Müller-Gang-Anomalien

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Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

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Was sind Müller-Gang-Anomalien?

Vielleicht hast Du diesen Begriff im Zusammenhang mit Deiner gynäkologischen Untersuchung oder einem Kinderwunsch gehört und fühlst Dich unsicher. Das ist völlig verständlich. Müller-Gang-Anomalien sind angeborene Fehlbildungen der weiblichen Geschlechtsorgane, insbesondere der Gebärmutter (Uterus), des Gebärmutterhalses, der Eileiter und des oberen Teils der Scheide. Wichtig ist zu wissen: Du hast nichts falsch gemacht – diese Anomalien entstehen bereits in einem sehr frühen Stadium der Embryonalentwicklung.

Wie entstehen diese Fehlbildungen?

Stell Dir vor, dass in der frühen Entwicklung im Mutterleib zwei kleine „Röhren“ – die Müller-Gänge – nebeneinander liegen. Normalerweise verschmelzen diese beiden Gänge miteinander und bilden so die Gebärmutter und die angrenzenden Strukturen. Bei Müller-Gang-Anomalien läuft dieser Prozess der Verschmelzung oder Entwicklung nicht vollständig oder fehlerhaft ab. Je nachdem, an welcher Stelle und in welchem Ausmaß dieser Prozess gestört ist, entstehen unterschiedliche Formen der Anomalie.

Welche Formen von Müller-Gang-Anomalien gibt es?

Es gibt verschiedene Klassifikationen, aber um es verständlicher zu machen, hier einige der häufigsten Formen:

  • Uterus septus (septierte Gebärmutter): Die Gebärmutterhöhle wird durch eine Gewebewand (Septum) teilweise oder vollständig in zwei Hälften geteilt. Dies ist die häufigste Form.
  • Uterus bicornis (zweihörnige Gebärmutter): Die Gebärmutter hat eine herzförmige Einkerbung an der Spitze, wodurch zwei „Hörner“ entstehen. Die Verschmelzung der oberen Anteile der Müller-Gänge war unvollständig.
  • Uterus didelphys (doppelte Gebärmutter): Hier sind die Müller-Gänge gar nicht verschmolzen, was zu einer komplett doppelten Gebärmutter führt, oft auch mit einem doppelten Gebärmutterhals und manchmal einer Scheidenwand.
  • Uterus unicornis (einhörnige Gebärmutter): Nur einer der beiden Müller-Gänge hat sich entwickelt. Die Gebärmutter ist dadurch kleiner und hat nur einen Eileiter.
  • Aplasie (Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom): In diesem seltenen Fall entwickeln sich die Müller-Gänge gar nicht, was bedeutet, dass Gebärmutter und der obere Teil der Scheide fehlen.

Symptome, Diagnose und Behandlung

Viele Frauen bemerken eine Müller-Gang-Anomalie gar nicht, da sie oft keine Beschwerden verursacht. Manchmal können jedoch Symptome wie starke Menstruationsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden oder zu bleiben (z.B. wiederholte Fehlgeburten oder Frühgeburten durch eine Zervixinsuffizienz), darauf hinweisen.

Die Diagnose erfolgt meist durch bildgebende Verfahren wie einen 3D-Ultraschall, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie). Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt stark von der Art der Anomalie und Deinen individuellen Beschwerden oder Deinem Kinderwunsch ab. Ein Uterus septus kann beispielsweise oft durch einen kleinen operativen Eingriff (Hysteroskopie) korrigiert werden. Viele Frauen mit Uterus-Anomalien können jedoch auch ohne Eingriff gesunde Kinder zur Welt bringen. Ein offenes Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt hilft Dir, Deinen individuellen Weg zu finden.

Quellenangaben

  • Grimbizis, G. F., et al. (2013). The ESHRE/ESGE consensus on the classification of female genital tract congenital anomalies. Human Reproduction, 28(8), 2032–2044.
  • AWMF-Leitlinie 015/050: Diagnostik und Therapie bei wiederholten Spontanaborten. (Abgerufen im Oktober 2023).
  • Reichman, D., & Laufer, M. R. (2010). Congenital uterine anomalies affecting reproduction. Best Practice & Research Clinical Obstetrics & Gynaecology, 24(2), 193–208.

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