Babys pucken – gefährliche Tradition?

Babys pucken Beitragsbild

Im Mutterleib steht Deinem Baby nur begrenzt Platz zur Verfügung. Vor allem in den letzten Wochen vor der Geburt ist die Bewegungsfreiheit Deines Babys stark eingeschränkt, außerdem muss es sich zusätzlich gegen den Wasserwiderstand des Fruchtwassers bewegen. Deshalb wirkt die plötzliche Bewegungsfreiheit nach der Geburt auf viele Babys erst einmal beängstigend. Mit dem Pucken kannst Du die Bewegungsfreiheit der Arme Deines Babys etwas einschränken und ihm so helfen, sich sicher zu fühlen und besser in den Schlaf zu finden. 

Was Du über das Pucken wissen musst, welche Techniken es gibt und wann Du besser darauf verzichten solltest, habe ich in diesem Beitrag für Dich zusammengefasst.

Was ist Pucken? 

Unter Pucken, engl. Swaddling, versteht man eine spezielle Wickeltechnik, bei der Babys fest in ein Pucktuch, einen sogenannten Pucksack oder eine einfache Baumwolldecke gewickelt werden. 

Durch die bewusste Bewegungseinschränkung soll verhindert werden, dass Dein Baby seine Arme unkontrolliert bewegen kann und so womöglich plötzlich aus dem Schlaf hochschreckt. Das oft ruckartige Ausbreiten der Arme und Spreizen der Finger bei Babys nennt man Moro-Reflex, ein ganz normaler Reflex, den alle babys haben. Jedoch kann dieser durch plötzliche äußerliche Reize ausgelöst werden, die das Baby erschrecken. Die spezielle Pucktechnik dient also zur Beruhigung und soll durch die Verhinderung des Moro-Reflexes einen entspannten Babyschlaf fördern. 

Wann sollten Babys gepuckt werden?

Wer sein Baby pucken möchte, sollte unbedingt auf den richtigen Zeitpunkt achten und es mit dem Pucken nicht übertreiben. Am besten orientierst Du Dich an folgenden zwei Punkten:

  1. Babys sollten am besten nur zum Schlafen gepuckt werden. Die simulierte Enge des Mutterleibs vermittelt Neugeborenen ein sicheres Gefühl der Geborgenheit und unterstützt einen gesunden Babyschlaf. Wenn es wach ist, soll es sich Stück für Stück auch an die neue Bewegungsfreiheit gewöhnen. Daher im wachen Zustand das Tuch auch mal weglassen.
  2. Denke daran, dass nicht alle Babys gepuckt werden möchten. Du solltest Deinen Säugling gut beobachten und schauen, ob er sich gepuckt wohlfühlt oder einen unglücklichen Eindruck macht. Als Mama lernst Du schnell, die Körpersprache Deines Babys zu lesen und wirst erkennen, ob es das Gepucktwerden genießt oder nicht. 
Neugeborenes in Mullwindel eimgewickelt

Wie lange darf ein Baby gepuckt werden? 

Swaddling ist für Neugeborene und Säuglinge geeignet, die sich noch nicht selbst auf den Bauch drehen können. Sobald Dein Baby in der Lage ist, sich auf den Bauch zu drehen oder die Bauchdrehung intensiv übt, solltest Du es nicht mehr pucken, weil die Gefahr besteht, dass es dann nicht mehr aus der Bauchlage zurückkommt und die Atmung eingeschränkt wird.

Wann darf ein Baby nicht gepuckt werden? 

Sehr wichtig zu wissen ist auch, dass keinesfalls alle Babys gepuckt werden dürfen. Beispielsweise darfst Du ein Baby mit Hüftdysplasie, also einer angeborenen Fehlstellung und Verknöcherungsstörung des Hüftgelenks, nicht in ein Pucktuch wickeln, da die Probleme sonst verschlimmert werden können. In diesem Fall sollte man nur die Arme einwickeln und die Beine aussparen.

Generell solltest Du darauf achten, Dein Baby nicht allzu lange zu swaddeln. Die Wickeltechnik übt nämlich Druck aus, den die meisten Babys zwar als angenehm empfinden, der sich aber auf Dauer negativ auf das Hüftwachstum auswirken kann – vor allem, wenn Du die russische Methode zum Pucken anwendest. Doch dazu später mehr. 

Wenn Dein Baby Fieber hat oder es draußen sehr warm ist, rate ich Dir ebenfalls vom Swaddling ab, da es im Pucktuch zu einem Hitzestau kommen, der lebensgefährlich sein kann.

Welche Puck-Methoden gibt es? 

Beim Babys pucken gibt es unterschiedliche Methoden, die ich als Hebamme nicht alle uneingeschränkt empfehlen kann. 

Burrito Methode

Bei dieser Methode wickelst Du Dein Baby mit den Armen neben dem Körper relativ straff in ein Pucktuch ein. So kann sich das Kind mit seinen Armen nicht so schnell freistrampeln. Weil bei dieser Pucktechnik die Beine oftmals zu stark gestreckt sind, was die Entwicklung der Hüfte beeinträchtigen kann und die Kinder keine Möglichkeit haben sich selber zu spühren oder sich durch Saugen an den Fäusten zu beruhigen, empfehle ich diese Methode nur eingeschränkt. 

