Geburtsverletzung, was ist das genau? - Mammacita

Geburtsverletzung, was ist das genau?

Von Julia Ronnenberg | Allgemein

Bei rund 8 von 10 Müttern muss der Damm nach der Geburt versorgt werden. Besonders beim ersten Kind kommt es recht häufig vor, dass der Damm nach der Geburt genäht werden muss. Viele werdende Mütter erschreckt die Tatsache, dass es bei der Geburt zu Geburtsverletzungen kommen kann. Soviel schon mal vorweg: Die meisten Geburtsverletzungen heilen ohne Probleme wieder ab.

Die häufigsten Verletzungen sind dabei ein Dammschnitt und Dammriss. Heute wird ein Dammschnitt (Episiotomie) jedoch nur noch selten durchgeführt, aber wenn die Hebamme, oder der Gynäkologe der Meinung sind, dass dieser notwendig ist, um die Geburt z.B. rasch zu beenden, kann es zu einem Dammschnitt kommen. Dieser wird von der Hebamme, oder dem Gynäkologen während der Wehe durchgeführt. Dabei wird das Dammgewebe entweder Richtung Anus, oder leicht schräg geschnitten. Da der Dammschnitt während der Wehe durchgeführt wird, wird er von den meisten Frauen in der Regel nicht wahrgenommen. Er muss allerdings immer genäht werden.

Ebenso müssen tiefe Risse am Damm und im Scheidengewebe vernäht werden. Oberflächliche Verletzungen können auch so abheilen. Da die Wunde allerdings Berührung mit Urin haben wird, entscheidet man sich meist auch bei kleineren Verletzung dazu diese zu nähen, damit die junge Mutter weniger Schmerzen hat. Doch wie genau heilt der Damm am besten und welche Geburtsverletzungen gibt es? Eines schon mal im Vorhinein: Die meisten Verletzungen heilen unkompliziert und schnell wieder ab!

Reißen, oder Schneiden, was ist besser?

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ein glatter Schnitt ist meist für den Arzt, oder die Hebamme, die die Verletzung nähen muss leichter zu versorgen, da leichter zu sehen ist was zusammengehört. Das ist bei einem Dammriss nicht immer ganz einfach zu sehen. Dafür legen sich die fransigen Wundränder gut aneinander was eine schnelle Heilung begünstigt.

Wie häufig treten Dammverletzungen auf?

Diese Frage stellen sich wohl die meisten werdenden Mütter. Vielleicht hast auch Du Dich schon einmal gefragt, wie häufig Dammverletzungen bei einer Geburt auftreten? Grundsätzlich kann man sagen, dass diese in bis zu 85% aller Geburten auftreten. Zu den häufigsten Geburtsverletzungen zählt der Dammriss. Dieser entsteht aufgrund der besonders starken Dehnung. Es kommt somit zu einem Einreißen von dem Gewebe, das sich zwischen der Vagina und dem After befindet.

Bei jeder Entbindung können kleine Dammrisse auftreten. Bei sehr schnellen Geburten oder dann, wenn ein Baby recht groß ist, können auch ausgeprägtere Risse entstehen. Sber auch Scheidenrisse, oder Risse in den Schamlippen sind möglich. Darüber hinaus gibt es Faktoren, die Geburtsverletzungen begünstigen können. Diese sind zum Beispiel ein hohes Geburtsgewicht des Kindes, bestimmte Kopfhaltungen des Kindes, wie ein Sternenguckerbaby, welches bei der Geburt Richtung Himmel schaut, ein schneller Verlauf der Geburt, ein zu starkes Pressen,oder eine Entbindung mit Zange oder Saugglocke.

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Welche unterschiedlichen Verletzungen gibt es?

Man unterteilt den Dammriss in verschiedene Grade ein. So gibt es beispielsweise den Einriss von der hinteren Damm- und Scheidenhaut. Auch die oberflächliche Dammmuskulatur kann bei einer Geburt verletzt werden. Der Schließmuskel kann ebenfalls vollständig oder teilweise durchgerissen werden und auch die Darmschleimhaut kann eingerissen werden. Dabei gibt es die Einteilung in 4 unterschiedliche Schweregrade.

Werden die Risse immer genäht? Lösen sich die Fäden von selbst?

Dies kommt ganz auf den Grad des Dammrisses an. Es gibt Frauen, welche die Geburt ohne Risse überstehen. Bei sehr vielen Frauen reißt der Damm zudem nur gering ein und heilt ohne Komplikationen schnell wieder ab. Auf das Nähen wird bei Rissen des 1 Grades beispielsweise oft komplett verzichtet.

Bei Rissen des 2. Grades muss die Stelle unter lokaler Betäubung genäht werden. Meist verwendet man Fäden, die sich von selbst auflösen. Dies geschieht in der Regel schon nach einigen Tagen.

Nur bei Dammrissen des 3. und 4. Grades handelt es sich um einen größeren Eingriff, welcher jedoch meist ebenfalls ohne große Probleme wieder gut verheilt.

Worauf muss geachtet werden? Wie verhalte ich mich richtig?

