Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft – Was hilft?

Wassereinlagerungen Schwangerschaft

Fast alle Schwangeren, die mir im Laufe meiner Tätigkeit als Hebamme begegnet sind, zeigen Wassereinlagerungen als Schwangerschaftsbeschwerden. Dabei sind nicht alle gleich schwer betroffen. Manche Schwangere merken bis kurz vor der Geburt kaum etwas, andere kämpfen das ganze letzte Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) mit dicken Beinen und Zusatzkilos. Wie man den Wassereinlagerungen, auch Oedemen genannt, am besten beikommt und was sich in meiner Praxis bewährt hat, möchte ich dir hier erklären.

Was sind Wassereinlagerungen und woran bemerke ich sie?

In der Schwangerschaft dient das Hormon Progesteron dazu, deine Schwangerschaft zu erhalten. Es weitet aber auch deine Gefäße, um eine gute Versorgung der Plazenta zu gewährleisten. Zusätzlich steigt die Blutmenge während der Schwangerschaft an. Deine Gefäße werden dadurch nochmal geweitet und das erhöht die Durchlässigkeit der Zellwände.

Solange dein Blutkreislauf ungestört fließen kann, wirst du wahrscheinlich keine große Veränderung bemerken. Wenn aber dein Bauch im Laufe der Schwangerschaft immer weiter wächst, dann drückt die Gebärmutter zunehmend auf die große Beckenvene. Dadurch wird der venöse Rückfluss des Blutes zum Herzen vermindert. Der Druck in deinen Blutgefäßen steigt und Flüssigkeit wird aus den Gefäßen durch die Zellwände ins umliegende Gewebe getrieben und „versackt“ dort. Auch dein Lymphabfluss ist gestört und so lagert sich zunehmend Wasser im Gewebe und Bindegewebe ein. 

Ab wann treten Wassereinlagerungen auf?

Dieser Prozess beginnt normalerweise ab der 30. Schwangerschaftswoche, also im letzten Trimenon, ab. Im Sommer treten die Beschwerden übrigens weitaus stärker auf. Das liegt an der Wärme, die deine Blutgefäße noch weiter stellt. 

schwangere Frau legt Beine hoch
Beine hochlegen unterstützt den venösen Rückfluss und entlastet die Beine

Merken wirst du beginnende Wassereinlagerungen als erstes in deiner unteren Körperhälfte. Ein untrügliches Zeichen sind geschwollene, schwere Beine am Abend und Abdrücke deines Sockenbundes an deinen Fesseln. Aber auch andere Symptome können auftreten:

  • Deine Haut spannt unangenehm.
  • Wenn du in dein Bindegewebe drückst entstehen Dellen.
  • Die Gefäße an deinen Füßen sind nicht mehr klar definiert.
  • Du hast Probleme und Schmerzen beim Gehen, weil deine Füße geschwollen und unbeweglich sind. 
  • Deine Schuhe passen nicht mehr richtig. 
  • In deinen Händen kann Kribbeln auftreten.
  • Wenn du deine Finger bewegen willst, kann das mitunter sogar schmerzhaft sein.
  • Trägst du regelmäßig Ringe, dann wirst du diese wahrscheinlich bis nach der Geburt abnehmen müssen. Viele Schwangere tragen ihren Ehering oder Verlobungsring jetzt mit einer Kette um den Hals.
  • Du legst leider auch ein paar Kilo an Gewicht durch das zusätzliche Wasser zu. Die gute Nachricht: Nach der Geburt verschwindet diese Gewichtszunahme relativ schnell. 

Was hilft gegen Wassereinlagerungen?

Etwa zwei Drittel aller Schwangeren haben während der Spätschwangerschaft mit Ödemen zu kämpfen. Vor allem in den Beinen machen sich diese bemerkbar. Sie nehmen auch im Laufe des Tages zu. Wenn du also morgens noch gut in deine Schuhe passt, dann kann das Abends ganz anders aussehen. Weil die Ursache der Wassereinlagerungen in deinem erhöhten Progesteronspiegel liegt, kannst du, solange du schwanger bist, nur die Symptome bekämpfen. Die Ödeme selbst können damit zwar vorübergehend zurückgehen, kommen aber immer wieder. 

