4 Tipps bei Inkontinenz nach der Geburt

Blasenschwäche nach Geburt

Eine Inkontinenz der Blase, oder auch Blasenschwäche ist unfreiwilliges Wasserlassen. Eine unangenehme und doch recht häufige Beschwerde. In Deutschland leiden um die 10.000.000 Menschen an einer Inkontinenz. Das betrifft nicht nur ältere Frauen in der Menopause, sondern häufig auch junge Frauen. Bei jungen Frauen ist meist die starke Belastung des Gewebes während Schwangerschaft und Geburt, besonders vom Beckenboden Schuld an einer Blasenschwäche. Sehr unangenehm für die Betroffenen, denn neben der Scham bedeutet eine Inkontinenz häufig auch Einschränkungen im täglichen Leben. Die gute Nachricht, gerade junge Frauen können aktiv etwas tun, damit der schwache Beckenboden bald der Vergangenheit angehört.

Wie entsteht eine Blasenschwäche?

Bei Frauen in der Schwangerschaft, oder nach der Geburt tritt meist eine Belastungsinkontinenz auf. Diese tritt meist beim Husten, Lachen, Niesen oder beim Heben schwerer Gegenstände auf. Normalerweise sorgen Deine Schließmuskeln um die Harnröhre herum, dass nichts passiert. Sie sind nicht fest genug, können sie dem Druck nicht standhalten und es kann dabei der ein oder andere Tropfen Urin in die Hose gehen. Das passiert besonders dann, wenn Deine Blase bereits gut gefüllt ist. Es gibt noch andere Arten von Inkontinenz, die teilweise auch das Halten von Stuhl und Darmgasen betrifft. Diese sind jedoch wesentlich seltener.

Der Beckenboden in der Schwangerschaft

Ein erfüllter Kinderwunsch ist der größte Segen für werdende Eltern, auch wenn die Schwangerschaft und die Geburt den Körper an seine Belastungsgrenze bringen. Neben dem Baby sollte der weibliche Körper ebenso hohe Aufmerksamkeit verdienen, denn Schwangerschaft und  Geburt gehen selten spurlos am Körper eine Frau vorbei.

Der Beckenboden und auch andere Körpergewebe werden in der Schwangerschaft aufgelockert, um dem wachsenden Kind und allen inneren Organen ausreichend Platz zu schaffen. Gleichzeitig muss der Beckenboden im Laufe der Schwangerschaft immer mehr an Gewicht tragen, welches Druck auf den Beckenboden, aber auch auf die Blase ausübt. Die Belastung wird im Laufe der Schwangerschaft immer größer. Das Gewicht, welches der Beckenboden tragen muss,  kann am Ende der Schwangerschaft bis zu sechs Kilo mehr sein.

Durch die gelockerte und weichere Muskulatur und die Druckbelastung kann es schon während der Schwangerschaft zu einem unkontrollierten Verlust von Urin kommen, besonders bei plötzlich aufkommendem Druck.

Empfehlenswert ist den Beckenboden schon während der Schwangerschaft zu kräftigen – umso weniger Komplikationen entstehen im Nachhinein. Wie Du Deine Muskulatur bereits während der Schwangerschaft schonst, erfährst Du in meinem Artikel über den Beckenboden.

Der Beckenboden nach der Geburt

Die Geburt setzt dem ohnehin schon belastetem Beckenboden die Krone auf, denn er muss sich bei der Geburt des Babies maximal dehnen und wird in viele Fällen zusätzlich durch Geburtsverletzungen in Form eines Dammrisses, oder Dammschnitts verletzt. Nach der Geburt hängt der Beckenboden quasi durch wie eine Hängematte, was den Verschlussmechanismus der Blase beeinträchtigt. Ein schnelles Anspannen der Muskulatur, zum Beispiel beim plötzlichen Husten, ist nicht mehr zu 100 Prozent gewährleistet – so kann es passieren, dass ungewollt ein Teil des Harns in die Hose geht.

Nach einer Geburt leidet allerdings nicht jede Frau unter einer Blasenschwäche, es betrifft dennoch eine recht große Anzahl. Dabei berichten mindestens 30 Prozent der Mütter von Inkontinenz innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt. Auch das Stillen kann einen Einfluss haben, da durch die Stillhormone der Beckenboden aufgelockert wird. Daher können die Symptome nach dem Abstillen spontan  abklingen. Bei einigen Frauen bleiben allerdings die Symptome auch viele Jahre später noch erhalten, oftmals auch deshalb, weil ihnen die Situation peinlich ist und sie sich niemandem anvertrauen.

