Beckenendlage – wenn das Baby mit dem Po nach unten liegt

Sicher hast Du schon einmal davon gehört: Rund 5 Prozent der Kinder liegen noch am Ende der Schwangerschaft in der Beckenendlage (BEL) , also mit dem Po im Becken ihrer Mama. Dabei handelt es sich um eine Lageanomalie, denn das Kind sollte gegen Ende der Schwangerschaft mit dem Kopf nach unten in der Schädellage liegen. Da die Beckenendlage fälschlicherweise oft vom Umfeld als „falsch herum“ bezeichnet wird, stellt man sich als werdende Eltern schnell die Frage, ob das Baby jetzt noch auf normalen Weg geboren werden kann, oder ob man nun einen Kaiserschnitt benötigt? Kann man etwas tun, damit sich das Baby noch mit dem Kopf nach unten wendet. Und warum ist die Schädellage von Ärzten und Hebammen die bevorzugte Lage bei der Geburt. All das werde ich Dir erklären!

Wann spricht man von Beckenendlage?

Die Beckenendlage wird sehr oft auch als Steißlage, Steißfußlage oder Fußlage bezeichnet, je nachdem wie die Babies im Bauch der Mutter liegen. Der Kopf des liegt dabei direkt unterhalb des Rippenbogens von seiner Mutter, was meist auch ein wenig unangenehm ist. Die Beine der Babies sind dabei meist am Bauch in der Höhe hochgeschlagen, oder liegen neben dem Steiß, in etwa wie bei einem Schneidersitz.

Wenn sich das Kind nicht von selbst in die die Schädellage dreht, muss das Kind im schlimmsten Fall durch einen Kaiserschnitt geholt werden. Doch in vielen Fällen spricht nichts dagegen, dass das Baby einfach mit dem Po zuerst geboren werden kann. Du brauchst Dir also nicht sofort Sorgen zu machen, denn erfahrene Ärzte und Hebammen wissen, was zu tun ist. Doch sehen wir uns zuerst einmal die unterschiedlichen Varianten der BEL an:

Die verschiedenen Formen der Beckenendlage

Bei der BEL gibt es unterschiedliche Formen, die entstehen können. Es ist vor allem die Beinposition des Babies, die von großer Bedeutung ist. Je nachdem, wo sich die Beine befinden, werden verschiedene Ausrichtungen Deines ungeborenen Kindes in der Art der Lage unterschieden:

  • Steißlage in rund 60 bis 70 Prozent der Fälle hat das Baby die Beine nach oben gestreckt, es liegt nur der Steiß im Becken.
  • Steiß-Fußlage in rund 20 Prozent der Fälle liegen die Füße neben dem Steiß mit im Becken der Mutter. Diese Position ist die günstigste für eine vaginale Geburt.
  • Fußlagen bei dieser Variante, die die Minderheit ausmacht, sind beide, oder nur ein Bein gestreckt. Diese Variante ist die ungünstigste für eine natürliche Geburt.
Eine Ursache für die Beckenendlage wird nur sehr selten gefunden.

Egal um welche Form es sich handelt, bei allen Varianten wird der Kopf des Kindes zuletzt geboren. Und der Kopf stellt der größte Teil eines Babies dar. Das ist auch der Grund warum Geburtshelfer bevorzugen, wenn das Baby mit dem Kopf zuerst kommt. Wird das Baby aus der Steiß-Fußlage geboren, ist diese Position günstiger, als die Fußlage, da der Umfang größer ist und so der Geburtskanal besser auf die Geburt des Kopfes vorbereitet werden.

Gründe für die Beckenendlage?

Gründe für eine BEL gibt es viele, doch nur selten wird ein tatsächlicher Grund herausgefunden. Ein Grund kann eine tiefsitzende, oder vorliegende Plazenta sein, oder eine zu straffe oder zu schlaffe Gebärmutterwand. Oft kommt es zu einer BEL bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben, die erst in einem etwas höherem Alter das erste Kind erwarten. Wie gesagt, kann der tatsächliche Grund jedoch nur sehr selten herausgefunden werden.

Nur sehr, sehr selten ist der Grund für eine BEL ein gutartiger Tumor oder eine Fehlbildung des Kindes. In der Regel ist dies jedoch nicht der Grund für eine BEL. Deshalb solltest Du Dir keine Sorgen darüber machen.

Wie häufig tritt die BEL auf?

