Primitiver Kiefer-Reflex (Mundöffnung)

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Julia Ronnenberg (Hebamme)

Ich bin Julia Ronnenberg, seit über 15 Jahren Hebamme und die Autorin der Artikel auf Mammacita.de

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Der Primitive Kiefer-Reflex (Mundöffnung) – Ein überlebenswichtiger Instinkt

Vielleicht hast Du schon voller Staunen beobachtet, wie Dein Neugeborenes instinktiv den Mund öffnet und seinen Kopf in Richtung Deiner Hand dreht, wenn Du sanft seine Wange berührst. Dieses faszinierende Verhalten ist kein Zufall, sondern der Primitive Kiefer-Reflex, oft auch als Such- oder Rooting-Reflex bezeichnet. Er ist einer der ersten und wichtigsten angeborenen Reflexe, die Dein Baby mit auf die Welt bringt.

Was genau passiert bei diesem Reflex?

Der Kiefer-Reflex gehört zur Gruppe der Primitivreflexe, die vom Hirnstamm aus gesteuert werden und für das Überleben in den ersten Lebensmonaten entscheidend sind. Er wird durch eine sanfte Berührung an der Wange oder am Mundwinkel ausgelöst. Die unwillkürliche Reaktion Deines Kindes darauf ist eine kleine Kette von Bewegungen:

  • Es dreht seinen Kopf zur Seite des Reizes.
  • Es öffnet seinen Mund.
  • Es beginnt, mit dem Mund nach der vermuteten Nahrungsquelle (Brustwarze oder Flaschensauger) zu suchen.

Dieser geniale Mechanismus stellt sicher, dass Dein Baby effektiv andocken und mit dem Saugen beginnen kann, um Nahrung aufzunehmen.

Die Bedeutung für die neuromotorische Entwicklung

Der Primitive Kiefer-Reflex ist weit mehr als nur ein Fütterungsinstinkt. Er ist ein fundamentaler Baustein für die neuromotorische Entwicklung und die Ausbildung einer gesunden Saug-Schluck-Koordination. Er trainiert die Muskulatur im Mund-, Kiefer- und Nackenbereich und legt die Grundlage für spätere, willentlich gesteuerte Bewegungen wie das Kauen und Sprechen.

Die Integration des Reflexes

In der Regel ist dieser Reflex in den ersten drei bis sechs Lebensmonaten sehr aktiv. Mit zunehmender Reifung des Nervensystems wird er allmählich durch bewusste Handlungen abgelöst. Dein Kind lernt, die Nahrungsquelle mit den Augen zu lokalisieren und den Kopf gezielt dorthin zu bewegen. Dieser Prozess wird als Reflexintegration bezeichnet. Ein Fortbestehen (Persistenz) des Reflexes über das erste Lebensjahr hinaus kann in seltenen Fällen auf eine verzögerte Reifung hindeuten und sollte ärztlich oder therapeutisch abgeklärt werden, da es die Entwicklung der Mundmotorik und die Nahrungsaufnahme fester Kost beeinträchtigen kann.

Quellenangaben

  • Blythe, S. G. (2019). Greifen und Begreifen: Wie frühkindliche Reflexe die Entwicklung des Kindes beeinflussen. VAK Verlag.
  • Largo, R. H. (2021). Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper Verlag.
  • Goddard Blythe, S. (2012). Die gut funktionierende Wahrnehmung als Basis für schulisches Lernen. Hogrefe Verlag.

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