Babys tragen – natürlich die Entwicklung fördern

Baby tragen Entwicklung fördern

Warum wollen Babys bloß so gerne getragen werden? Dahinter steckt ein Bedürfnis, das auf die Urgeschichte des Menschen zurückgeht. Babys sind evolutionär darauf eingestellt, getragen zu werden. Bevor die Menschen sesshaft wurden, waren sie als Nomaden den ganzen Tag in Bewegung. Für Säuglinge bedeutete das: “ich bin nur in Sicherheit, wenn ich getragen werde”. Mit diesem Instinkt werden Babys auch heute noch geboren. Sie kommen relativ unfertig zur Welt und sind darauf angewiesen, von ihren Eltern überall hin mitgenommen zu werden.

Biologisch betrachtet gehören Babys zu den Traglingen, genau wie die Jungtiere von Affen oder Kängurus. Der angeborene Klammerreflex und die automatische Anhock-Spreiz-Haltung, die ein Säugling beim Hochheben annimmt, sind typische Merkmale.

Babys zu tragen ist also eine natürliche Möglichkeit, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. In diesem Artikel erfährst du, welche Vorteile das Tragen für dich und dein Baby hat, wie sich die verschiedenen Tragesysteme voneinander unterscheiden und worauf du beim Tragen achten solltest.

Die Vorteile des Tragens

Sicherheit und Geborgenheit durch Körperkontakt – das sind neben Nahrung und Schlaf die Grundbedürfnisse eines Babys. Der Säugling ist darauf angewiesen, dass die Bezugspersonen seine Signale schnell deuten und die dahinter liegenden Bedürfnisse angemessen erfüllen können. Mithilfe eines Tragetuchs oder einer Babytrage kannst du dein Baby nah bei dir haben und ihm so helfen, in der Welt anzukommen.

Tragen hat viele Vorteile:

  • Bindung stärken Dein Baby ist nah bei dir und fühlt sich dadurch sicher und geborgen. Du kannst durch die Nähe schnell erkennen, was es braucht. Der enge Körperkontakt stärkt daher eure Bindung. 
  • Entspannung erzeugen Der Säugling wird im Tragetuch oder der Babytrage ruhiger, kann Spannungen abbauen und Zuwendung erfahren.
  • Urvertrauen aufbauen Zugewandtheit, Nähe und das sofortige Erfüllen der Bedürfnisse – so bauen Säuglinge ihr Urvertrauen aus. Sie lernen: “Wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich sie.”
  • Alltag vereinfachen  Gleichzeitig haben Babytragen und Tragetücher gegenüber Kinderwägen den großen Vorteil, dass du beide Hände frei hast: beim Einkaufen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Spazierengehen. Mit der Zeit werden Eltern richtig geschickt darin, alle möglichen Haushaltstätigkeiten zu verrichten, während sie ihre Babys tragen. 
  • Wärme erzeugen Im Winter bekommt dein Baby in seiner Trage außerdem zusätzliche Wärme durch deinen Körper.

Keine Sorge: Mit Nähe und Zuwendung kannst du dein Baby nicht verwöhnen. Viel Körperkontakt und Aufmerksamkeit der engsten Bezugspersonen sind schlicht überlebensnotwendig für Säuglinge.

Mutter bindet Baby ins Tragetuch

Tragen fördert die Entwicklung deines Babys

Anatomisch sind Säuglinge “dafür gemacht“ getragen zu werden. Hebst du dein Baby hoch, zieht es automatisch die Beine an – sein Körper stellt sich darauf ein, getragen zu werden. In vielen Kulturen ist es bis heute selbstverständlich die Babys zu tragen. Noch vor 200 Jahren war das auch in der westlichen Kultur die Regel. Damals waren Tragetuch und Co. keine Entscheidung, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Die Säuglinge mussten zum Stillen in der Nähe ihrer Mütter bleiben. Gleichzeitig mussten die Frauen körperliche Arbeiten auf dem Feld oder dem Hof verrichten und brauchten freie Hände. 

