Hand-Mund-Reflex (Bogaert-Reflex)

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Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

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Der Hand-Mund-Reflex (Bogaert-Reflex): Ein früher Meilenstein

Vielleicht hast Du dieses faszinierende Phänomen schon bei Deinem Neugeborenen beobachtet: Wenn Du sanft seine Handfläche streichelst, öffnet es den Mund und dreht vielleicht sogar den Kopf in Richtung der stimulierten Hand. Das ist der Hand-Mund-Reflex, auch als Bogaert-Reflex oder Babkin-Reflex bekannt. Er ist einer der vielen angeborenen, primitiven Reflexe, die Deinem Baby in den ersten Lebenswochen helfen, sich zurechtzufinden und zu überleben.

Was genau passiert bei diesem Reflex?

Der Hand-Mund-Reflex ist eine unwillkürliche neuromotorische Reaktion. Ausgelöst wird er durch leichten Druck oder Streicheln der Handinnenfläche (palmare Stimulation). Als Antwort darauf zeigt Dein Baby typischerweise eine oder mehrere der folgenden Reaktionen:

  • Es öffnet den Mund.
  • Es dreht seinen Kopf zur stimulierten Seite.
  • Es beugt den Kopf nach vorne.
  • Manchmal beginnt es sogar, Saugbewegungen zu machen.

Diese komplexe Reaktion zeigt die frühe und wunderbare Verknüpfung zwischen den Händen und dem Mund, die für die spätere Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist.

Warum ist der Hand-Mund-Reflex so wichtig für Dein Baby?

Dieser Reflex ist weit mehr als nur eine niedliche Eigenart. Er spielt eine zentrale Rolle in der frühen Entwicklung Deines Kindes und bereitet wichtige Fähigkeiten vor:

  • Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme: Der Reflex hilft Deinem Baby, die Brust oder Flasche zu finden und fördert die Saug-Schluck-Koordination. Er ist quasi ein Wegweiser zum Mund.
  • Selbstberuhigung: Er ist ein erster Schritt zur Fähigkeit, die eigene Hand zum Mund zu führen, um daran zu saugen – eine wichtige Strategie zur Selbstregulation und Beruhigung.
  • Grundlage für die Koordination: Er legt den Grundstein für die spätere Hand-Auge-Mund-Koordination, die für das Greifen von Nahrung und das selbstständige Essen unerlässlich ist.

Entwicklung und Integration des Reflexes

Der Hand-Mund-Reflex ist bereits bei der Geburt voll ausgeprägt und in den ersten drei Lebensmonaten am stärksten zu beobachten. Danach beginnt er, sich allmählich abzuschwächen. Normalerweise ist der Reflex bis zum vierten Lebensmonat vollständig integriert. Das bedeutet, er wird nicht mehr automatisch ausgelöst, sondern durch bewusste, willkürliche Bewegungen ersetzt. Sollte der Reflex über diesen Zeitpunkt hinaus bestehen bleiben, kann dies ein Hinweis auf eine mögliche Verzögerung in der neuromotorischen Entwicklung sein und sollte ärztlich oder therapeutisch abgeklärt werden.

Quellenangaben

  • Zafeiriou, D. I. (2004). Primitive reflexes and postural reactions in the neurodevelopmental examination. Pediatric Neurology, 31(1), 1-8.
  • Pschyrembel Online (2023). Babkin-Reflex. Abgerufen von pschyrembel.de.
  • Futagi, Y., Toribe, Y., & Suzuki, Y. (2012). The grasp reflex and moro reflex in infants: hierarchy of primitive reflex responses. International journal of pediatrics, 2012.

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