Persistenz frühkindlicher Reflexe

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Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

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Was bedeutet die Persistenz frühkindlicher Reflexe?

Stell Dir vor, Dein Baby kommt mit einem Satz vorprogrammierter, automatischer Bewegungen auf die Welt – den frühkindlichen oder primitiven Reflexen. Diese Reflexe, wie der Saug- oder Greifreflex, sind in den ersten Lebensmonaten absolut normal und lebenswichtig. Sie sichern das Überleben und unterstützen die frühe Entwicklung. Mit der fortschreitenden Reifung des Gehirns werden diese automatischen Muster jedoch nicht mehr benötigt. Sie werden schrittweise gehemmt und durch bewusste, kontrollierte Bewegungen ersetzt. Diesen Prozess nennt man Reflexintegration.

Von einer Persistenz frühkindlicher Reflexe sprechen wir, wenn diese Reflexe über ihren normalen Zeitrahmen hinaus aktiv bleiben. Sie sind also nicht wie vorgesehen „in den Hintergrund getreten“. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein wichtiger Hinweis darauf, dass die neuromotorische Entwicklung möglicherweise Unterstützung benötigt. Anhaltend aktive Reflexe können die Entwicklung grundlegender motorischer Fähigkeiten, die Haltungskontrolle, die Koordination und sogar das Lernen und Verhalten beeinflussen.

Typische Anzeichen für persistierende Reflexe können sein:

  • Moro-Reflex: Eine übermäßige Schreckhaftigkeit, Ängstlichkeit oder emotionale Überreaktionen.
  • Asymmetrischer Tonischer Nackenreflex (ATNR): Schwierigkeiten beim Überkreuzen der Körpermitte, was sich z.B. auf das Schreibenlernen oder beidhändige Tätigkeiten auswirken kann.
  • Symmetrischer Tonischer Nackenreflex (STNR): Eine Tendenz zum „W-Sitz“, eine schlechte Körperhaltung oder Schwierigkeiten beim Krabbeln im Kleinkindalter.
  • Palmarer Greifreflex: Eine verkrampfte Stifthaltung, unleserliche Handschrift oder Mitbewegungen des Mundes beim Schreiben oder Basteln.

Wenn Du solche Anzeichen bei Deinem Kind beobachtest, ist es wichtig zu wissen: Du bist nicht allein und es gibt gezielte Unterstützung. Eine genaue Diagnostik durch spezialisierte Kinderärzte, Ergo- oder Physiotherapeuten kann Klarheit schaffen. Durch gezielte Übungen und Therapien, wie die Reflexintegrationstherapie, kann Deinem Kind geholfen werden, diese Reflexe nachträglich zu integrieren und so eine solide Basis für seine weitere Entwicklung zu schaffen.

Quellenangaben

  • Goddard Blythe, S. (2012). Greifen und BeGreifen: Wie frühkindliche Reflexe die kindliche Entwicklung beeinflussen. VAK Verlags GmbH.
  • Kesper, C., & Hottinger, A. (2019). Motorische Entwicklung und Entwicklungsstörungen bei Kindern. Thieme Verlag.
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) – Leitlinien und Empfehlungen zur kindlichen Entwicklung.

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