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Dammmassage – Was kann sie wirklich?

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

Wird ein Baby auf natürlichem (vaginalem) Wege geboren, müssen sich die Scheide und der Beckenboden maximal dehnen. Der Schwangerschaft bereitet sich zwar der Körper bereits durch hormonelle Veränderungen auf die Geburt vor, indem das Gewebe aufgelockert und dadurch dehnfähiger wird, häufig reicht das alleine aber nicht aus.

Circa 85% der Erstgebährenden haben nach der Geburt eine Verletzung im Dammbereich (Bereich zwischen Scheide und After). Meist müssen Dammverletzungen durch ein paar Stiche verschlossen werden. In der Regel heilen Dammverletzungen innerhalb der ersten Wochen wieder gut ab. Sie können aber auch Schmerzen verursachen und das Risiko von Beckenbodenschwäche und Inkontinenz erhöhen.

Dammverletzungen durch Massage vorbeugen

Ab der 34.SSW kannst Du neben der mentalen Vorbereitung auf die Geburt, und der bewussten Beckenboden An- und Entspannung, den Bereich zwischen Scheide und Anus massieren, um so den Beckenboden auf die Geburt vorzubereiten.

Durch das Massieren mit einem geeigneten Öl wird das Gewebe im Scheiden-Damm-Bereich besser durchblutet, es wird weicher und dehnbarer. Entsteht bei der Geburt des Kopfes ein Gefühl von Spannung, Dehnung und großem Druck, wirst Du Deinen Beckenboden besser entspannen können, da dieses Gefühl nicht ganz neu für Dich ist.

In einer Studie mit annähernd 2500 Frauen ((Beckmann und Garrett 2006), konnte der positive Effekt durch Dammmassage nachgewiesen werden. Besonders Frauen, die ihr erstes Kind erwarteten, profitierten in der Studie von der Dammmassage und hatten weniger Dammrisse und Dammschnitte als Frauen, die ihre Dammgewebe in den letzten Wochen der Schwangerschaft nicht massierten.

Bei Mehrgebährenden konnte allerdings kein Unterschied beobachtet werden. Wahrscheinlich ist das auf die Vordehnung des Beckenbodens während der vorherigen Geburt(en) zurückzuführen.

Durchführung der Massage

Für die Dammmassage empfiehlt sich ein neutrales Öl, wie ein Weizenkeimöl, oder Johanniskrautöl, sowie ein spezielles Dammmassageöl (Weleda, Ingeborg Stadelmann). Parfümierte Öle sollte man aufgrund von Allergiegefahr an der empfindlichen Scheidenschleimhaut nicht verwenden.

Massiert wird ab der 34.SSW, 2-3 Mal pro Woche für ca. 5 Minuten.

Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, umso schwerer ist es den Damm zu erreichen. Häufig funktioniert es gut beim Sitzen auf der Toilette, oder wenn man einen Fuß auf den Badewannenrand, oder einen Hocker stellt.

Der Daumen wird einige Zentimeter  in die Scheide eingeführt. Anschließend wird der Daumen mit leichtem Druck Richtung After und zu den Seiten bewegt (u-förmig). Es sollte kein sanftes Streicheln sein, sondern ein Ziehen oder ein leicht unangenehmer Druck zu spüren sein. Diese Stärke wird ein paar Tage beibehalten, bis sich der Körper daran gewöhnt hat. Danach kann man die Dehnung verstärkt werden, oder die Massage mit zwei Fingern fortgesetzt werden.

 

Auch der Partner kann mithelfen

Für einige Paare ist es in Ordnung, wenn der Partner die Dammmassage übernimmt. So kann sich der werdende Vater aktiv an der Geburtsvorbereitung beteiligen und setzt sich gleichzeitig mit der nahenden Geburt seines Kindes auseinander. Der Partner beginnt die Massage mit einem Zeigefinger, später kann die Massage mit Zeige- und Mittelfinger durchgeführt werden.

Keine Garantie für eine Geburt ohne Verletzungen

Die Dammmassage ist eine harmlose geburtsvorbereitende Möglichkeit mit keinerlei Nebenwirkungen. Jedoch ist sie keine Garantie für eine Geburt ohne Dammschnitt oder Dammriss. Eine Geburt wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst.

Neben der Dehnbarkeit und Elastizität des Dammes, beeinflussen unter anderem auch die Geburtsposition, die Wehenstärke und die Art der Geburtshilfe, ob es während der Geburt zu Verletzungen des Dammes kommt.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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