Postpartales Kompartmentsyndrom (des Beckenbodens)
Liebe Mama, vielleicht hast Du diesen Begriff im Zusammenhang mit schweren Geburtsverläufen gehört und bist beunruhigt. Das verstehen wir gut. Das Postpartale Kompartmentsyndrom des Beckenbodens ist eine sehr seltene, aber ernste Komplikation nach der Geburt, die sofortige medizinische Aufmerksamkeit erfordert.
Stell Dir Deine Beckenbodenmuskulatur wie eine Gruppe von Muskeln vor, die von festen Hüllen aus Bindegewebe (Faszien) umschlossen sind. Diese Bereiche nennt man Kompartimente. Wenn nach der Geburt durch eine starke Schwellung oder eine Einblutung (Hämatom) der Druck in einem dieser begrenzten Räume extrem ansteigt, können Blutgefäße und Nerven abgedrückt werden. Diese Unterbrechung der Versorgung führt zu stärksten Schmerzen und kann das Gewebe dauerhaft schädigen, wenn nicht schnell gehandelt wird.
Woran erkennst Du ein mögliches Kompartmentsyndrom?
Die Symptome sind typischerweise sehr heftig und setzen kurz nach der Entbindung ein. Das Leitsymptom ist ein Schmerz, der in keinem Verhältnis zur erwartbaren Wundheilung steht:
- Extreme, eskalierende Schmerzen: Ein tiefer, brennender oder pochender Schmerz im Damm-, Vaginal- oder Rektalbereich, der auf übliche Schmerzmittel kaum oder gar nicht anspricht.
- Praller, harter Schwellungszustand: Der betroffene Bereich fühlt sich extrem gespannt und hart an.
- Funktionsstörungen: Es kann zu Schwierigkeiten oder einer Unfähigkeit kommen, Wasser zu lassen oder Stuhlgang zu haben.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle oder ein “eingeschlafenes” Gefühl im Genital- und Dammbereich können auftreten.
Wenn Du solche Symptome bei Dir beobachtest, ist es unerlässlich, dass Du sofort medizinische Hilfe in Anspruch nimmst. Ein Kompartmentsyndrom ist ein urogynäkologischer Notfall, bei dem oft eine operative Entlastung (Fasziotomie) notwendig ist, um den Druck zu senken und bleibende Schäden an Muskeln und Nerven zu verhindern.