Asymmetrischer Tonischer Nackenreflex (ATNR)

Inhaltsverzeichnis

Bild von Julia Ronnenberg (Hebamme)

Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

Ich gebe dir Hilfestellung und stehe mit Rat bei allen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Baby zur Seite.

Neben der Webseite biete ich auch verschiedene Kurse rund um Schwangerschaft und Rückbildung an, von denen du viele kostenlos testen kannst.

Was ist der Asymmetrische Tonische Nackenreflex (ATNR)?

Der Asymmetrische Tonische Nackenreflex, oft als ATNR abgekürzt, ist einer der wichtigsten frühkindlichen Reflexe. Du kannst ihn bei Neugeborenen beobachten: Wenn der Kopf deines Babys sanft zur Seite gedreht wird, strecken sich der Arm und das Bein auf derselben Seite, während Arm und Bein auf der gegenüberliegenden Seite gebeugt werden. Diese charakteristische Haltung wird liebevoll auch „Fechterstellung“ genannt.

Dieser Reflex ist bereits im Mutterleib vorhanden und spielt eine entscheidende Rolle bei der Geburt, indem er die Bewegungen des Kindes im Geburtskanal unterstützt. Nach der Geburt ist der ATNR fundamental für die Entwicklung der Hand-Augen-Koordination. Jedes Mal, wenn dein Baby den Kopf dreht und seine Hand ins Blickfeld gerät, wird die neuronale Verbindung zwischen Sehen und Greifen gestärkt – ein erster Schritt zum bewussten Erforschen der Welt.

Normalerweise integriert sich der ATNR im Alter von etwa sechs bis sieben Monaten. Das bedeutet, er wird nicht mehr automatisch ausgelöst, sondern durch willentliche, kontrollierte Bewegungen ersetzt. Diese Integration ist ein wichtiger Meilenstein in der neuromotorischen Entwicklung deines Kindes.

Wenn der ATNR über diesen Zeitraum hinaus aktiv bleibt (persistiert), kann dies auf eine Unreife im zentralen Nervensystem hindeuten und sich in verschiedenen Bereichen bemerkbar machen. Mögliche Anzeichen für einen persistierenden ATNR können sein:

  • Schwierigkeiten beim Überkreuzen der Körpermitte: Das Kind vermeidet es, mit der rechten Hand auf der linken Körperseite zu arbeiten (oder umgekehrt), was sich beim Schreiben oder Malen zeigen kann.
  • Herausforderungen in der Grob- und Feinmotorik: Probleme mit dem Gleichgewicht, einer flüssigen Handschrift oder beidhändigen Tätigkeiten (z.B. eine Flasche halten und den Deckel aufschrauben).
  • Visuelle Wahrnehmungsstörungen: Schwierigkeiten, einen sich bewegenden Gegenstand mit den Augen zu verfolgen, ohne den ganzen Kopf mitzudrehen.
  • Unterschiedliche Seitigkeit: Unentschlossenheit bei der Entwicklung einer dominanten Hand, eines dominanten Auges oder Fußes.

Solltest du dir Sorgen machen, dass der ATNR bei deinem Kind noch aktiv ist, ist das kein Grund zur Panik. Es gibt spezialisierte Fachkräfte wie Ergotherapeuten oder Kinderphysiotherapeuten, die mit gezielten Übungen der Reflexintegrationstherapie helfen können, den Reflex nachträglich zu integrieren und deinem Kind so eine solide Basis für seine weitere Entwicklung zu schaffen.

Quellenangaben

  • Goddard Blythe, S. (2009). Greifen und Begreifen: Wie frühkindliche Reflexe die kindliche Entwicklung beeinflussen. VAK Verlags GmbH.
  • Zafeiriou, D. I. (2004). Primitive reflexes and postural reactions in the neurodevelopmental examination. Pediatric Neurology, 31(1), 1-8.
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche.

Keine Einträge gefunden

Warum wollen Babys bloß so gerne getragen werden? Dahinter steckt

Inhaltsverzeichnis Wie wirkt Babymassage? Ab wann kann man Babymassage durchführen?

Es gibt Zeiten im Leben wo es schwierig ist regelmäßig

Mammacita Onlinekurse

Wichtiger Hinweis: Diese Übersicht ersetzt keinen medizinischen Rat; konsultiere bei Problemen bitte Deine Hebamme oder Deinen Arzt.