Babys mit den Fäusten nach oben pucken  

Ich empfehle Dir eher, Dein Baby mit den Fäusten nach oben zu pucken. Der Vorteil an dieser Technik ist, dass Dein Baby seine Fäuste leichter finden und sich so selbst besser beruhigen kann. Wenn Du darauf achtest, dass Du dein Baby an der Hüfte und den Beinen nicht zu fest wickelst, sodass die Beweglichkeit an diesen Stellen nicht nennenswert eingeschränkt ist, steht auch einer gesunden Hüftentwicklung nichts im Wege. 

gepucktes Neugeborenes in Pucktuch

Richtig pucken – wie geht das? 

Im Grunde ist die richtige Pucktechnik einfach zu erlernen. Wenn Du anfangs Schwierigkeiten haben solltest, frage Deine Hebamme nach Hilfe. Sie wird Dir alles genau erklären, sodass Du dein Baby schon bald problemlos selbst einwickeln kannst. 

Anleitung zum Pucken

Fürs Swaddling brauchst du ein Pucktuch oder eine Puckdecke, die Du mit einer Ecke nach oben auf den Boden oder den Wickeltisch legst. Dann schlägst Du die obere Ecke einmal um und platzierst den Nacken Deines Babys auf der eingeschlagenen Falte. Dann legst Du die eine Seite der Puckdecke über dein Baby und steckst sie auf der anderen Seite unter seinem Körper fest. Die Arme Deines Babys sind dabei entweder neben seinem Körper oder wie bei meiner präferierten Methode mit den Fäusten nach oben. Bevor du die andere Seite der Decke über Dein Baby legst, werden zunächst die Beine gepuckt. Dazu schlägst du den unteren Deckenzipfel etwa bis zur Brust Deines Babys hoch. Nun kannst Du die verbleibende Deckenseite über Dein Baby legen und sie unter seinem Rücken feststecken. 

Bitte achte darauf, dass der Bein- und Hüftbereich Deines Babys nicht zu fest gepuckt werden. Für eine gesunde Hüftentwicklung und zur Vorbeugung einer Hüftdysplasie braucht ein Säugling hier genügend Bewegungsfreiheit.

 

Was kann zum Pucken verwendet werden? 

Wenn Du möchtest, kannst Du Stoffwindeln oder Baumwolldecken verwenden. Einfacher umzusetzen sind Pucktechniken aber mit speziellen Pucktüchern. Sie haben die optimale Form und Größe. Zum Pucken ist es nämlich am einfachsten, wenn das Tuch quadratisch ist. Man sollte am besten Tücher aus Baumwolle verwenden ohne Synthetikanteile, da sich dort die Hitze eher stauen kann. Pucktücher kannst Du übrigens auch anderweitig verwenden, beispielsweise als Spuck- oder Stilltuch oder auch als Sommerdecke und Sonnenschutz für den Kinderwagen. 

Als Hebamme benutze ich Pucktücher außerdem gerne zum sogenannten Swaddlebath, ein Babybad, beim dem man das Neugeborene puckt und es dann badet. Ähnlich wie beim Heilbad simuliert man durch ein Mulltuch die Fruchtblase und die Enge des Mutterleibes, was zu einem schönen Badeerlebnis beiträgt. Gerade Neugeborene sind im Badewasser manchmal recht haltlos und zucken mit den Ärmchen. Das kann man mit dem Swaddlebath wunderbar verhindern.

Insbesondere bei sehr unruhigen und zappeligen Babys ist es empfehlenswert, zusätzlich eine Mullwindel zum Arme pucken zu verwenden, damit sie sich nicht sofort wieder freistrampeln. Man faltet dafür das Tuch zu einem Dreieck und schlägt es um die Arme. Auch ein sogenannter Pucksack kann bei zappeligen Babys gute Dienste leisten. Das ist ein spezielles Einschlagtuch mit Klettverschlüssen, die für besseren Halt sorgen und auch in der Handhabung einfacher sind als ein Pucktuch, das ohne Klettverschluss festgesteckt werden muss. 

Worauf sollte beim Pucken geachtet werden? 

Beim richtig Pucken gilt es, einiges zu beachten. Besonders wichtig ist, dass…

  • es Deinem Baby im Pucktuch nicht zu warm wird. Fühle die Körpertemperatur Deines Babys deswegen regelmäßig im Nacken und beobachte es gut, damit Du schnell erkennen kannst, wenn es sich unwohl fühlt. 
  • Du Dein Baby nur auf dem Rücken liegend puckst. Es darf in gepucktem Zustand auf keinen Fall auf der Seite oder gar auf dem Bauch liegen. 

Gut zu wissen: Durch die Rückenlage kann sich beim Baby ein platter Hinterkopf oder ein asymmetrischer Schädel bilden, da der Kopf von Babys weich und formbar ist. Achte darauf, dass Dein Baby, wenn es nicht gepuckt ist, auch mal in Seitenlage schläft und wechsle die Positionen regelmäßig, um eine Plagiozephalie (so der Fachbegriff) vorzubeugen.