Im 19. Jahrhundert wurden Babytragen in Europa vor allem in den wohlhabenden Schichten zusehends von der Erfindung des Kinderwagens verdrängt. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern war distanziert, wer es sich leisten konnte, hatte ein Kindermädchen. Der Kinderwagen war ein Ausdruck eben jener Distanz. Und heute? Immer mehr Eltern lernen die Vorteile von Tragesystemen gegenüber Kinderwägen wieder zu schätzen. Nicht nur wegen der wohltuenden Nähe, sondern auch wegen der positiven Auswirkung auf die Gesamtentwicklung ihrer Babys.

  • Prävention Plagiocephalie: Säuglinge, die viel liegen, entwickeln manchmal eine lagerungsbedingte Plagiocephalie, auch Schiefkopf genannt. Die Schädelknochen des Säuglings sind zu Beginn noch so weich, dass sie durch das lange Liegen verformt werden. So entsteht der Schiefkopf, der im schlimmsten Fall zu einer Fehlhaltung des Kopfes und einer daraus resultierenden Beeinträchtigung der motorischen Entwicklung des Kindes führen kann.Die Babys viel zu tragen ist eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen gegen lagerungsbedingte Plagiocephalie. Denn die aufrechte Position in der Babytrage ermöglicht den Säuglingen eine andere Position als nur die liegende (Renz-Polster: Tragen aus kinderärztlicher Sicht).
  • Prävention Hüftdysplasie: Zur Vorbeugung und Therapie der Hüftdysplasie empfehlen Orthopäden ebenfalls, Babys häufig zu tragen. Die Anhock-Spreiz-Haltung in der Trage hilft bei der Entwicklung der Hüfte und der Hüftgelenkpfannen. 
  • Weniger weinen: Babys tragen wirkt sich nicht nur positiv auf die sensomotorische Entwicklung der Säuglinge aus. Getragene Babys weinen im Schnitt deutlich weniger als ihre Altersgenossen. Sie zeigen weniger Unruhe und haben geringere Anpassungsschwierigkeiten nach der Geburt. Das wird besonders darauf zurückgeführt, dass die enge Bindung und die körperliche Verbindung zwischen Säugling und Eltern das Baby beruhigt und es den Eltern ermöglicht, ihr Baby besser und schneller in seinen Bedürfnissen zu verstehen.

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Ab wann darfst du dein Baby tragen?

Nach Schwangerschaft und Geburt ist dein Körper stark strapaziert. Die Rückbildung ist ein langer Prozess und die Veränderungen machen sich noch lange nach der Geburt bemerkbar. Besonders für deinen Beckenboden und deinen Rücken ist es wichtig, am Anfang nicht zu schwer zu tragen. Oberste Grenze: 5 kg, also das Gewicht deines Babys und ein bisschen mehr. Dein Baby nimmt stetig an Gewicht zu und deine Muskeln gewöhnen sich von Anfang an daran, dieses Gewicht zu transportieren.

Entscheidend für deinen Körper ist aber nicht nur was, sondern auch wie. Babys auf dem Arm tragen macht es wahrscheinlicher, dass du deinem Rücken Schaden zufügst, da sich das Gewicht oft ungleichmäßig verteilt.

Babys tragen wird durch den Einsatz einer Tragehilfe vereinfacht. Du nimmst automatisch eine aufrechte, rückenfreundliche Position ein und belastest deinen Rücken gleichmäßig.

Besonders rückenfreundlich ist es, wenn du dein Kind ab ca. 3 Monaten auf dem Rücken trägst. Das erfordert zwar etwas Übung, ist für deinen Körper aber wesentlich schonender.

Für dein Neugeborenes ist es am Anfang umso wichtiger, dass du auf eine korrekte Position beim Tragen achtest. Es kann seinen Kopf noch nicht selbst aufrecht halten. Achte also darauf, dass der Kopf gestützt wird und seine Atemwege frei sind. 

Neugeborene tragen 

Babys von Anfang an tragen fördert das gegenseitige Kennenlernen, das Bonding und hilft deinem Baby, in der Welt anzukommen. Es mindert Stress und kann sogar das Stillen fördern. Denn der enge Körperkontakt, am besten Haut an Haut, regt die Produktion eines wichtigen Hormons an: Oxytocin. Oxytocin ist ein Wundermittel für Mutter und Kind. Es sorgt für Entspannung, fördert die Bindung und ist wesentlich für die Produktion von Muttermilch. 

