Viele werdende Eltern oder frisch gebackene Mamas und Papas haben wahrscheinlich noch nie etwas von RSV gehört. Warum auch?! Aber jetzt müsst ihr euch entscheiden, ob ihr euer Baby gegen RSV impfen lassen wollt oder nicht. Am Besten ihr informiert euch schon in der Schwangerschaft darüber. Was ist RSV überhaupt? Und ist die Impfung für euer Baby sinnvoll? Was sagen die neuesten Daten dazu? All das möchte ich euch in diesem Blogbeitrag beantworten!
Was ist RSV?
RSV ist das Respiratorische Synzytial-Virus und die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen im Säuglings- und Kleinkindalter. Allein in Europa muss etwa 1 von 56 gesunden Neugeborenen im ersten Lebensjahr aufgrund einer RSV-Infektion stationär behandelt werden. In der Saison 2023 wurden in Deutschland rund 25.000 Kinder wegen RSV ins Krankenhaus aufgenommen. Fast alle Kinder machen bis zum zweiten Lebensjahr mindestens eine RSV-Infektion durch. Leider führt eine überstandene Infektion nicht zu einer dauerhaften Immunität. Reinfektionen sind häufig. Besonders gefährlich ist RSV für Babys im 1. Lebensjahr oder für Kinder mit Grunderkrankungen (wie z.B. Kinder mit Herzfehler). Für uns Erwachsene bedeutet eine RSV Infektion meist nur ein harmloser Schnupfen. Kein Wunder also, dass man von RSV erst als werdende Eltern etwas mitbekommt.

Wie erkenne ich eine RSV-Infektion?
RSV verursacht eine Entzündung und Schwellung vor allem in den kleinsten Atemwegen (Bronchiolen). Dadurch entsteht das ganz charakteristische Bild einer sogenannten RSV Bronchiolitis. Ein geübter Kinderarzt erkennt die typischen Symptome meist schon in der klinischen Untersuchung.
Dazu zählen:
- Husten
- Schnupfen
- geräuschvolle und beschleunigte Atmung (in schweren Fällen Atemnot)
- Trinkschwäche
- Reduzierter Allgemeinzustand
- Ggfs. Leichtes Fieber
Zur sicheren Diagnose sollte bei Babys mit Verdacht auf eine RSV Infektion auch großzügig eine Erregerdiagnostik erfolgen. Antigen-Schnelltests und PCR-Verfahren stehen eigentlich in allen Kinderarztpraxen zur Verfügung. Ihr könnt euch theoretisch sogar Selbsttests für Zuhause in der Apotheke kaufen. Allerdings ist die Durchführung bei Babys nicht einfach und sollte daher besser von eurem Kinderarzt gemacht werden. Röntgen oder Blutabnahmen sind nur bei schweren Verläufen und stationärer Aufnahme notwendig.
Wann zum Kinderarzt?
Anfangs sieht eine RSV Infektion aus wie eine leichte Erkältung mit Schnupfen, Husten und leichtem Fieber. Hat euer Baby zusätzlich eine beschleunigte Atmung oder leicht bläuliche Lippen (Zyanose)? Dann solltet ihr euer Kind unbedingt ärztlich untersuchen lassen! Ist euer Baby ein Frühgeborenes oder hast Risikofaktoren wie einen angeborenen Herzfehler? Dann solltet ihr auch bei kleinen Warnzeichen wie Husten und leichtem Fieber zu eurem Kinderarzt gehen.
Übrigens: in den ersten 3. Lebensmonaten spricht man schon ab einer Körpertemperstur von 38,0 Grad von Fieber! Fieber in den ersten 3 Lebensmonaten gehört immer ärztlich abgeklärt!
Erste-Hilfe-Handgriffe bei Verschlucken – als kostenloser Download
Als Eltern kommen plötzlich so viele neue Themen auf euch zu. Neben Windelwechseln und Stillrhythmus geht es auf einmal auch um Erkältungen, Fieber, Entwicklungsschritte und leider auch um Notfälle. Eine der häufigsten Situationen im Alltag mit kleinen Kindern ist das Verschlucken. Gut, wenn Du dann weißt, was zu tun ist. Genau dafür habe ich eine eine Übersicht mit Handgriffen erstellt, die Du auf jeden Fall kennen solltest. Sie zu Kennen und Durchführen zu können, kann Leben retten.
