Bauchgurt nach der Geburt ja, oder nein?

Bauchgurt nach der Geburt

Immer wieder werde ich als Hebamme gefragt, ob es Sinn macht einen Bauchgurt nach der Geburt zu tragen, um dem weichen, überdehnten Bauch nach der Schwangerschaft mehr Stabilität zu geben. Denn war der Bauch vor der Geburt noch prall, ist er nach der Geburt leer und weich und kann unangenehm nach unten ziehen. Die Organe haben durch die weiche, überdehnte Bauchdecke keinen Halt, es kann sein, dass man sich schlecht aufrichten kann, oder dass man ein Problem hat tief einzuatmen, da das Zwechfell nach der Geburt nach unten gesackt ist.

Um die Frage nach Sinn, oder Unsinn zu beantworten, muss ich etwas ausholen.

Vorsicht beim Tragen vom Bauchgurt nach der Geburt

Ein Bauchgurt, auch unter dem Namen Postpartumgürtel oder Rückbildungsgürtel bekannt, ist immer eine passive Hilfe. Das bedeutet er gaukelt Dir Stabilität vor, die nach der Schwangerschaft noch nicht da ist. Deiner Muskulatur wird Arbeit abgenommen und diese baut sich beim Tragen eines Bauchgurtes nicht auf. Ein Postpartum Gürtel schnürt außerdem ab und drückt die Organe nach innen. Dadurch entsteht Druck auf den noch sehr weichen Beckenboden, was den bereits geschwächten Beckenboden zusätzlich belastet.

Daher ein NEIN zu einem Bauchgurt nach der Geburt, der deinen Bauch abschnürt!

Welchen Bauchgurt oder Bauchband nach der Geburt?

Aber JA zu einem Schal, den man sich um den Bauch bindet, zu einer höher sitzenden Unterhose (mit leichtem Shape Effekt), die oberhalb des Bauchnabels endet, oder einem Kinesiotape (können auch viele Hebammen anlegen). Auch die Bengkunk Bauchbinde aus Malaysia erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Hast du bereits einen Bauchgurt in der Schwangerschaft getragen, kannst du diesen auch nach der Geburt anlegen. Wichtig ist einfach, dass der Bauch nicht weggeschnürt wird, sondern nur leicht gestützt wird. Ein Symphysengurt, der in der Schwangerschaft den Beckenring zusammenhält, sitzt oftmals zu tief und übt Druck auf den Beckenboden aus. Beim Tragen eines Gurtes sollte Dein Bauch tendentiell nach oben angehoben und nicht nach innen gedrückt werden.

Gerade wenn Du einen sehr großen Schwangerschaftsbauch hattest und dieser nach der Geburt stark nach unten zieht, oder Du noch eine große Rektusdiastase hast, kann eine leichte Stütze in den ersten Wochen eine große Hilfe sein.

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Bauchgurt nach Kaiserschnitt – ja, aber nicht zu eng!

Auch nach einem Kaiserschnitt wünschen sich viele Frauen ein wenig Halt von außen für ihren Postpartumbauch. Daher bietet eine nicht zu straff sitzende Bauchbinde, Gurt, Shapewear etc. (bspw. Kaiserschlüpfer) dem Bauch eine leichte Unterstützung, entlastet die Kaiserschnittnarbe und verbessert insgesamt das Wohlbefinden. Ein straff sitzender Bauchgurt ist nach dem Kaiserschnitt aber auch hier nicht zu empfehlen.

Im Wochenbett kann Dir die Wochenbetthebamme bereits leichte Wochenbettgymnastik zeigen, wie Atemübungen, oder sanfte Beckenbodenübungen, die neben der Anregung des Kreißlaufs, die Aufgabe haben den Muskeltonus der überdehnten Bauch- und Beckenbodenmuskulatur zu verbessern. Auch eine Wochenbettbauchmassage kann Wunder bewirken und den Verschluss einer Rektusdiastase unterstützen. Frag am besten deine Hebamme, ob sie dir die Bauchmassage zeigt. Ansonsten findest du eine Anleitung zur Wochenbettbauchmassage hier.

Du möchtest mehr über die Rückbildung nach Kaiserschnitt erfahren? HIER geht es zum passenden Blogartikel mit allen wissenswerten Infos.

Am Ende des Wochenbetts kannst Du, je nachdem wie Du Dich fühlst, auch schon mit kräftigender Rückbildungsgymnastik für die Bauch- und die Beckenbodenmuskulatur oder meinem online Rückbildungskurs beginnen. Wichtig ist, dass du dabei auf dich hörst und dich nicht überforderst.

Bauchgurt nach der Geburt – Zusammenfassung

  • Ein Bauchgurt nach der Geburt sollte nicht einschnüren, da sonst Druck auf den Beckenboden entsteht
  • Dauerhaft sollte kein Rückbildungsgurt getragen werden, da die Muskulatur wieder von alleine arbeiten soll
  • Wichtig ist 6-8 Wochen nach Geburt mit Rückbildungsgymnastik zu beginnen, um mit der Zeit wieder eine stabile Mitte zu bekommen

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6651323/

https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/22346-diastasis-recti

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    4 Meinungen zu “Bauchgurt nach der Geburt ja, oder nein?

    1. Sara sagt:

      So informativ verständlich und emphatisch geschrieben. Hat mir meine Fragen alle beantwortet und mich erleichtert. Danke für den wertvollen Beitrag!

      • Julia Ronnenberg sagt:

        Hallo Anne, die Tupler Technik ist sicher ein effektives Programm. Viele Frauen schaffen es auch Jahre nach der Geburt eine erhebliche Verbesserung an ihrere RD herbeizuführen. Ich glaube das Gute ist, dass es ein klar strukturiertes Programm ist, was die Gründerin gut zu vermarkten weiß. Ein bisschen das Rundum-sorglos-Paket. Allerdings kann es nichts, was Du nicht mit einem anderen speziellen “Rektusdiastasen-Training” auch erzielen kannst. Das Tupler Training ist eine Mischung aus Übungen, um Spannung auf den tiefen queren Bauchmuskeln zu bringen, in Kombination mit einem speziellen Bauchgurt und Achtsamkeit im Alltag. Das Du lernst Deine Körpermitte bewusst in Alltagsbewegungen zu integrieren, zu aktivieren und sie so vor Druck zu schützen, was die Heilung des Bindegewebes zwischen den geraden Bauchmuskeln unterstützt. Das musst Du aber in jedem Fall. Ein reines Training reicht nicht aus bei Rektisdiastase. Egal welche Übungen Du machst, alltagschonendes Verhalten ist immer enorm wichtig.

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