Man sagt, dass die Häufigkeit bei rund 3 bis 5 Prozent aller Schwangerschaften ist. Bis zur 34. SSW liegen allerdings die meisten Kinder noch in BEL und beginnen sich dann erst in die Schädellage zu drehen. Vor allem Frühgeborene befinden sich daher häufig bei der Geburt noch in der BEL.

Noch Hoffnung zu Wendung?

Bei der Geburt ist die günstigste Lage des Kindes die, in dem der Kopf zuerst geboren wird. Man spricht also von der Schädellage. Von Natur aus ist diese auch die am häufigsten vorkommende Lage, also kein Grund zur Panik! Diese Ausrichtung in Schädellage erfolgt meist erst in der 34 bis zur 36. Schwangerschaftswoche. Bis dahin ist es also ganz normal, dass sich Dein Baby noch in einer anderen Lage befindet, weshalb Du Dir absolut keine Sorgen machen musst. Im Gegensatz zur Querlage, ist die Beckenendlage eine geburtsmögliche Lage, daher solltest Du schnell den Begriff „falsche Lage“ aus dem Kopf bekommen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Dein Baby spontan dreht, sinkt ab der 37. Schwangerschaftswoche, dennoch kann es natürlich immer noch passieren. In einigen Fällen sogar kurz vor der Geburt. Das passiert aber meist bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben.

Spontangeburt trotz Beckenendlage?

Zwischen der 34. und der 37. Woche kannst Du mit Deiner Hebamme zusammen ein wenig nachhelfen. Geeignet sind spezielle Yoga-Übungen, Licht- und Geräusch-Therapien usw. Mit Deiner Einstellung und positivem Denken kannst Du außerdem viel erreichen. Vielleicht kannst Du Dein Kind in dieser Zeit auch ein wenig mit Deinen Gedanken zum Drehen bewegen. Schlussendlich bist Du mit ihm verbunden!

Bevor eine manuelle Wendung durchgeführt wird, wird nach möglichen Risiken für das Baby geschaut. Zur Sicherheit wird die Wendung trotzdem unter OP-Bereitschaft gemacht.

Ab der 37. Woche gibt es die Möglichkeit, der äußeren Wendung. Dabei versucht man das Kind durch spezielle Handgriffe, die von außen erfolgen, zu drehen. Erfahrene Mediziner wissen genau, wie sie dabei vorzugehen haben. Sollte auch das nicht funktionieren, kann von den Ärzten geprüft werden, ob eine natürliche Geburt aus der BEL heraus auch möglich ist. In vielen Fällen ist dies auch der Fall. Wenn das Kind nicht zu groß ist und alle anderen Risiken wie zum Beispiel eine Nabelschnurumschlingung, oder ein ungünstiger Sitz der Plazenta ausgeschlossen werden kann, steht einer Spontangeburt mit der Hilfe von erfahrenen Ärzten, nichts im Wege. Erst wenn das Risiko zu hoch geschätzt wird, entscheidet man sich in der Regel für einen Kaiserschnitt.

Nur weil sich das Kind in der BEL befindet, heißt das also noch lange nicht, dass Du keine natürliche Geburt haben kannst.

Hilfen, um das Kind zum Drehen zu bewegen

Es gibt einige Möglichkeiten, um das Kind zum Drehen zu bewegen, wie beispielsweise Akupunktur oder spezielle Übungen, wie die Indische Brücke oder die Knie-Ellenbogenlage.

Bei der Indischen Brücke lagert man sein Becken nach oben, um das Baby zum Drehen anzuregen. Man kann sich auch ein dickes Kissen unter den Po legen.

Bei der indischen Brücke legst Du Dich auf den Rücken. Der Po und das Becken werden dabei hochgelagert und Deine Unterschenkel hängen möglichst nach unten. So soll das Baby aus dem Becken herausrutschen. Die Position solltest Du nur ausüben, wenn Du noch ohne Probleme auf dem Rücken liegen kannst. Diese Position hältst Du maximal 15 Minuten. Sollte es zu Schwindel kommen, musst Du die Übung sofort abbrechen! Als Alternative kann das Becken auch auf den Oberschenkeln des knienden Partner liegen. Am Ende der Übung stehst Du mit ein wenig Schwung über die Seite auf. Dadurch soll die Drehung angeregt werden.