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Aus meiner langjährigen Praxiserfahrung als Hebamme habe ich einige Tipps und Tricks auf Lager, die dir helfen die Wassereinlagerungen zurückzudrängen:

  • Vermeide langes Stehen ohne dich zu bewegen. Wenn du läufst, wird durch die zusätzliche Muskelbewegung die Venenpumpe aktiviert und das Blut aus den Beinen zum Herzen transportiert. Beim Stehen passiert das nicht.
  • Auch langes bewegungsloses Sitzen gilt es zu vermeiden. Aktiviere die Venenpumpe, indem du mit den Zehen auf und ab wippst und die Füße abwechselnd auf Spitze und Ferse stellst. Mach etwa einmal in der Stunde 5 Minuten Fußgymnastik. 
  • Gegen geschwollene Handgelenke helfen kreisende Bewegungen
  • Schwimmen eignet sich perfekt, um Gewebeeinlagerungen und Wasser in den Beinen loszuwerden. Der Wasserdruck wirkt wie eine sanfte Kompression von allen Seiten auf deinen Körper.
  • Natürlich ist auch jeder andere Sport in der Schwangerschaft hilfreich, um deinen Körper fit zu halten und das Wasser aus den Beinen zu treiben. 
Schwimmen massiert das Bindegewebe und wirkt Wassereinlagerungen entgegen
  • Am allerbesten hilft es, die Beine hochzulegen, so oft es geht. Dabei sollten deine Füße über Herzhöhe gelagert werden. 
  • Nachts kannst du geschwollene Beine auf einem Kissen, zum Beispiel deinem Stillkissen, hochlagern. Am Morgen solltest du einen deutlichen Unterschied feststellen. 
  • Kannst du dich problemlos auf den Rücken legen, dann radel eine Runde mit Beinen und Armen in der Luft
  • Wechselduschen und Kneippkur sind probate Mittel, um den Kreislauf ordentlich in Schwung zu bringen. Und das hilft auch gegen geschwollene Beine. 
  • Linderung schafft auch ein Fußbad mit Meersalz. Wenn du Vollbäder vom Kreislauf noch gut verträgst, dann ist das auch ein Variante. Sei aber bitte vorsichtig.
  • Eine schöne Aufgabe für deinen Partner ist es, deine Beine von den Zehen Richtung Herz auszustreichen und sanft zu massieren. Dein Partner kann dafür auch einen Rosskastanienigel benutzen, was die Durchblutung anregt.

Stützstrümpfe sind meine Empfehlung

Meiner Meinung nach am wirksamsten gegen Wassereinlagerungen in der Scwangerschaft sind Kompressionsstrümpfe. Diese sollten mindestens bis zum Oberschenkel reichen. Strumpfhosen werden eher selten getragen. Sie drücken am empfindlichen Bauch und kaum eine Schwangere findet sie angenehm.

Du kannst dir zwei Paar Stützstrümpfe von deinem Gynäkologen als Hilfsmittel verschreiben lassen. Im Sanitätshaus wird dafür extra Maß genommen, damit die Strümpfe dann auch perfekt passen. Vereinbare dafür unbedingt einen Termin am Morgen, denn am Nachmittag kann das Messergebnis durch dicke Beine verfälscht werden. 

Kompressionsstrümpfe wirken Wassereinlagerungen entgegen

Du solltest mit den Kompressionsstrümpfen auch nicht zu lange warten. Es schadet gar nicht, diese schon bei den ersten Anzeichen von Ödemen zu tragen. Je weniger Wasser sich von vornherein im Gewebe anlagert, umso besser. 

Für den Sommer kannst du Modelle ohne Zehenspitze wählen, dann passen auch noch Flip-Flops und modische Sandalen. Übrigens, falls es dir in den Strümpfen einmal zu warm wird, spricht nichts gegen eine kalte Dusche, während du sie trägst. Die Strümpfe trocknen sehr schnell.

Und noch ein Grund spricht für Kompressionsstrümpfe: Deine Venen werden maximal entlastet und du beugst so der Entstehung von Krampfadern und Besenreisern vor. Nach der Schwangerschaft profitierst du dein restliches Leben von schönen Beinen, was die 2 oder 3 Monate mit den eher unmodischen Kompressionsstrümpfen locker ausgleicht. 

Hilfe durch Heilpraktiker und Homöopath

Wenn du zusätzlich zu deinen eigenen Bemühungen noch einen Experten zurate ziehen willst, dann kann dieser mit unterschiedlichen Anwendungen deine Wassereinlagerungen behandeln.

Lymphdrainage gegen Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft
Eine professionelle Lymphdrainage kann vorübergehend Linderung bringen
  • Akupunktur ist sehr effektiv bei einem Karpaltunnelsyndrom. Viele Hebammen sind ebenfalls in Akupunktur ausgebildet und können dich während der normalen Vorsorge behandeln.
  • Homöopathische Mittel können helfen. Von einer Selbstbehandlung rate ich allerdings ab. Frag bitte deinen Homöopathen, welches Mittel bei dir zur Anwendung kommen sollte. 
  • Lymphdrainage kann auch ein Physiotherapeut durchführen. So eine Behandlung ist ein tolles Geschenk, dass man sich selbst gönnen darf. 

