Was ist eine Vasa Praevia?
Die Vasa Praevia ist eine seltene, aber sehr ernste geburtshilfliche Komplikation. Der Begriff bedeutet wörtlich „vorausliegende Gefäße“. Hierbei verlaufen fötale Blutgefäße, die von der Nabelschnur zur Plazenta führen, ungeschützt in den Eihäuten über oder in unmittelbarer Nähe Deines inneren Muttermundes. Normalerweise sind diese Gefäße sicher in der Nabelschnur oder im Plazentagewebe eingebettet.
Das große Risiko besteht darin, dass diese ungeschützten fötalen Blutgefäße reißen können, wenn die Fruchtblase springt (entweder spontan oder künstlich) oder wenn die Wehen einsetzen. Da es sich um das Blut Deines Babys handelt, kann ein solcher Riss innerhalb weniger Minuten zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust für das Kind führen.
Ursachen und Risikofaktoren
- Insertio velamentosa: Eine anomale Anheftung der Nabelschnur, bei der die Gefäße ein Stück ungeschützt in den Eihäuten verlaufen, bevor sie die Plazenta erreichen.
- Mehrlappige Plazenta: Wenn die Plazenta aus mehreren Teilen besteht (z. B. Placenta bilobata oder succenturiata) und Gefäße zwischen den Lappen verlaufen.
- Tief sitzende Plazenta (Placenta praevia): Auch wenn die Plazenta im Verlauf der Schwangerschaft nach oben wandert, können Gefäße zurückbleiben.
- Mehrlingsschwangerschaften und künstliche Befruchtung (IVF) gelten ebenfalls als Risikofaktoren.
Diagnose und Management
Die gute Nachricht ist, dass eine Vasa Praevia heute oft schon vor der Geburt durch eine gezielte Doppler-Sonographie erkannt werden kann. Wird die Diagnose gestellt, ist das Ziel, die Schwangerschaft so lange wie möglich sicher fortzuführen und einen Riss der Gefäße zu verhindern. Dies bedeutet in der Regel eine engmaschige Überwachung, oft eine stationäre Aufnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel und die Entbindung durch einen geplanten Kaiserschnitt (meist zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche), bevor die Wehen einsetzen oder die Fruchtblase springt. Bei pränataler Diagnose sind die Überlebenschancen für das Baby exzellent.