Beim Knie-Ellenbogen-Stand stützt Du Dich auf die Unterarme und streckst den Po in die Luft. Am besten legst Du ein paar dicke Bücher, oder ein Kissen unter Deine Unterschenkel, dann bist du etwas höher. Auch dadurch kann das Kind aus dem Becken rutschen. Maximal 10 Minuten lang solltest Du in dieser Position bleiben.

Der Trick mit der Taschenlampe: Wenn Du merkst, dass Dein Kind aktiv in Deinem Bauch ist, nimm eine eingeschaltete Taschenlampe und führe sie entlang der Bauchseite von oben nach unten. (Vom Kopf des Babys zum Steiß). Dadurch zeigst Du dem Kind sozusagen die Richtung, in die es gedreht werden soll. Babys im Bauch sind neugierig und nehmen das Licht als Schimmer wahr. Nach wenigen Versuchen macht es vielleicht sogar schon den Purzelbaum in die richtige Richtung. Wichtig hierbei ist zu wissen, wo der Rücken Deines Babies liegt. Damit Dein Baby einen Purzelbaum macht, lege die Taschenlampe auf die andere Seite.

Fast wie bei der Taschenlampe kann das Kind auch einem Glöckchen folgen. Das Glöckchen wird mit einer Sicherheitsnadel am Hosenbund fixiert. Dabei muss das Glöckchen an der Seite hängen, an dem der Bauch des Babys liegt.
Das Kind soll, wie bei der Taschenlampe, dem Geräusch folgen.

Auch durch Moxen (Wärmeakupunktur) kann das Kind gedreht werden. Es handelt sich um ein spezielles Kraut (Beifußkraut), das in Form von einer Zigarre verbrannt wird. Ein bestimmter Akupunkturpunkt am kleinen Zeh wird bei Dir dadurch stimuliert. Das Kind wird sich in den nächsten 24 Stunden dadurch mehr bewegen und sich mit viel Glück in die richtige Richtung bewegen. Die Behandlung muss meist mehrfach durchgeführt werden.

die Lage des Babies selber spüren

Natürlich kannst Du als Mama die Lage Deines Kindes auch selbst ertasten. Je größer das Kind ist, desto einfacher ist es auch. Frauen, die schlanker sind und bei denen die Fettschicht am Bauch nicht so dick ist, haben außerdem größere Chancen beim Ertasten der Lage.

In der Knie-Ellenbogenlage rutscht soll das Baby aus dem Becken heraus rutschen, um sich anschließend zu drehen.

Wenn Du Deine Hand an den oberen Rand Deines Bauches legst, kannst Du die Beule von Kopf oder Po des Kindes spüren. Mit der anderen Hand kannst Du über Deinem Schambein am unteren Teil des Baches ebenso eine Beule tasten. Wenn Du beide Körperenden gefunden hast, weißt Du, dass Dein Kind sich in der Längsrichtung befindet. Würde das Kind in einer Querlage liegen, würdest Du den Kopf sowie den Po in der Höhe Deiner Taille ertasten und auch der Bauch hat meist eine querovale Form.

Doch wie stellst Du fest, was der Po und was der Kopf ist? Dafür gibt es einen ganz einfachen Trick, den Du jedoch nur sehr vorsichtig ausführen solltest. Wenn Du leicht am Po des Kindes mit der Hand wackelst, wird sich der Körper des Babys mitschwingen. Warum? Weil er direkt mit dem Rücken verbunden ist und keine Eigenbeweglichkeit besitzt. Beim Kopf ist es anders. Er lässt sich einfacher hin- und herbewegen. Der Bauch des Kindes bewegt sich dabei nicht mit. Meistens ist der Kopf sehr unangenehm unter den Rippen, da er härter ist als der Popo.

Welche Risiken gibt es bei einer natürlichen Geburt aus Beckenendlage?

Ein gefürchtetes Risiko bei einer vaginalen Geburt ist, dass die Nabelschnur durch den Kopf abgedrückt werden könnte, wenn der Steiß des Kindes schon geboren wurde. Ist der Steiß schon geboren, befindet sich der Kopf des Babies noch im Becken. Die Geburt des Kopfes sollte daher rasch erfolgen, um die Sauerstoffversorgung des Kindes zu gewährleisten. Außerdem besteht ein hoher Druck und eine starke Zugbelastung auf den Kopf und die Wirbelsäule des Kindes.

Mit einer Taschenlampe kannst Du Deinem Baby den „richtigen“ Weg zeigen.

