Was ist das Kristeller-Manöver?
Das Kristeller-Manöver, auch als Fundusdruck bekannt, ist ein geburtshilflicher Handgriff, der in der letzten Phase der Geburt, der sogenannten Austreibungsphase, angewendet werden kann. Dabei übt ein Arzt, eine Ärztin oder eine Hebamme von außen gezielten Druck auf den oberen Teil deiner Gebärmutter (den Fundus) aus, um die Geburt deines Kindes zu unterstützen und zu beschleunigen.
Dieser Druck wird ausschließlich während einer Wehe und synchron zu deinem eigenen Pressen ausgeübt. Das Ziel ist es, die Kraft deiner Wehen zu verstärken und deinem Baby den Weg durch den Geburtskanal zu erleichtern, insbesondere wenn es zu einem Geburtsstillstand kommt oder die Herztöne des Kindes auf Stress hindeuten.
Anwendung und Kontroverse
Die Anwendung des Kristeller-Manövers ist eine medizinische Entscheidung, die in bestimmten Situationen getroffen wird, zum Beispiel bei:
- Erschöpfung der Mutter nach einer langen Geburtsdauer.
- Einem Geburtsstillstand in der Austreibungsphase, obwohl der Muttermund vollständig eröffnet ist.
- Auffälligkeiten im CTG, die ein schnelles Handeln erfordern, um das Kindeswohl zu sichern.
Es ist wichtig zu wissen, dass das Manöver umstritten ist und in vielen Leitlinien, unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht mehr routinemäßig empfohlen wird. Der Grund dafür sind mögliche Risiken für dich und dein Baby, wie zum Beispiel Verletzungen des Beckenbodens, Rippenprellungen bei der Mutter oder ein erhöhter Druck auf das Kind. Die Wirksamkeit ist zudem wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Eine offene Kommunikation mit deinem Geburtsteam ist entscheidend. Wenn du Bedenken hast oder bestimmte Interventionen ablehnst, besprich dies am besten schon vor der Geburt und halte es in deinem Geburtsplan fest. Deine Sicherheit und die deines Kindes haben immer oberste Priorität.