Tragen und stillen passen gut zusammen. Du kannst deine Babytrage oder das Tragetuch so anlegen, dass du dein Baby während des Tragens stillen kannst. Das ist besonders für vielstillende Mamas ein Vorteil.

Ältere Babys tragen

Am Anfang gibt es für Babys nichts Besseres, als besonders nah am Körper getragen zu werden. Mit ca. vier Monaten möchten manche Babys mehr von der Welt sehen. Jetzt bietet sich eine neue Trageposition an. Babys tragen funktioniert nicht nur Bauch an Bauch. Du kannst dein Baby auf dem Rücken tragen oder auf der Hüfte.

Teste am besten beide Varianten aus, um herauszufinden, was für dich und dein Baby am angenehmsten ist.

Generell gilt: Du kannst frischgeborene Babys tragen, ältere Babys und später sogar dein Kleinkind, so lange, wie es für euch beide schön ist.

Babys tragen fördert die Entwicklung

Babytrage oder Tragetuch?

Du fragst dich jetzt wahrscheinlich, welche Tragemethode die beste ist. Tatsächlich gibt es viele unterschiedliche Begriffe in der Welt der Tragesysteme: Full-Buckle, Half-Buckle, Tragetuch, Sling,…das kann am Anfang äußerst verwirrend sein. 

Babys tragen geht auf viele unterschiedliche Arten. Im Wesentlichen gibt es jedoch nur zwei unterschiedliche Tragesysteme: Das Tragetuch und die Babytrage. Beide haben Vor- und Nachteile. Ich habe für dich die wichtigsten Eigenschaften beider Modelle zusammengefasst, damit dir die Entscheidung leichter fällt.

Babytrage

Babytragen haben einen offensichtlichen Vorteil: Sie müssen nicht gebunden werden. Es geht daher schneller, die Trage anzulegen und richtig einzustellen. Eine Babytrage ist ein bisschen wie ein Rucksack, den du dir umschnallst. Viele Babytragen verlagern das Gewicht weg von den Schultern auf das Becken. Das ist eine enorme Entlastung für den Tragenden. Speziell, wenn die Kinder schon etwas größer und schwerer sind.

Doch auch bei der Babytrage müssen Eltern immer neu die Haltung ihres Säuglings überprüfen, um sicherzustellen, dass die Position stimmt. Wächst dein Baby, muss die Trage neu eingestellt werden. Auch wenn es große Größenunterschiede zwischen den Tragenden gibt, muss man die Schnallen neu einstellen.

Und: Nicht jede Trage passt für alle. Am besten ist es immer, das gewählte Modell zu testen. 

Tragetuch

Tragetücher sind ungefähr vier bis fünf Meter lang und ca. 60 Zentimeter breit. Manche sind elastisch, andere fest. Du wickelst das Tragetuch mit einer speziellen Bindetechnik um dich und dein Baby. 

Babys tragen im Tragetuch wirkt anfangs kompliziert. Doch die korrekte Bindetechnik ist schnell erlernt. Ein großer Vorteil des Tragetuchs: Die Flexibilität. Es passt sich unterschiedlichen Körperformen besser an, ermöglicht unterschiedliche Tragearten und ist günstiger als eine Babytrage. Besonders für Frühchen ist ein Tragetuch empfehlenswert, da diese für eine Babytrage zu klein sind.

Die Wahl zwischen Babytrage oder Tragetuch ist eine sehr persönliche. Es gibt ein paar wichtige Punkte, die dir bei der Entscheidung helfen können:

Mamamcita Tragetuch mit Baby und Mama
  • Wer trägt das Baby? Papa und Mama? Gibt es eklatante Größenunterschiede? Dann müssen zwei verschieden große Tücher angeschafft werden. Wollen die Großeltern das Baby auch tragen? Dann ist eine Babytrage möglicherweise einfacher, weil das aufwendige Binden wegfällt.
  • Wie mobil seid ihr? Für größere Ausflüge ist ein Tragetuch sehr praktisch. Es ermöglicht das gleichzeitige Tragen eines Rucksacks, lässt sich schnell verstauen – und kann als Babydecke verwendet werden.

