Was ist der Glabellareflex?
Der Glabellareflex, auch als Nasopalpebralreflex oder Glabella-Tipp-Zeichen bekannt, ist einer der sogenannten Primitivreflexe, die bei Neugeborenen als Indikator für eine gesunde neurologische Entwicklung gelten. Wenn Du sanft und wiederholt auf die Glabella – den knöchernen Bereich zwischen den Augenbrauen deines Babys – tippst, wird es reflexartig mit beiden Augen blinzeln.
Das Besondere an diesem Reflex ist nicht nur sein Vorhandensein, sondern auch seine Fähigkeit zur Habituation (Gewöhnung). Bei einem gesunden, reifgeborenen Baby verschwindet der Blinzelreflex nach den ersten vier bis fünf Berührungen. Das Gehirn lernt, den harmlosen Reiz zu ignorieren und die Reaktion zu unterdrücken. Diese Fähigkeit zur Unterdrückung ist ein wichtiges Zeichen für die fortschreitende Reifung der höheren Hirnfunktionen, insbesondere des Frontallappens.
Ein Ausbleiben der Habituation, also ein persistierendes Blinzeln bei jedem Tippen, kann bei Neugeborenen auf eine neurologische Unreife oder Funktionsstörung hinweisen. Bei Erwachsenen gilt ein nicht unterdrückbarer Glabellareflex als pathologisches Zeichen und wird häufig mit extrapyramidalen Störungen wie dem Parkinson-Syndrom in Verbindung gebracht.
Die Überprüfung des Glabellareflexes ist ein fester Bestandteil der neurologischen Erstuntersuchung bei Neugeborenen. Er gibt Ärztinnen und Hebammen schnell und unkompliziert wertvolle Hinweise auf die Integrität des zentralen Nervensystems deines Kindes.