Was ist Anismus (Beckenbodendyssynergie)?
Stell Dir vor, Dein Beckenboden ist ein Team aus Muskeln, das perfekt zusammenarbeiten muss, damit alles reibungslos funktioniert. Beim Stuhlgang sollte sich ein Teil dieses Teams – insbesondere der Schließmuskel und der Puborektalismuskel – entspannen, um den Weg freizumachen. Bei einem Anismus, auch Beckenbodendyssynergie oder dyssynerge Defäkation genannt, passiert genau das Gegenteil: Die Muskeln verkrampfen sich und ziehen sich zusammen, anstatt loszulassen. Es ist, als würdest Du pressen, um eine Tür aufzustoßen, während Dein Körper gleichzeitig von der anderen Seite dagegenhält.
Diese unkoordinierte Muskelaktivität ist keine bewusste Handlung, sondern eine erlernte, unwillkürliche Reaktion des Körpers. Sie führt dazu, dass die Entleerung des Darms erschwert oder sogar unmöglich wird, obwohl der Stuhldrang vorhanden ist und der Stuhl selbst eine normale Konsistenz haben kann.
Typische Anzeichen und Symptome eines Anismus können sein:
- Das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung, auch nach langem Pressen.
- Starkes Pressen und Anstrengen beim Toilettengang.
- Das Gefühl einer Blockade im Analbereich.
- Die Notwendigkeit, manuell nachzuhelfen (digitale Entleerung), um den Stuhlgang zu ermöglichen.
- Chronische Verstopfung (Obstipation), die nicht auf gängige Abführmittel anspricht.
- Schmerzen im Beckenboden- oder Analbereich.
Die gute Nachricht ist: Anismus ist eine behandelbare Funktionsstörung. Der Schlüssel zur Besserung liegt darin, dem Beckenboden beizubringen, wie er sich im richtigen Moment wieder entspannen kann. Dies geschieht in der Regel durch spezialisierte Beckenboden-Physiotherapie, oft unterstützt durch Biofeedback-Training. Hier lernst Du, die An- und Entspannung Deiner Beckenbodenmuskulatur wieder bewusst zu steuern und die korrekte Koordination für eine mühelose Darmentleerung wiederherzustellen.