Die Wahrscheinlichkeit einer Belastungsinkontinenz nach der Geburt steigt, wenn Du bereits während der Schwangerschaft eine Blasenschwäche hattest. Weitere Faktoren betreffen die Dauer, die Dein Kind für die Passage bei der Geburt gebraucht hat, die Größe Deines Kindes oder andere Komplikationen wie ein Dammschnitt oder der Gebrauch der Geburtszange oder Saugglocke. Natürlich spielt auch die Anzahl der Geburten eine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit eine Inkontinenz zu erwerben wird mit jeder Geburt größer. Das Gewebe wird erneut belastet und eine Rückbildung der Muskulatur wird mit jeder Schwangerschaft und abhängig vom Alter der Mutter schwieriger. Nicht zuletzt gibt es auch eine Veranlagung zu einer schwächeren Beckenbodenmuskulatur: Frauen mit einem schwachen Bindegewebe sind von Natur aus eher betroffen, als andere.

Vier Tipps für einen starken Beckenboden

Nach der Geburt wird Dein Körper sich von selber bis zu einem gewissen Grad wieder zurückbilden. Auch wenn Du im Wochenbett das Gefühl hast, dass Dein Beckenboden sehr schwach ist, wird das Gefühl ein paar Wochen später wesentlich besser werden. Die Muskulatur baut sich leider von alleine nicht wieder auf, da musst Du aktiv dran arbeiten. Insbesondere, wenn Du nach dem Wochenbett noch Probleme mit Inkontinenz hast, solltest Du das Thema ernst nehmen und regelmäßige Rückbildungsübungen machen. Rückbildungsgymnastik alleine macht aber noch keinen starken Beckenboden. Um dauerhaft einen kräftigen Beckenboden zu haben ist es wichtig, dass Du außerdem Deinen Beckenboden im Alltag schonst, Deine Körperhaltung verbesserst und den Beckenboden in Deinen Alltag einbaust.

Rückbildungsgymnastik gegen schwachen Beckenboden

Rückbildungsgymnastik in seitenlage
Beckenboden- und Rückbildungsgymnastik alleine sind nicht ausreichend

Auf jeden Fall sollte jede Frau nach der Geburt den Beckenboden gezielt kräftigen, auch wenn sie aktuell keine Probleme hat. Gut ist wenn Du unter Anleitung an einem Rückbildungskurs teilnimmst, um Deinen Beckenboden, aber auch die anderen Muskelpartien, die sich in der Schwangerschaft verändert haben, gezielt zu trainieren. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dabei die Kosten für einen 10stündigen Rückbildungskurs. Wenn Du keinen Rückbildungskurs findest, kannst Du natürlich auch mit einem Online-Programm, oder Trainingsvideos zu Hause trainieren. Die Übungen sollten mindestens 3 Monate regelmäßig durchgeführt werden, damit der Effekt nicht gleicht wieder verpufft.

Schonung des Beckenbodens

Das beste Training hilft nicht, wenn Du Dich im Alltag zu stark belastest. Schonen kannst Du den Beckenboden indem Du

  • beim Stuhlgang  starkes Pressen vermeidest und nur mit der Ausatmung die Bauchpresse unterstützt. Stell Deine Füße auf einen kleinen Hocker und mach Dich rund.
  • beim Pinkeln Dich nach vorne lehnst und nicht aktiv mitpresst. Nimm Dir die Zeit
Husten und Niesen belastung für den Beckenboden
  • Hüpfen und Springen vermeidest
  • beim Husten und Niesen über die Schulter schaust, so wird der Druck reduziert
  • mit geradem Rücken und angespanntem Beckenboden Gegenstände hebst
  • Antishock Schuhe mit gummiertem Absatz trägst
  • das Becken regelmäßig zum Entlasten auf ein Kissen lagerst

Verbesserung der Körperhaltung

Deine Körperhaltung beeinflusst maßgeblich die Aktivität und die Spannung Deines Beckenbodens. Stehst Du gebückt, lässt Du Deiner Schultern hängen, hängt der Beckenboden wie eine Hängematte nach unten. Kommt jetzt noch Druck dazu, wenn Du z.B. Dein Baby im Tragtuch trägst, wird der Druck im Bauchraum direkt an den Beckenboden weitergeleitet und er wird dauerhaft geschwächt. Aber auch ein Hohlkreuz ist Gift für den Beckenboden, da er sich so nur sehr schwer anspannen kann.

gute Körperhaltung

Anfangs wird es Dir wahrscheinlich schwer fallen an Deine Körperhaltung zu denken. 