Es gibt verschiedene Techniken und Handgriffe, die Ärzte und Hebammen beherrschen, um dem Baby bei der Geburt zu helfen. Ist das geburtshilfliche Team erfahren, kannst Du ihnen vertrauen, denn sie wissen, was sie tun.

Eine Steißlage begünstigt einen möglichen vorzeitigen Blasensprung übrigens nicht, was viele Mütter fälschlicherweise annehmen. Bei einem Blasensprung ist es allerdings empfehlenswert sich sofort hinzulegen, das Becken hochzulagern und den Krankenwagen zu rufen, da der weiche Steiß des Babies das Becken nicht so gut abdichtet wie das kindliche Köpfchen und daher die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls größer ist.

Wann ist eine natürliche Geburt möglich?

Wenn Dein Kind sich in einer unkomplizierten Steißlage befindet, kann man sich nach wie vor für eine natürliche Geburt entscheiden. Dein Baby sollte nicht zu groß (bis 3800 g geschätztes Gewicht) oder zu klein sein (bis 2500g geschätztes Gewicht), Du und das Baby gesund, Dein Becken ausreichend Platz haben und eine Nabelschnurumschlingung ausgeschlossen werden. In der Regel wird man in der Geburtsklinik, die Erfahrungen mit Beckenenlagen hat, gut beraten und. Wenn aus der Sicht der Gynäkologen nichts dagegen spricht, darfst Du Dich auf eine natürliche Geburt freuen, die ein besonderes Erlebnis werden wird.

Nur, wenn die Geburtshelfer das Risiko zu hoch einschätzen, wird zu einem Kaiserschnitt geraten. Wenn keine Klinik in der Nähe ist, die Erfahrungen mit Spontangeburten aus Beckenendlage hat, ist es außerdem ratsam sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden, um das Risiko für das Baby so gering wir möglich zu halten.

Eigentlich läuft die Geburt ziemlich ähnlich ab, als wenn Dein Baby mit dem Kopf nach unten liegen würde. Während der Eröffnungsphase darfst Du Dich frei bewegen und unterschiedliche Positionen einnehmen. In Regelmäßigen Abständen werden die Herztöne des Babies mit dem CTG kontrolliert werden. Ab dem Zeitpunkt wo der Muttermund ganz geöffnet ist, wird dann in den meisten Kliniken durchgängig eine Herztonkontrolle durchgeführt. Wenn es Deine erste Geburt sein sollte, wird man Dir evtl. eine PDA (rückenmarksnahe Narkose) empfehlen.

Die bevorzugte Geburtsposition ist übrigens der Vierfüßlerstand. Der Beckeneingang hat in diesem Fall mehr Platz, wodurch der Kopf, der bei einer BEL ja am Ende geboren wird, einfacher geboren werden kann. Bei einer Beckenendlagengeburt sind die Geburtshelfer sehr zurückhaltend. Erst ganz zum Schluss, wenn das Baby fast komplett geboren ist, legen die Geburtshelfer die Hände an das Baby und unterstützen mit bestimmten Handgriffen die Geburt des Kopfes. Durch das späte Eingreifen verhindern sie, dass das Kleine seine Arme hochschlägt, denn dieses würde den Umfang nochmals vergrößern.

geistige Entwicklung nach Spontangeburt

Bei Nachuntersuchungen von 1000 Kindern im Alter von zwei Jahren, die per Kaiserschnitt und vaginal aus Beckenendlage geboren wurden, konnten keine neurologischen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden. Damit kann man sagen, dass der Kaiserschnitt keinen Vorteil bietet, wenn die Vorraussetzungen für eine vaginale Geburt gegeben sind.

Hebamme Julia Ronnenberg am Laptop

Hat der Artikel dir gefallen?

Meld dich jetzt zu meinem Hebammennewsletter an und ich melde mich bei dir sobald ich einen neuen Artikel veröffentlicht habe.

Du bekommst garantiert keinen Spam und kannst dich auch jederzeit wieder abmelden.

Ich freue mich auf dich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

×
Produkt gekauft
×
Produkt gekauft

Hebammen-Newsletter

Meld dich jetzt zu meinem Newsletter an und ich schicke dir regelmäßig neue Artikel von mir zu rund um Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Baby:

Du bekommt nur E-Mails zu den Themen Schwangerschaft, Geburt usw. und kannst dich jederzeit wieder abmelden.

 

Alles Liebe, deine