Sexualität nach der Schwangerschaft - Mammacita

Sexualität nach der Schwangerschaft

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

Alles ist anders

Die Geburt eines Babys stellt das ganze Leben auf den Kopf. Nichts ist nachher so wie es vorher einmal war. Auch die Paarbeziehung ändert sich. Aus Paaren werden Eltern, Mutter und Vater. In der ersten Zeit ist das Leben mit Baby so aufregend, dass vorerst die Bedürfnisse des Kindes im Fokus stehen und Paare damit beschäftigt sind, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen, sodass Sex erstmal in den Hintergrund rückt. Aber mit der Zeit wünschen sich die meisten Paare wieder mehr Zweisamkeit und körperliche Nähe. Die Rückkehr zum Sexualleben ist für viele Paare allerdings ein längerer Prozess.

Welche Herausforderungen können sich ergeben?

Ärzte empfehlen den Frauen meist 6 Wochen (das gesamte Wochenbett) bis zum ersten Geschlechtsverkehr zu warten. In dieser Zeit heilen Geburtsverletzungen wie Dammriss, oder Dammschnitt und die Stelle an der die Plazenta in der Gebärmutter saß ab. Aus der Gebärmutter kommt der sogenannte Wochenfluss. Erst stark blutig, später bräunlich und am Ende gelblich. Der Wochenfluss ist ein Zeichen dafür, dass die Wunde an der die Plazenta saß noch nicht ganz verheilt ist. Solange sollte man wegen des erhöhten Infektionsrisikos auf Sex verzichten.

Kann man nicht so lange warten, ist ein Kondom empfehlenswert, um die Anzahl der Keime zu reduzieren und damit das Infektionsrisiko zu verringern.

Körperliche Veränderungen

Den meisten Frauen steht allerdings in den ersten Wochen bis Monaten nach der Geburt nicht der Sinn nach Geschlechtsverkehr. Das erste Mal nach der Geburt ist dann häufig ein wenig wie “Das erste Mal”.

Sie haben Angst, dass es weh tun könnte, fühlen sich unattraktiv und unwohl in ihrem Körper, da der Bauch noch weich ist, Milch aus der Brust läuft und Narben im Dammbereich noch schmerzhaft sind, oder empfindlich auf Druck reagieren.

Dazu kommt die neue Lebenssituation, ein weinendes Baby und unruhige Nächte, was dazu führt, lieber fehlenden Schlaf nachzuholen, statt Intimitäten mit dem Partner auszutauschen.

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Bei stillenden Frauen hemmt das Hormon Oxytocin das sexuelle Verlangen. Oxytocin ist unter anderem das Wehenhormon und führt während der Geburt und auch im Wochenbett zur Kontraktion der Gebärmutter Außerdem wird es beim Orgasmus ausgeschüttet und daher auch als Kuschelhormon bezeichnet.

Auch beim Stillen wird Oxytocin ausgeschüttet, was in den ersten Tagen nach der Geburt die unliebsamen Nachwehen auslöst, aber vor allem bewirkt, dass Muttermilch aus der Brust gedrückt wird. So kann bei einem Orgasmus z.B. der Milchspendereflex ausgelöst werden. Durch die ständige Ausschüttung des Hormons Oxytocins, hat man hormonell gesehen ständig kleine Miniorgasmen, was zu einer Senkung der Libido führt.

Durch einen physiologischen Östrogenmangel kann es zu vaginaler Trockenheit kommen, der man leicht mit Gleitgelen Abhilfe schaffen kann.

Bei Frauen nach einem Kaiserschnitt ist es nicht selten, dass beim Sex die Narbe innerhalb der Gebärmutter schmerzt. Dieser Schmerz ist nicht bedenklich, man kann sich allerdings denken, dass dies die Lust auf Sex nicht gerade fördert. Da hilft nur Geduld, oder eine andere Stellung auszuprobieren.

Lieber Kuscheln als Sex

Die Bedürfnisse nach sexueller Nähe sind zwischen Männern und Frauen meist sehr unterschiedlich. Viele Frauen wünschen sich in den ersten Monaten nach der Geburt eher zärtliche Berührungen wie Rücken streicheln, Kopf kraulen und viel Kuscheln.

Die Männer, die ja häufig schon in der Schwangerschaft Enthaltsamkeit geübt haben, haben häufig ein stärkeres sexuelles Verlangen als ihre Frauen. So manch ein Mann fühlt sich vor den Kopf gestoßen, oder abgelehnt, wenn seine Frau keine Lust hat mit ihm zu schlafen.

Sex ist für die meisten Paare nach der Geburt ein großes Thema. Wichtig ist weiterhin im Austausch zu bleiben über dieses wichtige Thema und seine unterschiedlichen Bedürfnisse zu reden. Die Partner sollten verstehen, dass das geringe sexuelle Verlangen keineswegs eine generelle Ablehnung gegen die Person ist.

Aber auch Männer müssen das Geburtserlebnis verarbeiten und so kann es vorkommen, dass sie vorerst kein Verlangen haben mit der Partnerin zu schlafen. Passiert es dann das erste Mal nach der Geburt können auch von Seiten der Männer Ängste und Unsicherheiten auftreten. „Wie fühlt es sich an?“, „Tue ich ihr weh?“, sind ganz typische Fragestellungen.

Fazit:

Nach der Geburt können bei Männern und Frauen gleichermaßen Ängste vor dem ersten sexuellen Kontakt auftreten und häufig bleibt Sex nach der Geburt erst einmal anders und ungewohnt. Bei den meisten Paaren dauert es Monate bis sie wieder regelmäßig Sex haben. Wichtig ist mit seinem Partner im Austausch zu bleiben und über seine Bedürfnisse und Sorgen zu sprechen.

In jedem Fall sollten sich  Frauen die Zeit nehmen, die sie brauchen, um wieder sexuellen Kontakt zuzulassen.


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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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