Was ist eine Uterine Inversion?
Stell Dir vor, die Gebärmutter, die gerade noch Dein Baby sicher beherbergt hat, stülpt sich nach der Geburt wie ein Handschuh von innen nach außen. Genau das beschreibt eine uterine Inversion. Es handelt sich um eine seltene, aber sehr ernste geburtshilfliche Komplikation, die meist unmittelbar in der Nachgeburtsphase auftritt.
Wir verstehen, dass der Gedanke daran beängstigend sein kann. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass medizinisches Personal auf solche Notfälle vorbereitet ist und sofort handelt, um die Situation zu bewältigen und Deine Sicherheit zu gewährleisten.
Wie kommt es zu einer uterinen Inversion?
Eine Inversion tritt auf, wenn der Mutterkuchen (Plazenta) sich noch nicht vollständig von der Gebärmutterwand gelöst hat, aber bereits versucht wird, ihn durch Zug an der Nabelschnur zu entfernen. Weitere Faktoren können das Risiko erhöhen:
- Uterusatonie: Eine ausgeprägte Muskelschwäche der Gebärmutter nach der Geburt.
- Fundale Plazentation: Wenn der Mutterkuchen ganz oben am „Dach“ der Gebärmutter (Fundus) sitzt.
- Zu starker Zug an der Nabelschnur: Insbesondere bei einer noch nicht gelösten Plazenta.
- Kristeller-Handgriff: Übermäßiger Druck auf den Gebärmutterfundus während der Austreibungsphase.
Symptome: Woran erkennt das Geburtsteam eine Inversion?
Die Anzeichen einer uterinen Inversion sind für das geburtshilfliche Team meist eindeutig und erfordern sofortiges Handeln. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Starke postpartale Hämorrhagie (PPH): Es kommt zu einer plötzlichen, sehr starken Blutung.
- Intensive Schmerzen: Du könntest einen plötzlichen, heftigen Schmerz im Unterleib verspüren.
- Hämodynamischer Schock: Oft entwickelt sich ein Kreislaufschock, der in seinem Ausmaß stärker sein kann, als es der sichtbare Blutverlust vermuten ließe. Symptome sind schneller Puls, niedriger Blutdruck, Blässe und Schwindel.
- Sichtbare oder tastbare Gebärmutter: In schweren Fällen kann der umgestülpte Uterus aus der Scheide herausschauen oder bei der Untersuchung im Geburtskanal getastet werden.
Behandlung: Schnelles Handeln ist entscheidend
Die uterine Inversion ist ein Notfall, der ein koordiniertes Vorgehen des gesamten geburtshilflichen und anästhesiologischen Teams erfordert. Die oberste Priorität ist es, die Gebärmutter so schnell wie möglich wieder in ihre ursprüngliche Position zu bringen und den Kreislauf zu stabilisieren.
Die Behandlung erfolgt in der Regel durch die manuelle Reposition. Dabei führt die Ärztin oder der Arzt die Hand in die Scheide ein und schiebt den umgestülpten Fundus vorsichtig durch den Gebärmutterhals zurück an seine korrekte Position. Manchmal werden Medikamente zur Entspannung der Gebärmuttermuskulatur benötigt, um diesen Vorgang zu erleichtern. Sobald die Gebärmutter reponiert ist, werden Medikamente (Uterotonika) verabreicht, die eine starke Kontraktion auslösen. Dies verhindert ein erneutes Umstülpen und stoppt die Blutung. Gleichzeitig wird der Blutverlust durch Infusionen und gegebenenfalls Bluttransfusionen ausgeglichen. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn die manuelle Reposition nicht gelingt, ist eine operative Korrektur notwendig.