht groß, was  an der noch nicht zurückgebildeten Gebärmutter und an der überdehnten Bauchdecke liegen kann, erscheinen auch die Dehnungsstreifen noch sehr breit.

Die gute Nachricht ist: bildet sich die Gebärmutter und die überdehnte Bauchdecke zurück, wird langsam der Hautüberschuss weniger und die Dehnungsstreifen werden schmaler. Außerdem verblassen die Streifen mit der Zeit und erscheinen weiß. Die schlechte Nachricht ist: obwohl die Streifen sich zurückbilden verschwinden die Streifen niemals ganz und können sich sogar bei einer Folgeschwangerschaft verschlimmern.

Was kann helfen?

Öl-, oder Crememassagen unterstützen die Rückbildung der Gebärmutter und der Haut nach der Schwangerschaft. Grundsätzlich tut man seinem Körper damit etwas Gutes. Ich finde es außerdem eine Wertschätzung seinem eigenen Körper gegenüber, wenn man dem Bauch auch nach der Schwangerschaft Beachtung und Pflege schenkt, statt ihn mit einem argwöhnischen Blick zu betrachten. Z.B. mit einer Wochenbett-Bauch-Massage. Das Erscheinungsbild der Schwangerschaftsstreifen wird sich dadurch leider nicht verändern.

Hautärztliche Behandlungsmethoden:

Ich bin Hebamme und kein Hautarzt. Damit gehört die Haut nicht zu meinem Spezialgebiet. Für den Artikel habe ich mich allerdings mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten beschäftigt, die Dehnungsstreifen positiv beeinflussen können.

Wichtig ist meiner Meinung nach sich realistische Ziele zu setzen, denn es kann zwar eine Verbesserung erzielt werden, aber bei keiner dieser Methoden werden die Steifen vollständig verschwinden.

Alle Behandlungen haben gemeinsam, dass sie Geduld erfordern und die Kosten von der Krankenkasse nicht getragen werden.

Peeling mit Glykol- oder Ascorbinsäure

Das Peeling mit Fruchtsäuren hilft die abgestorbenen Hautzellen abzustoßen, stimuliert gleichzeitig die Zellneubildung und lässt Dehnungsstreifen verblassen.

Nachteil: 

die Glykolsäure muss wochenlang angewendet werden. Die Methode bedarf Geduld und Disziplin, die Kosten liegen bei 400-600 Euro

Cremes mit Vitamin A Säure (VAS, Retinoide)

durch die Anwendung mit vitamin-A-säurehaltigen Cremes wird die Bildung von Kollagen und Elastin stimuliert, wodurch die Lederhaut dicker und stärker wird. Ein Effekt zeigt sich nach frühestens 6 Monaten

Nachteil:

da der Wirkstoff Nebenwirkungen haben kann, sind die Cremes verschreibungspflichtig, pro 20g Tube liegen die Kosten bei ≈ 50 Euro, über einen Zeitraum von mehreren Monaten wird auch diese Behandlung nicht ganz günstig, es ist Geduld erforderlich bis sich ein positiver Effekt zeigt

In der Schwangerschaft und Stillzeit sind Cremes mit VAS kontraindiziert

Laserbehandlungen

es gibt verschiedene Laserarten zur Behandlung von Schwangerschaftsstreifen, die von Hautärzten durchgeführt werden.

Nachteil:

es sind ca. 3-4 Behandlungen notwendig, um einen positiven Effekt zu erkennen, daher eine recht teure Behandlungsmethode. Um die 1500 Euro muss man an Behandlungskosten rechnen.

Mein Fazit:

Es ist nicht sicher, ob man durch Massagen in der Schwangerschaft die Dehnungsstreifen verhindern kann. Sicher dagegen ist, dass sie mit der Zeit von selber verblassen und schmaler werden, allerdings nie ganz verschwinden werden, auch mit teuren Behandlungsmethoden nicht.

Ich kann jede Frau verstehen, die über ihre Schwangerschaftsstreifen unglücklich ist und diese wieder loswerden möchte. Sie sind aber auch ein Zeichen dafür, dass Du einem, oder mehreren Kindern das Leben geschenkt hast. Vielleicht sollten wir Frauen daher unsere Schwangerschaftsstreifen wie eine Trophäe mit Stolz tragen.

Das würde zumindest unseren Geldbeutel schonen und uns viel Kummer ersparen.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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