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Welche Gefahren birgt das Pucken? 

Als Hebamme weiß ich, dass viele Babys vom Pucken profitieren, besser schlafen und wegen der Wärme im Pucktuch oder Pucksack weniger Blähungen haben. Demzufolge kann das Pucken auch Bauchweh beim Baby reduzieren. 

Trotzdem ist es wichtig zu wissen, dass beim Babys pucken auch Gefahren drohen – beispielsweise, wenn die Techniken falsch angewendet oder Alarmzeichen nicht früh genug erkannt werden. Die folgenden vier Gefahren beim Swaddling solltest Du unbedingt kennen und im Blick haben:

  1. Babys können gepuckt überhitzen – nicht nur, wenn sie Fieber haben und es draußen warm ist. Deswegen ist es wichtig, dass Du darauf achtest, dass es Deinem Baby im Pucktuch nicht zu warm wird und dass es im Babyzimmer eher kühl ist als zu warm. 
  2. Es gibt Pucktechniken, bei denen die Beine des Babys starr fixiert werden, was ich nicht empfehlen kann. Diese erzwungene Haltung kann zu einer Hüftdysplasie führen. Darum solltest Du beim Pucken immer darauf achten, dass Dein Baby seine Beine gut bewegen kann. 
  3. Beim Pucken sollen Babys eng, aber nicht zu eng gewickelt werden, da sonst Nerven abgeklemmt und dauerhaft beschädigt werden können. Lass dir am besten von Deiner Hebamme zeigen, wie Du Dein Baby richtig pucken kannst, ohne ihm zu schaden. 
  4. Liegt Dein Baby gepuckt auf dem Bauch, kann das die Atmung einschränken und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Daher ist das Pucken in Bauchlage ein No-Go!!

Welche Alternativen gibt es zum Swaddling? 

Wenn Dein Baby nicht gern gepuckt wird oder schon in dem Alter ist, in dem es sich selbst auf den Bauch drehen kann und nicht mehr gepuckt werden darf, ist es an der Zeit, dass Du Dich nach Alternativen zum Pucken umsiehst. Meist ist es so, dass Babys nach einigen Monaten das Pucken nicht mehr brauchen und sich an die Bewegungsfreiheit gewöhnt haben.

Ein Tragetuch kann eine wunderbare Alternative zum Pucken darstellen auch wenn das Kind nicht mehr gepuckt werden möchte. Der Vorteil hieran ist, dass Du durch das Tragen Deines Babys viel Körperkontakt hast. Egal ob zu Hause oder unterwegs. Das hilft ihm, sich zu beruhigen und eine enge Bindung zu Dir aufzubauen. Auch bei einer Hüftdysplasie, ist das Tragetuch sehr zu empfehlen, da es die Ausreifung der Hüfte unterstützt.

Möchtest Du Dein Baby mal ablegen, es aber trotzdem beruhigt wissen, ist eine Federwiege gut geeignet. In dieser wird Dein Baby sanft geschaukelt und kann sich gut entspannen. Zum Schlafen eignen sich auch spezielle Babyschlafsäcke, in denen Dein Baby seine Arme zwar frei bewegen kann, die aber trotzdem Halt und Wärme geben und dadurch Sicherheit vermitteln.

gepucktes Neugeborenes in Mullwindeln

Pucken – die Vor- und Nachteile auf einen Blick  

Das Pucken bringt viele Vorteile mit sich, birgt aber auch Gefahren – allerdings hauptsächlich dann, wenn es nicht vorschriftsgemäß angewendet wird. Hier habe ich für Dich alle Vor- und Nachteile auf einen Blick gesammelt: 

Vorteile Nachteile 
· vermittelt Deinem Baby ein Gefühl von Geborgenheit · bei falscher Technik können Fehlstellungen an der Hüfte gefördert werden 
· fördert ruhigen Babyschlaf · es kann zu einem Hitzestau kommen
· verhindert Moro-Reflex · bei zu fester Wicklung drohen Nervenschäden 
· reduziert Schreien und hilft Babys bei der Selbstregulierung · wenn das Baby auf dem Bauch gepuckt wird oder selbst in der Lage ist, sich auf den Bauch zu drehen kann Pucken lebensgefährlich sein.
· bei Frühchen kann die neuromuskuläre Entwicklung durchs Pucken positiv beeinflusst werden  

Ja zum Pucken – aber richtig! 

Die Meinungen zum Pucken gehen teils weit auseinander. Während die einen Swaddling für das Allheilmittel halten, raten andere wegen der möglichen Gefahren davon ab. Wie so oft, liegt auch hier der Weg zum Glück in der Mitte: Richtig angewendet nimmt Dein Baby durchs Pucken keinen Schaden, sondern kann wird ganz im Gegenteil beim Schlafen unterstützt und beruhigt. 

So kannst Du Deinem Baby genau den Halt geben, den es braucht. 

 

 

 

Hebamme Julia Ronnenberg am Laptop

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