Wichtig bei der Entscheidung ist vor allem: Babys tragen muss in den Alltag der jeweiligen Familie passen.

Tipp: Lass dir mit dem Kauf Zeit, bis dein Baby auf der Welt ist. Dann kannst du die Tragehilfe gleich testen und im Zweifelsfall wieder zurückgeben, wenn du und dein Baby dich mit ihr nicht wohlfühlen.

Fällt dir die Entscheidung schwer oder hast du Probleme beim Tragen deines Babys? Dann ist eine professionelle Trageberatung eine gute Möglichkeit. In den meisten Städten gibt es inzwischen Trageberaterinnen, die dir helfen können. Sie beraten Familien individuell oder bieten Kurse an. Hier kannst du dir meistens sogar verschiedene Tragen oder Tücher ausleihen. Schau dich doch mal um, ob du ein Angebot in deiner Nähe findest. 

Die korrekte Tragetechnik

Babys tragen will gelernt sein – die richtige Haltung ist essentiell, damit dein Säugling keine Haltungsschäden entwickelt. Aber keine Angst: Nach den ersten paar Malen wirst du schnell wissen, worauf es ankommt. 

Ich habe für dich die wichtigsten Punkte zusammengefasst, um Babys sicher und gesund zu tragen:

  • Anhock-Spreiz-Haltung Dabei sind die Beine deines Babys zu etwa 90 Grad angewinkelt, die Knie befinden sich etwa auf Nabelhöhe des Säuglings. Die Beine sind leicht gespreizt.
  • gerundeter Rücken Der Rücken deines Babys sollte eine leichte Rundung einnehmen und auf keinen Fall ins Hohlkreuz fallen.
  • Arme Angewinkelte Arme sind ein Zeichen dafür, dass dein Baby richtig getragen wird. Hängen seine Arme herunter, solltest du die Position ändern.
  • Kopfstütze Kann dein Baby seinen Kopf noch nicht halten, braucht es eine Stütze. Die meisten Babytragen haben eine eingebaute Kopfstütze. Tagetücher kannst du so wickeln, dass der Kopf durch eine Tuchbahn gestützt wird. Wichtig ist, dass die Fläche zwischen den Schulterblättern des Säuglings gestützt wird.
Baby in der babytrage
  • Richtung in den ersten Lebensmonaten ist es am besten, Babys Bauch an Bauch zu tragen. Möchte dein Baby später mehr von der Welt sehen, kannst du es auf dem Rücken tragen oder auf deiner Hüfte. Babys tragen mit Blickrichtung nach vorne ist meistens nicht gesund. Das dadurch entstehende Hohlkreuz ist physiologisch nicht gesund für den Rücken.
  • Babys sicher tragen Am besten bereitest du die Babytrage oder das Tragetuch vor, solange dein Baby an einem sicheren Ort liegt. Wenn du deinen Säugling in die Tragehilfe setzt, achte darauf, immer mit einer Hand am Baby zu bleiben, um es zu sichern.
  • Verstellbarer Steg Gute Tragen verfügen über einen verstellbaren Steg. Ein richtig eingestellter Steg reicht von Kniekehle zu Kniekehle und wird angepasst, wenn das Baby wächst.
  • Festes Binden Für einen richtigen Halt müssen die Tragetücher straff sitzen und fest gebunden werden.

Babys tragen ist eine einfache und natürliche Möglichkeit, Nähe zu geben, die Eltern-Kind-Bindung zu fördern und deinen Säugling in seiner Entwicklung zu unterstützen. Tragen fördert die Ausbildung des Urvertrauens, unterstützt beim Stillen und hilft bei der motorischen Reifung.

Wie du dein Baby trägst, ist ganz dir und deinem Kind überlassen. Ihr werdet bestimmt eine Form finden, die am besten zu euch passt.

Hebamme Julia Ronnenberg am Laptop

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