Neurophysiologische Beckenboden-Diagnostik

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Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

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Was ist die Neurophysiologische Beckenboden-Diagnostik?

Stell dir deinen Beckenboden wie ein komplexes System aus Muskeln, Bändern und Nerven vor. Die neurophysiologische Beckenboden-Diagnostik ist eine spezialisierte Untersuchung, die sich gezielt die Funktion der Nerven in diesem Bereich ansieht. Es geht darum, die Kommunikation zwischen dem Gehirn, dem Rückenmark und deiner Beckenbodenmuskulatur zu überprüfen. Wir messen quasi die „elektrischen Leitungen“, um herauszufinden, ob Signale korrekt gesendet und empfangen werden.

Diese Diagnostik hilft uns, die Ursache von Beschwerden zu finden, die nicht allein durch eine Untersuchung der Muskeln oder Organe erklärt werden können. Sie ist ein entscheidender Schritt, um die Wurzel deines Problems zu verstehen und eine passgenaue Therapie zu entwickeln.

Wann ist eine solche Untersuchung sinnvoll?

Dein Arzt oder deine Therapeutin könnte eine neurophysiologische Diagnostik empfehlen, wenn du unter folgenden Symptomen leidest und die Ursache unklar ist:

  • Chronische Schmerzen im Becken, Dammbereich oder an den Genitalien, bei denen der Verdacht auf eine Nervenreizung wie die Pudendusneuralgie besteht.
  • Blasen- oder Stuhlinkontinenz, die nicht auf Standardtherapien anspricht.
  • Unerklärliche Blasenentleerungsstörungen oder ein Gefühl der unvollständigen Entleerung.
  • Sexuelle Funktionsstörungen wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), die auf eine nervliche Ursache hindeuten.
  • Nach Geburtsverletzungen (z.B. einem Dammriss oder einer Levatoravulsion) oder nach Operationen im Beckenbereich, um das Ausmaß einer möglichen Nervenschädigung zu beurteilen.

Wie funktioniert die neurophysiologische Untersuchung?

Die Untersuchungsmethoden klingen vielleicht technisch, sind aber etablierte Verfahren, die wertvolle Einblicke liefern. Meistens werden zwei Haupttechniken kombiniert:

  • Elektromyographie (EMG): Hierbei wird die elektrische Aktivität deiner Beckenbodenmuskulatur gemessen. Dies geschieht entweder über feine, dünne Nadelelektroden, die direkt in den Muskel eingeführt werden, oder über Oberflächenelektroden. So können wir sehen, ob die Muskeln korrekt auf die Nervensignale reagieren – sowohl in Ruhe als auch bei Anspannung.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Bei dieser Messung wird ein Nerv (oft der Nervus pudendus) an einer Stelle mit einem leichten elektrischen Impuls stimuliert und die Antwort an einer anderen Stelle gemessen. So lässt sich die Geschwindigkeit und Stärke des Signals bestimmen, was Aufschluss über die Gesundheit des Nervs gibt.

Auch wenn die Vorstellung einer solchen Untersuchung vielleicht unangenehm ist, wird sie von spezialisierten Fachkräften durchgeführt, die sehr einfühlsam vorgehen. Der Gewinn an Klarheit über deine Beschwerden ist oft unbezahlbar und der erste Schritt auf deinem Weg zur Besserung.

Quellenangaben

  • Stohrer, M., et al. (2017). Neuro-Urologie. Springer-Verlag.
  • Benson, J. T., & McClellan, E. (2002). The role of electrophysiologic evaluation in the incontinent patient. Obstetrics and gynecology clinics of North America, 29(1), 51-67.
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) zur Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz.

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