Postpartale Depression - Mammacita

Postpartale Depression

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

Nach der Geburt finden eine ganze Reihe von Prozessen statt. Nicht nur der Bauch bildet sich langsam zurück, sondern auch das Hormonsystem normalisiert sich, man gewöhnt sich an das Leben mit dem Baby, verarbeitet die Geburt und findet sich neu in die Rolle als Mutter ein.

Viele Frauen haben in dieser Zeit ein Stimmungstief, welches ungefähr am 3. Tag nach der Geburt beginnt. Verschwindet dieses Tief nach zwei Wochen nicht wieder von alleine, kann eine Wochenbettdepression/Postpartale Depression (PPD) dahinterstecken. Etwa 10- 20 Prozent der Frauen entwickeln nach der Geburt so eine Postpartale Depression. Dabei handelt es sich um ein Stimmungstief, das anhält und mit Reizbarkeit, Angstzuständen, Überforderung, Müdig-, und Antriebslosigkeit, Bindungsstörung, sowie Weinen und Schuldgefühlen einhergeht. Für die betroffenen Frauen ist dies eine echte Belastung. Viele Frauen schämen sich über ihr Problem zu sprechen und ziehen sich zurück, was die Sache meist noch verschlimmert.

Unterschied Babyblues und Postpartale Depression?

Man geht davon aus, dass alleine in Deutschland jährlich 100.000 Frauen an einer Postpartalen Depression nach der Geburt erkranken. Diese Depression geht weit über den Babyblues hinaus, den viele Mütter ebenfalls kennen.

Wo genau liegt der Unterschied zwischen Babyblues und Postpartaler Depression?

Für die Frau stellen die Schwangerschaft und die Geburt eine große psychische und körperliche Belastung dar. Da wir alle verschieden sind, reagieren wir auch alle unterschiedlich. Wie bei jeder anderen Veränderung im Leben kann es für Dich als Mutter schwer sein, mit der neuen Situation umzugehen. Außerdem spielen die körpereigenen Botenstoffe eine Rolle, die nach der Geburt in Dysbalance kommen.

Eine Postpartale Depression ist viel mehr als ein gewöhnlicher Babyblues, der oft einige Tage nach der Geburt beginnt, wenn die Milchbildung in Gang kommt. Die Mütter sind nah am Wasser gebaut, reagieren sehr sensibel, fangen schnell an zu weinen, sorgen sich um ihr Baby, sind müde oder gereizt. 

Wenn Du Dich allerdings nach einer Geburt den ganzen Tag über deprimiert und niedergeschlagen fühlst, aus dem Weinen nicht mehr hinauskommst, frustriert bist und keine Lust auf das Leben und das Baby hast, könnte dahinter eine Depression stecken. Dabei ist der Zeitraum von 2 Wochen entscheidend, denn in den ersten zwei Wochen nach der Geburt, sind viele Frauen aufgrund der hormonellen Umstellung auch sensibel und reizbar. Eine Postpartale Depression beginnt meist erst nach zwei Wochen oder sogar erst nach Monaten.

Die Anzeichen und Ursachen

Die Symptome einer Postpartalen Depression sind zwar ähnlich wie die Symptome des Babyblues, jedoch vergeht der Babyblues innerhalb der ersten zwei Wochen, die Depression beginnt dann erst und die Gefühle und Symptome intensiver. So kannst Du bei einer Depression ein Problem haben, eine Verbindung zu Deinem Kind aufzubauen. Du fühlst Dich vielleicht isoliert und empfindest Dich in der falschen Rolle. Viele Frauen fühlen sich wertlos, extrem müde, haben keinen Appetit und werden von Angstattacken und Panikattacken heimgesucht. Einige Frauen haben Fantasien darüber, ihre Familie zu verlassen oder sogar Suizid zu begehen.

Die Ursachen sind vielseitig. So liegt es zum Teil an körperlichen Ursachen wie der hormonellen Umstellung, Schlafmangel, Mangelerscheinungen, Erlebnisse aus der Vergangenheit, die einen einholen oder einer genetischen Veranlagung. Oftmals spielen auch soziale Komponenten eine große Rolle. Vor allem, wenn es mangelnde Unterstützung des Partners und der Familie gibt, ein schwieriges Umfeld usw.

