Was ist ein Vaginaler Obturationstest und was verrät er?
Der Vaginale Obturationstest, oft auch als “Stresstest mit Reposition” bezeichnet, ist eine einfache und schmerzfreie Untersuchung in der Gynäkologie und Urogynäkologie. Er hilft uns zu verstehen, wie Deine Blase und Dein Beckenboden zusammenarbeiten, insbesondere wenn ein Beckenorganprolaps (Senkung) vorliegt.
Stell Dir vor, ein Blasenvorfall (Zystozele) drückt auf Deine Harnröhre und knickt sie leicht ab. Dieser “Knick” kann paradoxerweise verhindern, dass Du beim Husten, Niesen oder Lachen Urin verlierst, obwohl die Schließmuskulatur eigentlich geschwächt ist. Man spricht hier von einer maskierten oder okkulten Stressinkontinenz. Der Obturationstest deckt genau diese verborgene Inkontinenz auf.
Wie läuft der Test ab?
- Du befindest Dich in der Untersuchungsposition auf dem gynäkologischen Stuhl, idealerweise mit einer gut gefüllten Blase.
- Deine Ärztin oder Dein Arzt führt vorsichtig die Finger oder ein spezielles Instrument (z.B. ein Spekulum) in die Vagina ein und hebt das gesenkte Organ, also beispielsweise die Blase, sanft an. Dadurch wird die ursprüngliche, korrekte anatomische Lage simuliert und der “Knick” in der Harnröhre aufgehoben.
- Anschließend wirst Du gebeten, kräftig zu husten oder zu pressen.
Was bedeutet das Ergebnis?
Das Ergebnis ist entscheidend für die weitere Behandlungsplanung, vor allem wenn eine Operation zur Korrektur der Senkung (Prolaps-OP) angedacht ist. Wenn Du während des Tests, also bei angehobenem Organ, Urin verlierst, bestätigt dies eine zugrunde liegende Stressinkontinenz. In diesem Fall würden wir während der Prolaps-OP oft gleichzeitig ein Verfahren zur Behandlung der Inkontinenz durchführen (z.B. das Einsetzen eines TVT-Bandes), um zu verhindern, dass Du nach der Operation plötzlich unter Inkontinenz leidest. Der Test hilft uns also, die für Dich umfassendste und nachhaltigste Therapie zu finden.