Die richtige Ernährung bei Wassereinlagerungen

Im ersten Moment denkt man, dass man bei Wassereinlagerungen zu viel Wasser im Körper hat. Das ist aber ein Trugschluss. Im Grunde fehlt dir Flüssigkeit, die ja im Gewebe eingelagert wurde und deshalb solltest du sehr viel trinken. Die Maßgabe sind 2 bis 3 Liter am Tag. Andernfalls riskierst du Schwindel, Kopfweh und Kreislaufprobleme. Auch dein Baby braucht Flüssigkeit, schließlich schwimmt es im Fruchtwasser und ist drauf angewiesen, dass dein Körper immer genug davon produzieren kann. Bitte achte also darauf genug zu trinken.

Ein Ammenmärchen ist auch, dass salzarme Kost bei Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft hilfreich ist. Bitte konsumiere ganz normal Salz. Ich rate auch von Obst-, Kartoffel- oder Reistagen ab. Das mag bei Bluthochdruckpatienten hilfreich sein, aber in der Schwangerschaft ist die Ursache der Wassereinlagerungen eine andere. Daher lass bitte die Finger davon!

Sehr wichtig ist mir folgender Hinweis: Verzichte unbedingt auf entwässernde Tees, wie Brennnesseltee oder gar auf Entwässerungsmittel. Das tut deinem schwangeren Körper und damit auch deinem Baby nicht gut.

Schwangere Frau isst Salat
Helfen kann ist eine Ernährung mit viel Kalium, Magnesium und Vitamin B6

Stattdessen solltest du sich gesund und ausgewogen ernähren. Baue in deinen Speiseplan vermehrt Nahrungsmittel, die viel Kalium, Magnesium und Vitamin B6 enthalten, ein. Kohl, Gemüse, rote Paprika, Karotten, Kiwi und Himbeeren sind zum Beispiel gute Kaliumlieferanten. Magnesium ist in Vollkornprodukten, Getreide, Brokkoli und Kartoffeln enthalten. Vitamin B6 findet sich in Fisch und Fleisch, Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten. 

Manche Frauen berichten, dass ihnen der Verzicht auf Milchprodukte Linderung verschafft hat. Das kannst du ruhig einmal ausprobieren. Mit grünem Gemüse und Beeren beugst du einem Kalziummangel vor.

Sind Wassereinlagerungen gefährlich?

Normalerweise sind Wassereinlagerungen harmlos und haben keine weiteren Folgen für dich und dein Baby. In manchen Fällen schwellen jedoch deine Hände und Handgelenke so stark an, dass der Mittelhandnerv eingeklemmt wird. Es entwickelt sich ein Karpaltunnelsyndrom. Das kann ein unangenehmes Kribbeln bis hin zu starken Schmerzen verursachen. Das Schreiben oder Zupacken mit der betroffenen Hand fällt dir schwer. Wenn du diese Symptome feststellst, solltest du einen Orthopäden konsultieren, um die Beschwerden genau abzuklären. Er kann dir Handschienen verschreiben, die dir helfen, die Hand zu entlasten.

Bludruck messen bei schwangerer Frau
Tauchen Symptome wie Bluthochdruck auf, kann eine Gestose hinter den Oedemen stecken

Auf eine Sache möchte ich aber an dieser Stelle explizit hinweisen. Die meisten Schwangeren haben harmlose Ödeme. Nur in seltenen Fällen können Wassereinlagerungen ein Hinweis auf eine drohende „Schwangerschaftsvergiftung“ sein. Diese Gestose ist eine sehr ernsthafte Erkrankung, die im schlimmsten Fall unbehandelt sogar tödlich für Mutter und Kind enden kann. 

Wenn bei dir neben starken Wassereinlagerungen folgende Symptome zusätzlich auftreten solltest du deshalb umgehend deinen Arzt aufsuchen:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Ohrensausen
  • Augenflimmern
  • erhöhter Blutdruck
  • erhöhte Eiweißausscheidung im Urin
  • Schmerzen im rechen Oberbauch

Verschwinden Wassereinlagerungen nach der Geburt?

Definitiv ja! Manchmal dauert es nur ein bisschen. Es kann sogar bei einigen Frauen im Wochenbett zu einem Anstieg der Ödeme kommen. Aber wenn die Schwangerschaftshormone absinken und sich dein Körper nach der Geburt umstellt, reguliert sich das schnell. 

Meistens ist innerhalb der ersten 14 Tage nach der Geburt eine deutliche Besserung zu bemerken oder die Wassereinlagerungen sind bereits komplett verschwunden. Die etwas lästige Nebenwirkung der Wasserausscheidung ist ein erhöhter Harndrang.

Abschließend möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Wassereinlagerungen als Beschwerden in der Schwangerschaft eine ganz andere Ursache haben als Ödeme bei Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreiskauf- Erkrankungen. Daher funktionieren die dort angeratenen Behandlungen wie salzarme Kost oder Reis- und Obsttage nicht oder sind sogar eher schädlich als hilfreich. Wirklich weg gehen die Ödeme erst, wenn deine Schwangerschaft beendet ist aber dann sehr schnell und auch ganz von alleine. 

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