Folgende Dinge können Dir helfen an Deine Haltung zu denken:

  • hänge Erinnerungszettel in der Wohnung auf
  • Hänge Dir eine schöne Kette um, oder ein Armband welches Dich erinnert
  • Speicher ein Alarm ins Handy
  • konditioniere Dich auf bestimmte Situationen z.B wenn Du durch eine Tür gehst, richtest Du Dich besonders auf
  • Greif den Griff des Kinderwagens von unten, so stehst Du aufrechter
  • Stell Dich an der Kasse, an der Ampel, oder beim Zähneputzen auf ein Bein, dadurch kommst Du aus dem Hohlkreuz
  • Kauf Dir ein Balanceboard, dadurch trainierst Du die tiefe Muskulatur und somit auch die Haltung, leg es z.B. vor den Wickeltisch

Beckenboden im Alltag einsetzen

Ganz ohne zeitlichen Mehraufwand zu haben, kannst Du Deinen Beckenboden im Alltag einsetzen, beispielsweise..

  • Beim Staubsaugen, Bodenwischen stellst Du Dich in einen Ausfallschritt und achtest auf einen geraden Rücken. Ein Teleskopstiel ist sehr hilfreich
  • Setz Dich auf die Vorderkante eines Stuhls, auf Deine Sitzbeinhöcker, um aktive zu  Sitzen evtl. mit Ballkissen
  • vor dem Aufstehen den Beckenboden aktivieren
  • Beim Treppensteigen setzt Du den Vorderfuß auf die Treppenstufe und drückst Dich aktiv nach oben 
Wenig Zeit? Verbinde Zähne putzen und Beckenbodentraining
  • Hebe mit geradem Rücken und angespanntem Beckenboden
  • Stell Dich beim Zähneputzen auf die Zehenspitzen, oder geh in den Einbeinstand
  • Spann Deinen Beckenboden immer Mal wieder im Alltag an, konditioniere Du am besten auf regelmäßig wiederkehrende Situationen

Regeneriert sich Deine Beckenbodenmuskulatur in einem erwartungsgemäßen Tempo, sollten die Symptome der Blasenschwäche ungefähr acht Wochen nach der Geburt allmählich verschwunden sein. Aber auch dann solltest Du weiter am Ball bleiben, so dass Du mindestens 3 Monate am Stück regelmäßig Übungen gemacht hast. Der Beckenboden ist allerdings für uns Frauen ein lebenslanges Thema, daher ist es wirklich empfehlenswert sich frühzeitig die „richtigen“ und schonenden Verhaltensweisen anzugewöhnen. Dann fällt es einem bald nicht mehr schwer.

Wenn Du alleine nicht weiterkommst

Sollte das Training doch nicht die gewünschten Resultate bringen, kann Dein Gynäkologe Dir spezielle Krankengymnastik für den Beckenboden verschreiben. Die Sitzungen sind 1 zu 1 und es kann individueller auf Deine Bedürfnisse eingegangen werden als in einem Rückbildungskurs. Oftmals wird Dir besonders zu Beginn einer Physiotherapie mit einem Ultraschall geholfen, Dir den Beckenboden besser vorstellen zu können. Auf dem Ultraschallbild kannst Du auch sehen, ob Du es schaffst, die entsprechenden Muskeln gezielt anzuspannen, oder nicht.

Einige Frauen haben beispielsweise Schwierigkeiten damit, ihren Beckenboden zu spüren, sodass ein gezieltes Training erstmal nicht viel Erfolge bringen kann. In solchen Fällen kann die Muskulatur durch elektrische Impulse trainiert werden. Diese passive Art des Trainings erfolgt schmerzlos und wird Elektrotherapie genannt.

Das Biofeedback-Training beinhaltet eine Sonde, die während des Beckenbodentrainings in die Scheide eingeführt wird. Mittels eines Monitors oder eines akustischen Signals kannst Du erkennen, ob Du Deine Muskeln an- und entspannen kannst. Solche Geräte gibt es auch für zuhause und können vom Gynäkoligen sogar bei Bedarf verschrieben werden.

Wenn all dies nichts nützt, kann der Arzt (Urologe) als letzten Ausweg ein Medikament oder sogar eine Operation vorschlagen. Während das Medikament dafür sorgen soll, dass sich der Schließmuskel um die Harnröhre herum zusammenzieht, wird bei der Operation ein unterstützendes kleines Band aus Kunststoff um die Harnröhre gelegt, um unkontrolliertes Wasserlassen zu unterbinden. Das ist aber der allerletzte Weg, wenn alle anderen Möglichkeiten versagt haben. Wichtig ist sich rechtzeitig Hilfe zu holen und keine falsche Scham zu haben. Du kannst Dir sicher sein, dass es viele Frauen gibt, denen es ähnlich ergeht wir Dir!

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