Chronisches Beckenschmerzsyndrom (Neurogen)

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Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

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Was ist das Chronische Beckenschmerzsyndrom (Neurogen)?

Stell Dir vor, Dein Becken hat ein überempfindliches Alarmsystem. Das ist im Grunde die Essenz des neurogenen chronischen Beckenschmerzsyndroms. Es handelt sich um Schmerzen im Beckenbereich, die länger als sechs Monate andauern und deren Ursprung direkt im Nervensystem liegt. Anders als bei akuten Schmerzen, die auf eine frische Verletzung hinweisen, haben sich hier die Nerven selbst zur Schmerzquelle entwickelt. Der Schmerz ist also nicht nur ein Symptom, sondern die eigentliche Erkrankung.

Was genau bedeutet “neurogen”?

Der Begriff “neurogen” bedeutet, dass der Schmerz vom Nervengewebe ausgeht. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen:

  • Nervenirritation oder -schädigung: Nach Operationen, Geburten, Entzündungen oder durch Muskelverspannungen (z.B. ein Beckenboden-Hypertonus) können Nerven wie der Pudendusnerv komprimiert oder geschädigt werden.
  • Periphere Sensibilisierung: Die Schmerzrezeptoren an den Nervenenden im Becken werden überempfindlich. Sie feuern schon bei leichtesten Reizen, die normalerweise nicht schmerzhaft wären.
  • Zentrale Sensibilisierung: Das Gehirn und das Rückenmark verarbeiten Schmerzsignale anders. Sie “lernen” quasi den Schmerz und verstärken ihn, selbst wenn der ursprüngliche Auslöser längst verschwunden ist. Dein Nervensystem reagiert über, ähnlich einer Alarmanlage, die schon bei einem Windstoß losgeht.

Typische Symptome bei neurogenen Beckenschmerzen

Da die Nerven selbst betroffen sind, ist der Schmerz oft schwer zu beschreiben und kann sich sehr untypisch anfühlen. Vielleicht kennst Du eines oder mehrere dieser Symptome:

  • Brennende, stechende, elektrisierende oder einschießende Schmerzen.
  • Ein Gefühl von Taubheit, Kribbeln oder Ameisenlaufen.
  • Schmerzen, die sich durch Sitzen verschlimmern (typisch für eine Pudendusneuralgie).
  • Eine diffuse, schwer lokalisierbare Schmerzempfindung im gesamten Beckenbereich.
  • Begleitende Funktionsstörungen von Blase, Darm oder Sexualität (z.B. Dyspareunie).

Ein wichtiger Gedanke für Dich

Wenn Du unter chronischen Beckenschmerzen leidest, ist es entscheidend zu verstehen: Dein Schmerz ist real. Auch wenn bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT keine sichtbare Ursache zeigen, bedeutet das nicht, dass Du Dir die Schmerzen einbildest. Neurogene Schmerzen sind auf Standardbildern oft unsichtbar, aber sie sind eine ernstzunehmende medizinische Realität, die eine spezialisierte Diagnostik und eine multimodale Therapie erfordert. Du bist nicht allein und es gibt Wege, Linderung zu finden.

Quellenangaben

  • AWMF-Leitlinie (S2k): “Diagnostik und Therapie des chronischen Beckenschmerzsyndroms der Frau”.
  • Engeler, D. S., et al. (2023). EAU Guidelines on Chronic Pelvic Pain.
  • Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. – Patienteninformationen zu neuropathischen Schmerzen.
  • Hagen, B., & Hover, K. (2020). Das Beckenbodenbuch für sie und ihn. TRIAS Verlag.

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