Ernährung in der Stillzeit - Mammacita

Ernährung in der Stillzeit

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

Kaum ist der kleine Schatz auf der Welt, geht die Sorge um das Wohlergehen vom Baby weiter. „Produziere ich ausreichend Milch? Ist meine Milch überhaupt nahrhaft genug, damit mein Baby alles bekommt was es braucht? Und muss ich bzgl. meiner Ernährung etwas spezielles beachten? Das sind ganz klassische Fragen mit denen sich fast alle stillenden Frauen in den ersten Wochen beschäftigen. Einige davon möchte ich in diesem Artikel behandeln.

Gesund soll es sein und ausgewogen

Eigentlich gibt es bzgl. der Ernährung während der Stillzeit gar nicht so viel zu beachten. Wir leben in einer Überflussgesellschaft und die allermeisten von uns sind wohl genährt. Die besten Voraussetzungen also, damit das Baby alles bekommt was es zum Wachsen braucht. Gesund und ausgewogen sollte sich eine stillende Frau ernähren, mit allem was der Speiseplan so hergibt.

Brauche ich mehr Kalorien?

Stillen ist körperliche Arbeit. Nicht ohne Grund legen wir ca. 4 kg Fettreserven für die Stillzeit an. Und trotzdem benötigt der Körper noch ca. 500 kcal mehr pro Tag. Das ist das Doppelte was er in der Schwangerschaft benötigt. Wahnsinn, was? Es darf also ohne schlechtes Gewissen geschlemmt werden. Am Besten natürlich durch gesunde Lebensmittel wie Vollkornbrot mit Käse, Quark, Gemüse, Obst, oder Nüssen. Aber auch ein Stück Schokolade ist natürlich erlaubt! Heißhungerattacken in der Stillzeit sind auch nicht ganz selten.

Brauche ich mehr Flüssigkeit?

Durch das Stillen gibt der Körper viel Flüssigkeit ab. Daher sollten stillende Frauen mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Dabei ist die Menge entscheidender , als das was getrunken wird.

Der Bedarf an Flüssigkeit macht sich häufig direkt beim Stillen durch ein Durstgefühl, oder einen trockenen Mund bemerkbar. Daher ist es ratsam beim Stillen immer ein Getränk griffbereit zu haben.

Als Getränke bieten sich Wasser, Kräuter/Früchtetees und Saftschorlen an. Häufig wird stillenden Frauen Fenchel-, oder Stilltee, Malzbier, Hefeweizen alkoholfrei empfohlen, um die Milchbildung anzuregen.

Salbei und Pfefferminztee sollten eher gemieden werden, da sie die Milchbildung drosseln können. Auch Kaffee und schwarzer Tee sind mit 2-3 Tassen pro Tag erlaubt. Wenn überhaupt geht nur ein geringer Teil des Koffeins/Teeins in die Muttermilch über.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird über die Muttermilch vom weißen Blut gesprochen. Das bedeutet soviel, dass eine Stillende während der Stillzeit dauerhaft blutet und so Energie verliert. Zur Kräftigung und um den Flüssigkeitsbedarf zu decken, trinken dort viele Frauen Hühnerkraftsuppen. Diese haben sich auch in Deutschland schon im Wochenbett etabliert.

Die Sache mit den Blähungen

Es gibt keine Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen der Ernährung der Mutter und Blähungen des Kindes beweisen konnten. Als kritisch in diesem Zusammenhang gelten alle Kohlsorten, Hülsenfrüchte, wie Erbsen, Bohnen, Linsen, Zwiebeln, Knoblauch, Paprika

Es können allerdings auch nicht alle Mütter falsch liegen, die das Gefühl haben, dass ihr Baby auf ein bestimmtes Lebensmittel reagiert  Man wird allerdings nicht herausfinden, ob das eigene Kind auch empfindlich reagiert, wenn man es nicht ausprobiert. Außerdem beschneidet man sich selber enorm bei der Auswahl der Lebensmittel.

Meine Empfehlung ist die oben genannten Lebensmittel in kleinen Mengen in den Speiseplan zu etablieren und zu beobachten wie das Baby darauf reagiert. Reaktionen treten bereits in den kommenden Stunden nach der Nahrungsaufnahme auf.

Und was ist mit einem roten Po?

Es gibt Babies, die eine sehr empfindliche Haut haben. Besonders der Bereich am Po ist einer starken Belastung durch Urin und Stuhl ausgesetzt. Wenn dann noch etwas Säure dazukommt, neigen einige Babies zur Windeldermatitis. 

Aber bei weitem nicht alle, und weniger als man vermuten würde. Daher ist auch hier meine Empfehlung Lebensmittel nicht pauschal zu meiden, die im Zusammenhang mit einem wunden Po stehen können, sondern in kleinen Mengen ausprobieren. Meine Beobachtung ist, dass Babies vermehrt ab dem Beikoststart, wenn sie die Lebensmittel direkt aufnehmen zu Wundsein neigen.

Zu den Lebensmitteln, die Wundsein verursachen können gehören: alle Zitrusfrüchte, Kiwi, Ananas, Erdbeeren, Tomaten, scharfe Speisen. 

Und wenn ich zu wenig Milch habe?

Fast jede Frau kann ihr Baby stillen und ausreichend mit Muttermilch versorgen. Meist ist es eher eine Frage des Stillmanagements und der Häufigkeit des Stillens und weniger eine Frage der Ernährung. Eine Erstmaßnahme bei mangelnder Milch ist, die Stillmahlzeiten zu erhöhen und beide Brüste pro Mahlzeit anzulegen. Aber es gibt noch mehr Gründe warum eine Frau zu wenig Milch produziert, oder meint sie hätte zu wenig Milch. Mehr Infos dazu gibt es zu finden:https://www.still-lexikon.de

Was soll ich meiden?

Es gibt nur wenige Dinge, die in der Stillzeit wirklich gemieden werden sollten. Dazu gehören:

Alkohol: Alkohol geht in die Muttermilch über. Am Besten ist es Alkohol während der Stillzeit zu meiden. Wenn man Alkohol trinken möchte, weil man auf eine Hochzeit o.ä. eingeladen ist, empfehle ich für diesen Anlass Muttermilch abzupumpen.

Eine Broschüre zum Thema Stillen und Alkohol gibt es zum Herunterladen beim Deutschen Hebammenverband:https://www.hebammenverband.de/familie/stillen/

Medikamente: bei Medikamenten sollte erst geprüft werden, ob man sie während der Stillzeit zu sich nehmen darf.  Informationen zu vielen Medikamenten erhält man bei https://www.embryotox.de/

Generelle Informationen zu Ernährung in der Stillzeit und vielen anderen Themen rund ums Kind gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.kindergesundheit-info.de

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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