Wenn Du Sorge hast an einer PPD zu leiden, kannst Du für Dich diesen Selbsteinschätzungsfragebogen machen https://www.schatten-und-licht.de/joomla/static_content/Dokumente/fragebogenselbsteinschaetzung.pdf

Therapiemöglichkeiten und Hilfe

Wichtig ist zuerst, durch Gespräche herauszufinden, welcher Auslöser hinter der Depression steckt. Wenn man den Verdacht hat eine PPD zu haben, sucht man zuallererst einen Allgemeinmediziner, oder seinen Gynäkologen auf. Auch die Hebamme kann helfen die nächsten Schritte einzuleiten.

Es kann von ärztlicher Seite eine Haushaltshilfe verschrieben werden, oder vom Amt für soziale Dienste eine Familienhilfe in die Familie kommen, um die Frau zu entlasten. Wenn die Zeit der Hebammenbetreuung bereits vorbei ist, kann außerdem durch ein Rezept die Betreuung verlängert werden, oder eine Familienhebamme die weitere Betreuung der Familie übernehmen.

Eine Gesprächs,- oder Traumatherapie mit der Mutter, die individuell abgestimmt wird ist oft sehr hilfreich. Dabei werden die Ursachen der PPD herausgefunden und bearbeitet. Manchmal ist es allerdings nicht so einfach einen geeigneten Therapeuten zu finden. Die Krankenkasse führt Therapeutenlisten und kann einem behilflich sein.

Medikamente können, müssen jedoch nicht unbedingt zum Einsatz kommen. Hier kommt es stets auf den individuellen Fall an. Auch ein Krankenhausaufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kommt in schweren Fällen zum Einsatz. Teilweise, aber nicht immer nehmen Kliniken Mutter und Kind gemeinsam auf, damit es nicht zu einer Trennung kommt.

Auf der Internetseite des Vereins Schatten und Licht finden Betroffene und ihre Verwandten Hilfe. Auf der Seite findet man Informationen über die Erkrankung und Therapie, sowie Therapeuten in der Nähe und Einrichtungen, die Frauen mit PPD behandeln. https://www.schatten-und-licht.de/index.php/de/

Erhöhtes Risiko bei einer Folgeschwangerschaft ?


Hierbei kommt es ganz auf die Ursachen an, weshalb die Mutter an der Postpartalen Depression erkrankt ist. Ging es dabei um das Umfeld, eine mangelnde Unterstützung, Selbstzweifel etc. muss nicht damit gerechnet werden, dass es bei einer weiteren Schwangerschaft erneut zu einer PPD kommt, wenn das Problem gelöst wurde. Bei einer genetischen Veranlagung, kann es allerdings erneut dazu kommen. Doch auch hier spielen sehr viele weitere Faktoren eine Rolle. Oftmals fühlt sich die Mutter beim zweiten Kind weniger überfordert und kann sich bereits besser an die neue Situation gewöhnen, die für sie nun logischerweise gar nicht mehr so neu ist! 

Wie kann man vorbeugen?

Eine psychologische Unterstützung kann dabei helfen, einer PPD vorzubeugen, wie Studien belegen. So kann es zum Beispiel hilfreich sein, wenn die Hebamme regelmäßige Hausbesuche vornimmt. Auch das Gespräch mit einem Psychologen kann unter Umständen dabei helfen, dass die Depression gar nicht erst entsteht. Unterstützung ist daher das Zauberwort, um eine Postpartale Depression verhindern zu können!

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du an solch einer Depression leidest, solltest Du in jedem Fall Hilfe in Anspruch nehmen und keine Schamgefühle zulassen, denn Du bist nicht alleine! Sehr viele Frauen leiden unter diesem Problem.

Die Therapie kann bei diesem Problem sehr unterschiedlich ausfallen. Den meisten Frauen hilft die passende Gesprächstherapie und Unterstützung und Entlastung von außen. Es sind vor allem unterstützende Maßnahmen, die gegen diese Depression helfen und sie auch gar nicht erst entstehen lassen. Nicht immer muss eine Depression medikamentös behandelt werden.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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