Was ist eine Schulterdystokie? Ein Geburtsnotfall verständlich erklärt
Eine Schulterdystokie ist eine seltene, aber ernste Komplikation während der Geburt. Sie tritt auf, nachdem der Kopf deines Babys bereits geboren wurde, aber eine oder beide Schultern hinter deinem Schambein stecken bleiben. Dies verhindert, dass der Rest des Körpers deines Babys dem Kopf folgen kann. Es ist wichtig zu wissen: Eine Schulterdystokie ist ein unvorhersehbarer Notfall, für den weder du noch das Geburtsteam die Schuld tragen. Dein geburtshilfliches Team ist speziell geschult, um in dieser Situation schnell und gezielt zu handeln.
Wenn eine Schulterdystokie diagnostiziert wird, spricht man vom sogenannten „Turtle-Sign“ (Schildkröten-Zeichen): Der bereits geborene Kopf des Kindes zieht sich wieder leicht in Richtung Damm zurück, ähnlich wie eine Schildkröte ihren Kopf in den Panzer einzieht. Dies ist das klassische Anzeichen für das Geburtsteam, sofort mit speziellen Manövern zu beginnen, um die Schulter deines Babys zu befreien und die Geburt sicher abzuschließen.
Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?
Eine Schulterdystokie entsteht durch ein Missverhältnis zwischen der Größe der kindlichen Schultern und der Weite deines Beckens in diesem Moment. Obwohl sie oft unerwartet auftritt, gibt es einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
- Makrosomie: Ein geschätztes hohes Geburtsgewicht deines Kindes (oft über 4.000 oder 4.500 Gramm).
- Gestationsdiabetes: Dein Schwangerschaftsdiabetes kann zu einem größeren und breiteren Schultergürtel beim Baby führen.
- Vorangegangene Schulterdystokie: Wenn du dies bei einer früheren Geburt erlebt hast, ist das Risiko leicht erhöht.
- Verzögerte Austreibungsphase: Ein sehr langer Geburtsverlauf in der letzten Phase.
- Operative vaginale Entbindung: Der Einsatz von Saugglocke oder Geburtszange.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die meisten Fälle von Schulterdystokie ohne bekannte Risikofaktoren auftreten.
Wie wird eine Schulterdystokie behandelt?
Sobald eine Schulterdystokie erkannt wird, handelt das Team nach einem klaren, etablierten Protokoll. Ziel ist es, die festsitzende Schulter durch eine Reihe von Handgriffen (Manövern) zu lösen, ohne dabei starken Zug am Kopf des Kindes auszuüben. Zu den bekanntesten Manövern gehört das McRoberts-Manöver, bei dem deine Beine stark angewinkelt und in Richtung deines Bauches gedrückt werden. Dies verändert die Neigung deines Beckens und schafft oft den entscheidenden Platz. Gleichzeitig kann durch gezielten Druck von außen auf deinen Unterbauch (suprapubischer Druck) versucht werden, die Schulter des Babys zu mobilisieren. Dein Team wird ruhig und koordiniert vorgehen, um dich und dein Baby bestmöglich zu schützen.