Im Allgemeinen heilen die Verletzungen der ersten beiden Grade sehr schnell und ohne Komplikationen ab. Für die Reinigung solltest Du kurze, lauwarme Sitzbäder, oder Spülungen durchführen. Anschließend muss die Wunde wieder gut getrocknet werden. Schmerzen sowie Schwellungen können im Verlauf der Heilung auftreten. Meist schmerzt der Damm noch einige Tage oder spannt vor allem beim Sitzen. Vielen Frauen hilft es, den Wundbereich zu kühlen.

In der ersten Zeit kann der Toilettengang natürlich etwas unangenehm sein. Viele Frauen klagen über ein brennendes Gefühl im Bereich der Wunde. Wer nach oder während dem Wasserlassen ein wenig lauwarmes Wasser über die Wunde laufen lässt, kann das Gefühl mindern. Außerdem solltest Du im Wochenbett ausreichend trinken und auf eine ballaststoffreiche Kost achten, denn dadurch vermeidest Du zu harten Stuhlgang, der ebenfalls schmerzhaft sein kann. Auch Abführmittel können hilfreich sein, um den Stuhl weich zu machen und ein problemloses Abführen zu ermöglichen.

Gibt es bleibende Probleme?

Viele Frauen fragen sich, ob es bleibende Probleme wie beispielsweise Schmerzen gibt. In der Regel verläuft die Heilung ohne große Probleme. Wenn es zu einer starken Narbenbildung kommt, könnte es sein, dass diese Dir später auch noch Beschwerden verursacht. Vor allem beim Geschlechtsverkehr kann es in diesem Fall zu Schmerzen kommen. Nicht nur bei einem Dammriss, sondern auch bei dem Dammschnitt kann es zu diesem Problem kommen.

Nur sehr selten kommt es zu Abszessen, die später operiert werden müssen. Kommt es zu einer Verletzung des Schließmuskels, kann es zu einer Inkontinenz kommen. Die Muskelfunktion normalisiert sich manchmal erst nach Monaten wieder. In schweren Fällen sind Operationen notwendig, um die Schließmuskelfunktion wieder herzustellen. Glücklicherweise handelt es sich dabei jedoch um sehr selten auftretende Komplikationen.

Kann man einem Dammriss vorbeugen?

Der Damm sollte auf die Dehnung bei der bevorstehenden Geburt vorbereitet werden. Es empfiehlt sich daher schon während der Schwangerschaft immer wieder spezielle Dammmassagen durchzuführen. Ab der 35. SSW kannst Du mit der Dammmassage, oder anderen Maßnahmen beginnen, um das Dammgewebe auf die Geburt vorzubereiten. Hier geht es zu meinem ausführlichen Artikel über Dammmassage: http://www.mammacita.de/dammmassage-was-kann-sie-wirklich/

Dabei solltest Du den Damm entweder mit einem speziellen Dammmassageöl, oder einem neutralen Öl (Olivenöl oder Weizenkeimöl), kann auch ein Küchenöl sein mit sanftem Druck einreiben und massieren. Der Daumen wird hierfür ein wenig in die Scheide eingeführt und Richtung After massiert. Am Besten klappt das, wenn man ein Bein auf den Badewannenrand, oder den Toilettendeckel stellt. Auch der Partner kann mit einbezogen werden. Die Schamlippen sollten ebenfalls massiert und mit dem Öl eingerieben werden. Dadurch wird das Gewebe viel elastischer. Die Dehnbarkeit kann sich somit erhöhen.

Die Hebamme führt während der Geburt außerdem meist einen Dammschutz durch. Wenn der Kopf des Babys aus der Scheide hervortritt, stützt sie mit ihrer Hand den Damm. Der After wird mit einem Tuch abgedeckt. Zudem legt sie eine Hand auf den Kindeskopf und kontrolliert damit, wie schnell sich das Kind aus der Scheide bewegt. Durch einen sanften Gegendruck kann die Hebamme somit dafür sorgen, dass sich der Damm langsam dehnen kann und von der Geburt sozusagen nicht überrascht wird.

Wie pflege ich die Naht richtig?

Vor allem in den ersten Tagen ist die Naht unangenehm und Du solltest so viel wie möglich liegen, um den Beckenboden, und damit auch die Dammnaht zu entlasten. Die Verletzungen heilen jedoch meist sehr schnell ab. Bereits nach rund 1 Woche geht es den meisten Frauen wieder viel besser. Einigen Frauen tut es gut ein Eichenrinden-, oder Kamillosansitzbad zu machen, oder die Wunde beim Toilettengang, oder danach mit lauwarmem Wasser, oder verdünnter Calendulaessenz zu spülen. Auch Arnikakompressen, oder Arnika C30 sind hilfreich. Normalerweise lösen sich die Fäden von alleine auf, aber hin und wieder kann der Faden anfangen zu spannen, oder zu piken. In so einem Fall kann die Hebamme beim Wochenbettbesuch die Fäden lösen.

Nach etwa 4 Wochen ist die Wunde meist komplett verheilt. Wenn man möchte, kann man die Naht mit dem Dammmassageöl, oder einem anderen neutralen Öl in kreisenden Bewegungen sanft massieren,um sie geschmeidiger zu machen. Wichtig ist, dass Du auf Deinen Körper hörst und selbst siehst, was ihm guttut.

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Über diesen Autor

Ich bin Julia, seit 15 Jahren arbeite ich als freiberufliche Hebamme und teile hier mein Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt.

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