Wenn sich ein Kind verschluckt und plötzlich keine Luft mehr bekommt, ist schnelle Hilfe entscheidend – doch viele Eltern wissen nicht genau, was sie tun dürfen oder sollen. Was bei Babys funktioniert, kann bei Kleinkindern sogar gefährlich sein.
Damit du im Ernstfall sicher handeln kannst, habe ich dir einen klaren Spickzettel zusammengestellt: mit den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Verschluckungsunfällen – altersgerecht erklärt, Schritt für Schritt, ohne Fachchinesisch.
Wie wird RSV therapiert?
Eine ursächliche Therapie existiert leider nicht. Im Vordergrund steht deshalb die Linderung der Beschwerden. Dazu zählen:
- Nasentropfen
- ggfs. Inhalationen mit Kochsalz zur Befeuchtung der Atemwege oder mit bronchienerweiternden Medikamenten (ABER: Positiver Effekt ist nicht bewiesen und muss daher im Einzelfall ausprobiert werden)
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Sauerstoffgabe oder Atemunterstützung im Krankenhaus bei schweren Verläufen
Antibiotika helfen bei einer RSV Bronchiolitis leider nicht, da RSV ein Virus ist. Manchmal kommt es aber zu einer bakteriellen Co-Infektion-dann macht eine antibiotische Therapie natürlich Sinn.

Schutz durch Antikörper: RSV Impfung beim Baby
Seit Juni 2024 empfiehlt die STIKO alle Neugeborenen noch im Krankenhaus beziehungsweise vor ihrer ersten RSV-Saison, zu impfen. Eigentlich ist „Impfung“ umgangssprachlich und etwas irreführend, da es sich bei der RSV-Prophylaxe um eine passive Immunisierung durch eine Antikörper-Gabe handelt. Die Prophylaxe mit Nirsevimab (Beyfortus) ist eine einmalige Gabe und schützt Säuglinge über die RSV-Saison hinweg 6 Monate lang. Der große Vorteil besteht darin, dass keine typische Impfreaktionen wie Fieber auftreten, da der Körper ja direkt die schützenden Antikörper injiziert bekommt und diese nicht (wie bei den üblichen Impfungen) selbst produzieren muss. Die RSV-Prophylaxe ist also extrem nebenwirkungsarm und somit auch für die Kleinsten gut verträglich.
Inzwischen gibt es auch die ersten Daten von der RSV-Saison 2024-also der ersten Saison nach der offiziellen STIKO Empfehlung. Und die sind super erfreulich. Insgesamt weiß das RKI von 66.971 laborbestätigten RSV-Infektionen aus der Saison 2024/25 und 57.137 Fällen aus der Vorsaison. Interessant ist, dass trotz gestiegener Gesamtfallzahl, die Zahl der Infektionen bei Babys im 1. Lebensjahr um 54% sank (von 2.291 auf 1.045 Erkrankungen pro 100.000 Säuglinge). Die Anzahl hat sich also halbiert.
Wir Kinderärzte haben den Effekt der Immunisierung- auch ohne offizielle Zahlen- wirklich direkt gemerkt. Waren sonst die Stationen im Krankenhaus in den Wintermonaten oft komplett überfüllt mit Kindern mit RSV Bronchiolitis, so gab es 2024 fast nur schwere Verläufe bei Säuglingen ohne RSV-Impfung.
Fazit
RSV ist keine harmlose Erkältung, sondern kann besonders bei Babys im 1. Lebensjahr lebensbedrohlich verlaufen. Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer Infektion kaum. Man kann lediglich, die Symptome lindern! Aber dank der RSV-Immunisierung lässt sich das Risiko für euer Baby nachweislich deutlich reduzieren! Ich hoffe, dieser Beitrag hilft euch, eine gute Entscheidung für euer Baby zu treffen Weitere medizinische Infos für Eltern gibt’s auf deinKinderdoc.de.


